Lärmschutzbehörde lässt Flieger nicht starten

250 wütende Passagiere lösen Polizei-Einsatz am Hamburger Flughafen aus

250 Fluggäste saßen lange am Hamburger Flughafen fest. Letztendlich musste die Polizei mit einem Großaufgebot anrücken.
250 Fluggäste saßen lange am Hamburger Flughafen fest. Letztendlich musste die Polizei mit einem Großaufgebot anrücken.
© dpa, Marcus Brandt, bra kde hjb

23. Juli 2021 - 12:00 Uhr

16 Streifenwagen rasen zum Flughafen, um die Lage zu beruhigen

Sie rebellierten, bis die Polizei kam! Mitten in den Sommerferien Chaos am Flughafen in Hamburg. Der Grund: Die Lärmschutzbehörde ließ den verspäteten Flieger nicht starten – Nachtflugverbot! Daraufhin rasteten die Passagiere (viele mit Kindern) aus. Denn sie warteten schon mehr als 24 Stunden auf den Start. Die Polizei versucht, die Lage mit 16 Streifenwagen unter Kontrolle zu bringen.

Verspäteter Flug sorgt für verzweifelte Fluggäste

Die Maschine der Wizzair fiel erst aus, war dann mehr als 24 Stunden verspätet. Und dann kam die Hamburger Lärmschutzbehörde noch ins Spiel (Archivfoto).
Die Maschine der Wizzair fiel erst aus, war dann mehr als 24 Stunden verspätet. Und dann kam die Hamburger Lärmschutzbehörde noch ins Spiel (Archivfoto).
© REUTERS, Andrew Boyers, /FW1F/Louise Heavens

Die ganze Geschichte beginnt schon am 04. Juli. Wie der Hamburger Senat erklärt, sollte da eigentlich einen Maschine der Airline Wizz Air von Hamburg aus nach Tirana (Albanien), starten. Doch die 250 Fluggäste, darunter Familien mit Kindern und Ältere, haben Pech: Wegen eines technischen Defekts und einer fehlenden Ersatzmaschine muss der Flug zunächst auf den nächsten Tag geschoben werden. Am Folgetag verspätet sich die Maschine aus Tirana aber so sehr, dass sie wegen des Hamburger Nachtflugverbots ab 23 Uhr eigentlich nicht mehr zurückfliegen darf. Und auch ein weiteres Problem tut sich auf: Bereits erteilte Ausreisestempel und Corona-Testbescheinigungen wären für den geplanten Flug gültig gewesen, hätten bei einer weiteren Verzögerung aber erneuert werden müssen. Das ist wohl zu viel für die Reisenden.

Fluggäste lösen durch aggressives Verhalten Polizeieinsatz aus

21.06.2021, Hamburg: Polizeidirektor Dirk Reitmaier, Leiter der Bundespolizeiinspektion am Flughafen Hamburg, steht an den Sicherheitskontrollen des Flughafens Hamburg Airport Helmut Schmidt. Der Flughafen Hamburg bereitet sich mit mehreren Neuerunge
Die Beamten von Bundes-Polizeidirektor Dirk Reitmaier mussten die Lage mit Hamburger Polizisten unter Kontrolle bringen (Archivfoto).
© dpa, Marcus Brandt, bra kde

Als die Fluggäste erfahren, dass sie auch am späten Abend des 5. Juli nicht mehr starten werden, "verhielten sich die Fluggäste daraufhin verbal aggressiv und weigerten sich, den Sicherheitsbereich zu verlassen", erklärt der Senat in seiner Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage von Stephan Jersch (Die Linke).

Die Bundespolizei ruft demnach die Hamburger Polizei zu Hilfe, die mit 16 Streifenwagen anrückt. Die Lärmschutzbeauftragte Dr. Gudrun Pieroh-Joußen habe zwei Anträge von Wizz Air auf eine Ausnahmegenehmigung abgelehnt, berichtet der Senat weiter. Erst als sich die Einsatzleitung der Bundespolizei kurz vor Mitternacht einschaltet, habe die Rufbereitschaft der Lärmschutzbeauftragten nachgegeben. Die Maschine sei schließlich am 6. Juli um 1.41 Uhr gestartet.

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Soll die Fluggesellschaft die Einsatzkosten zahlen?

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© deutsche presse agentur

Die Linksfraktion kritisiert die Ausnahmegenehmigung: "Für ablaufende Fristen in Reisedokumenten oder für auslaufende Coronatest-Bestätigungen erwarte ich unter solchen extremen Umständen Flexibilität staatlicher Stellen - sowas darf dann nicht zu einem Argument für die Aufhebung des Nachtflugverbots werden", fordert der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Stephan Jersch, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der Abgeordnete bemängelt zudem das nachsichtige Vorgehen der Polizei: "Wenn 16 Streifenwagen der Polizei anrücken müssen, ist das ein Zeichen dafür, dass die Situation am Gate aus dem Ruder gelaufen war. Trotzdem wurde das Personal nicht in Sicherheit gebracht und es wurden keine Ermittlungen eingeleitet oder Anzeigen geschrieben. Für mich ist das ein völlig falsches Zeichen." Jersch fordert, die Fluggesellschaft in Haftung zu nehmen. Wizz Air müsse die Einsatzkosten bezahlen und für den nächtlichen Start zur Kasse gebeten werden. (dpa/nfi)

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