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Heidi Klum: Wer braucht bei GNTM noch eine Location, wenn es so schöne Fototapeten gibt

Heidi Klum sucht auch 2021 wieder "Germany's next Topmodel".
Heidi Klum sucht auch 2021 wieder "Germany's next Topmodel".
© dpa, Richard Shotwell, RS pat blo

18. April 2021 - 7:45 Uhr

von Claudia Spitzkowski

GNTM-Folge 11 ist garantiert laktosefrei und vegan und hat mich schwer motiviert, im Anschluss an diese Kolumne mal nach schönen Fototapeten zu googeln. Vorher machen wir aber einen kurzen Abstecher nach Bayern und ich erkläre, warum Heidi Klum fast im Sanatorium gelandet wäre. Außerdem müssen wir mal dringend im Duden nachschlagen, was genau eigentlich "vulgär" bedeutet. Reisegruppe GNTM fertig zur Abfahrt? Waren alle nochmal auf der Toilette? Dann anschnallen, es geht los.

Wenn du zu viel Power für den Milchersatz-Aufstrich hast

Auf geht's zum Casting! Soulin, Ana, Dascha, Romina und Luca werden mit dem Reisebus quer durch Deutschland bis nach Bayern gekarrt, um dann dort vor einer Fototapete (!) des Chiemsees zu beweisen, dass ihre Personality perfekt zu einem Milchprodukt, das aus Pflanzen gemacht wird, passt. Nicht nur das etwas schlichte Setting irritiert, sondern auch die etwas wahllos wirkenden Accessoires, die den Meeedchen zur Verfügung gestellt werden. Boxhandschuhe? Dascha, die jahrelang Kickboxen gemacht hat, gibt zwar ihr Bestes als tänzelnder Rocky-Ersatz vor malerischer bayerischer Fake-Kulisse, doch das K.o. kommt schon nach einer Runde: Zu viel Power verträgt der Milchersatz-Aufstrich dann offenbar doch nicht. Übrigens sehr konsequent von Pro7, dass sie in der Werbepause einen Spot der Milchprodukt-Konkurrenz schalten. Danke für gar nichts.

Das gilt in diesem Fall auch für Romina, die auf die Frage, ob sie sich denn für gesunde Ernährung interessiere, eifrig ausplaudert, dass sie "seit ihrem 13. Lebensjahr auf Milchprodukte verzichtet" und es ihr seitdem viel besser geht. Kann man mal machen, ist aber in etwa so, wie wenn ein Goth sich im Sonnenstudio bewirbt und direkt klarmacht, was er von Sonne hält. Nämlich nichts. Da kennt die Milch-Marketingfrau kein Pardon, runzelt die Stirn hinter ihrer großen Brille und flüstert den Kollegen zu, dass sie trotz ihrer neuen "pflanzlichen Kompetenzmarke" ja am Ende des Tages immer noch eine Molkerei seien und es eher fraglich ist, ob Romina mit dieser Einstellung das passende Aushängeschild sei. Die Antwort ist: nein.

Am Ende bekommt Ana den Job und freut sich fast ein Loch in den Bauch, weil sie jetzt ein Jahr lang Werbegesicht sein darf: "Ich stelle mir gerade vor, wie ich im Supermarkt hänge!" Wer braucht schon den Titel "Germany's next Topmodel" oder das Cover eines renommierten Modemagazins, wenn man irgendwo zwischen Fleischtheke und Kühlregal als Pappaufsteller für laktosefreien und veganen Pflanzen-Aufstrich werben kann.

Und weil wir so jung alle nicht mehr zusammenkommen, wird auch direkt das Shooting für die, laut Firmen-Webseite, "reichweiten­starken Digital-Kampagne" erledigt. Vor derselben Fototapete. Aber zumindest durfte Ana sich was anderes anziehen.

Ashley möchte nicht so „vulgär“ wie Dascha sein, meint das aber wirklich total „neutral“

Während die Reisegruppe München auf dem Rückweg ist, langweilen sich die anderen Meeedchen im Berliner Loft. Ashley hat zu viel Zeit zum Grübeln und denkt – natürlich laut, weil das für uns Zuschauer viel spannender ist – darüber nach, dass sie doch eher zurückhaltend ist und deswegen immer gegen Dascha abstinkt. Die ist ja eine bekennenden Rampensau, die in Folge zehn sogar Kult-Komiker Otto sprachlos gemacht hat. Das wurmt die von oben genannten Selbstzweifeln gebeutelte Ashley ziemlich, aber sie kann halt einfach nicht so richtig aus sich raus, denn schließlich will sie "ja mal Juristin werden und kann deshalb nicht so vulgär wie Dascha sein". Oha.

Während ich mich noch frage, wie genau es geschehen konnte, dass Ashley auf dem Weg zur Einschreibung fürs Jura-Studium falsch abgebogen ist und sich plötzlich im GNTM-Casting wiederfand, ist Dascha glücklicherweise noch auf dem Weg zurück vom Fototapeten-Chiemsee ins Meeedchen Loft. Und fast hätte sie von all dem auch nie erfahren. Aber "wäre, wäre, Fahrradkette", wie der große Sprachkünstler Lothar Matthäus einst sagte. Kurz vor dem Schluss-Walk hat es Elisa nämlich noch "nett gemeint" und Dascha brühwarm unter die Nase gerieben, wie Ashley sie genannt hat. Weil, findet Elisa, es nur fair ist, wenn man weiß, was andere so über einen sagen. Lieb von dir. Elisa. Echt.

Zu meiner Überraschung verkündet Ashley, dass die Bezeichnung "vulgär" ihrer Ansicht nach ein "neutraler" Begriff sei und kann absolut nicht nachvollziehen, warum sich Elisa - und vor allem Dascha – darüber aufregt. Ist mir auch echt ein großes Rätsel. Der Duden sagt zu "vulgär" übrigens: "Auf abstoßende Weise derb und gewöhnlich, ordinär". Ich lasse das mal so stehen und hoffe für Ashley, dass Dascha die Boxhandschuhe auf der Rückfahrt nicht mit den den Reisebus geschmuggelt hat.

„Ob hier jemand gestorben ist, interessiert mich nicht so“

Für das Fotoshooting in Folge 11 dürfen die Meeedchen endlich mal wieder raus aus dem Loft. Es geht in die Beelitzer Heilstätten, ein verfallenes Sanatorium, das bereits in diversen Gruselfilmen als Location diente. Nicht ohne Grund. Alex Mariah (ab jetzt mit Zweitnamen) weiß zudem zu berichten, dass dort ein Mörder sein Unwesen trieb, der ausgerechnet ein Model umgebracht haben soll. Heidi findet, dass sei ein "lustiges Omen". Und zwitschert fröhlich, während sie Witze darüber macht, dass dies ihr neues Haus in Berlin werden könnte: "Ob hier jemand gestorben ist, interessiert mich nicht so."

Der Duden so: "Empathie, die: Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen."

Es geht doch nichts über eine tolle Location! Doch: Fototapete!

Am Ende ist es aber auch wurscht, ob wir uns in den Beelitzer Heilstätten befinden, denn statt die Gruselatmosphäre der Location zu nutzen, werden die Meeedchen von Fotograf Kristian Schuller (bei dem ich mich nie entscheiden kann, ob seine Nase zu klein oder die Brille einfach zu groß ist) vor einer gelben Fotowand geknipst. Und die hätte man wirklich überall aufspannen können. Auch in Bayern. Da gibt es allerdings auch echt schöne Fototapeten vom Chiemsee.

Mit Soulin ist es wie mit der deutschen Nationalmannschaft

Beim Schlusswalk geht es um Haute Couture. Oder um das, was Heidi, die ja laut Karl Lagerfeld "nie in Paris war", dafür hält. Vorab zeigt "Miss Fame", ihres Zeichens DIE "High Fashion Drag Queen", den Meeedchen noch fix, wie man große Posen macht. Dann müssen alle als lebende Gemälde in einer Art Kunstgalerie vor ihr und Heidi laufen. Leider hielt Letztere es für eine coole Idee, auch noch ein paar ganz in Schwarz angezogene Männermodels in der "Galerie" zu platzieren, deren einzige Aufgabe es ist, die Models anzustarren. Creepy. Sehr.

Am Ende verliert Larissa in ihrer GNTM-Version einer Haute Couture-Robe nicht nur fast das Gleichgewicht, sondern auch den Platz in der Top Ten und bekommt von Heidi kein Foto. Und bei Ana fließen die Tränen, denn sie wäre so gerne mal die Wochen-Beste gewesen, aber es ist halt wie im Fußball. Der ehemalige englische Fußball-Profi Gary Lineker sagte einst: "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen." Auf GNTM übertragen: Du kannst so toll posen und laufen wie du willst und dir den Job angeln, am Ende ist immer Soulin die Beste.

Bis nächste Woche, ich muss jetzt tapezieren.

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