Hätte der Anschlag verhindert werden können?

Aufklärung zur Terrornacht in Hanau beginnt

04. Februar 2021 - 23:36 Uhr

Hessischer Landtag debattiert über Terrornacht in Hanau

Am 19. Februar jährt sich der Anschlag in Hanau. Und immer wieder stellt sich die Frage: Hätte der Anschlag verhindert werden können? Denn es kommen immer mehr mögliche Pannen der Polizei ans Licht, vor allem der Notruf hinterlässt viele Fragezeichen. War er nicht erreichbar oder lag es an einem technischen Problem?

"Mein Sohn könnte noch leben"

Niculescu Paun hat in der Anschlagsnacht von Hanau seinen Sohn Vili Viorel Paun verloren. Als um 21.55 Uhr die ersten Notrufe bei der Polizei eintrafen, war die Leitung noch erreichbar und die Polizei schnell vor Ort. Doch nur wenige Minuten später war beim Notruf kein Durchkommen mehr. Vili Viorel Paun verfolgte den Täter, rief immer wieder bei der Polizei an, doch erreichte niemanden. Der Täter erschießt ihn in seinem Wagen.

Technisches Problem oder menschliches Versagen?

In Unterlagen, die RTL vorliegen, bestätigen den Verdacht, dass etwas schiefgelaufen sein muss: Sprachaufzeichnungen funktionierten nicht, zwischen 22:09 bis 23:13 Uhr soll angeblich niemand den Notruf gewählt haben. Die Angehörigen der Opfer fordern nun endlich eine Aufklärung der Tatnacht von der Politik. Heute musste sich Innenminister Peter Beuth vor dem hessischen Landtag äußern.

Notruf war überlastet

Beuth räumte ein, dass in der Tatnacht die Leitungen überlastet waren, die Polizeistation habe nur eine begrenzte Anzahl von Anrufen in dieser Nacht entgegennehmen können. Vorwürfe kamen auch von der SPD. Fraktionschefin Nancy Faeser kritisierte, dass Beuth Informationen nur nach öffentlichem Druck veröffentliche. Es fehle ihm an Aufklärungswillen, sowie an Empathie für die Opfer von Hanau und ihren Hinterbliebenen. FDP-Innenexperte Stefan Müller sagt: "Die Situation in Hanau zeigt, dass die Polizei eben nicht über die herausragende Ausstattung verfügt, von der der Innenminister so gerne erzählt."

Peter Beuth verwies auf die noch laufenden Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft, die das Ermittlungsverfahren leite. Aufgrund der laufenden Ermittlungen können aktuell noch keine konkreten Auskünfte zur Tatnacht gegeben werden.

Laut aktuellen Informationen soll ab Sommer eine Notrufweiterleitung in Betrieb genommen werden, wenn auch das neue Polizeipräsidium Südosthessen eröffnet wird.

Im obigen Video der RTL Hessen-Politikreporter Andreas Schopf und Benjamin Holler spricht Serpil Unvar, die Mutter des getöteten Ferhat, über die schleppenden Ermittlungen.