Sie sollen nach einem Unfall ihrer Enkel eine Kaution hinterlegen

2,7 Millionen Euro von Senioren mit "Schockanrufe" und Einbrechermasche abgezockt

Besonders ältere Menschen sind im Visier der Trickbetrüger.
Besonders ältere Menschen sind im Visier der Trickbetrüger.
© deutsche presse agentur

22. Oktober 2021 - 8:32 Uhr

Tricks werden immer wieder abgewandelt

Ihre Betrugsmasche wird immer perfider.

Die Polizei Hamburg warnt erneut vor Trickbetrügern am Telefon, die weiterhin täglich versuchen, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Für die Übergabe der Wertgegenstände nutzen sie Tricks, die sie immer wieder etwas abwandeln.

Nach angeblichen Unfall folgt eine Kaution

 Symbolbild / Themenbild: Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Blaulicht. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Blaulicht, Einsatz,Niedersachsen, Hannover, Blaulicht, Notfall, Feuer, Brand, Notruf, Einsatzstelle, Hilfe, Notarzt, NEF, Notarzteinsatzfahrz
Die Polizei warnt: Es wird behauptet, enge Familienmitglieder hätten einen schweren Autounfall gehabt.
© imago images/Die Videomanufaktur, Martin Dziadek via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Derzeit werden vermehrt die sogenannten Schockanrufe verwendet. Diese sind besonders perfide, weil die Täter ihre Opfer mit einer emotional stark belastenden Situation konfrontieren. Es wird behauptet, enge Familienangehörige wie ein Enkel oder eine Nichte hätten einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Beispielsweise zur Abwendung einer Haft oder zur Begleichung anfallender Behandlungskosten müsse nun ein höherer Geldbetrag gezahlt werden.

250.000 € am Mittwoch erbeutet

 Hand einer Seniorin mit Euroscheinen, zählt ihr Geld, Deutschland, Europa *** Hand of a senior citizen with euro notes counts her money Germany Europe Copyright: imageBROKER/JanxTepass ibxjte04634744.jpg Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmun
250.000 Euro haben die Betrüger am Mittwoch in Hamburg erbeutet.
© imago images/imagebroker, imageBROKER/Jan Tepass, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Täter versuchen entweder, die Übergabe von Wertgegenständen in unmittelbarer Wohnortnähe durchzuführen oder ihre Opfer zu öffentlichen Gebäuden zu dirigieren. Regelmäßig soll die Übergabe an einen angeblichen Behördenmitarbeiter erfolgen. Um den Anschein zu erwecken, dass alles mit rechten Dingen zugeht und es sich bei dem Empfänger der Wertgegenstände tatsächlich um einen Behördenmitarbeiter handelt, betreten die Täter vor dem Eintreffen ihres Opfers das Gebäude, um es bei dessen Ankunft für das Opfer erkennbar wieder zu verlassen.

Am Mittwoch erbeuteten Täter in Hamburg-Poppenbüttel und Hamburg-Groß Flottbek, Schmuck und Goldmünzen im Wert von etwa 250.000 Euro.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Goldschmuck und Münzen im Wert von 250.000 Euro

Enkeltrick
Oft händigen ältere Menschen wertvollen Schmuck oder wertvolle Münzen aus.
© deutsche presse agentur

In beiden Fällen behaupteten sie jeweils, dass die Enkel der Geschädigten einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hätten. Gegen eine hohe Kaution sei es möglich, die Enkelin aus der Untersuchungshaft auszulösen. Letztlich gelang es den Tätern, in unmittelbarer Wohnortnähe eine Übergabe der Wertgegenstände zu realisieren. Eine 92-jährige Frau aus Hamburg-Poppenbüttel übergab Goldschmuck und Münzen im Wert von 100.000 Euro, eine 93-jährige aus Hamburg-Groß Flottbek muss einen Verlust von etwa 150.000 Euro in Form von Krugerrand Münzen beklagen. Der Krugerrand ist eine Anlagemünze und Kurantmünze, die in Gold, seit 2017 auch in Silber oder Platin, geprägt wird.

Mit den sogenannten "Schockanrufen" oder der Einbrechermasche haben die Betrüger im Jahr 2020 etwa 2,7 Millionen Euro Beute gemacht. Bei der Einbrechermasche geben die Täter an, angebliche Einbrecher mit sensiblen festgenommen zu haben, jetzt sei das Geld bei der Bank nicht mehr sicher und sie würden es besser in Empfang nehmen.

Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit

 Einsatzwagen der Polizei bei einem Einsatz in der Innenstadt von Köln, Nordrhein Westfalen, Deutschland *** Police car on a mission in the city centre of Cologne, North Rhine-Westphalia, Germany
Die Polizei gibt Tipps, wie man sich bei verdächtigen Anrufern verhält.
© imago images/Ralph Peters, Ralph Peters via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Polizei Hamburg gibt folgende Ratschläge:

  • Legen Sie beim geringsten Zweifel auf, rufen Sie die Polizei unter 110 oder Ihre örtliche Polizeidienststelle an.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer immer dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie auch misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte oder Bekannte wissen kann.
  • Lassen Sie sich auch bei einem angeblichen Notfall nicht unter Druck setzen. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen schon lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Sprechen Sie nicht über Ihre persönlichen oder finanziellen Verhältnisse und übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehenden Personen.
  • Lassen Sie sich nicht mit vollem Namen im Telefonbuch eintragen, denn die Täter suchen gezielt nach altmodisch klingenden Vornamen.
  • Auch Verwandte, Freunde und Nachbarn können helfen, solche Taten zu verhindern: Sprechen Sie schon im Vorfeld über die Möglichkeit solcher Anrufe und wie man darauf reagieren sollte.
  • Große Geldbeträge oder Wertsachen sollte nicht zu Hause aufbewahrt werden.
  • Sprechen Sie ungewöhnliche Beobachtungen an oder rufen Sie die Polizei. (agi)