Langsames Einschleichen von Arzneimitteln

Gesundheitslexikon: Titration (Dosistitration)

Als Dosistitration bezeichnet man eine langsame, stufenweise Anpassung der Dosis eines Arzneimittels
© dpa, Friso Gentsch

25. Februar 2020 - 11:44 Uhr

Titration: Wie die ideale Dosierung von Medikamenten ermittelt wird

Unter einer Titration oder Dosistitration versteht man in der Medizin und in der Pharmakologie ein Verfahren zur Ermittlung der optimalen Arzneimittelmenge, die einem Patienten verabreicht werden soll. Durch schrittweise Auf- und Abdosierung von Medikamenten ermittelt man die optimale Wirkstoffmenge für die Behandlung. Die Dosierung von Fertigarzneimitteln, die von Unternehmen produziert und nicht vom Apotheker hergestellt werden, darf nur in vorgegebenen Intervallen angepasst werden.

Was ist Titration im Sinne einer Dosistitration?

Dosistitrationen sind in der medizinischen Praxis an der Tagesordnung. Jedes Individuum reagiert auf Arzneimittel auf individuelle Art und Weise. Während ein Patient abhängig von seiner Konstitution beispielsweise schon bei einer Minimalmenge bestimmter Wirkstoffe von der vollen Wirkpalette profitiert, brauchen andere Patienten deutlich höhere Wirkstoffmengen für dieselben Effekte. Beim Anpassungsverfahren der Titration geht es darum, die ideale Arzneimitteldosis für den einzelnen Patienten zu finden. Bei vorgefertigten Arzneimitteln bewegen sich Mediziner bei der Dosistitration im Rahmen der herstellerspezifischen Wirkstärkenintervalle. Während der stufenweisen Auf- und Abdosierung beobachten sie zur Ermittlung der optimalen Menge die individuellen Reaktionen.

Einsatzbereich der Dosistitration

Bei der Dosistitration soll die Effektivdosis des Arzneimittels ermittelt werden. Damit ist die Wirkstoffdosierung gemeint, ab der bei einem individuellen Patienten die therapeutisch erwünschte Wirksamkeit erzielt wird. Sogenannte Dosis-Wirkungs-Kurven werden dazu genutzt, diese ideale Dosis zu ermitteln. Wird die Dosis der therapeutischen Wirksamkeit an zahlreichen Individuen ermittelt, so lässt sich verallgemeinern, welche Menge bei der Hälfte aller Individuen den geplanten Therapieeffekt zeigt. Diese Dosis wird als ED50 bezeichnet. Dementsprechend entspricht die ED95 einer Dosierung, die an 95 Prozent aller Individuen die erwünschten Wirkungen zeigt. Der NOEL ist wiederum die Höchstdosis ohne Effekte und der NOAEL ist die Höchstdosierung ohne Nebenwirkungen.

Wie beeinflusst die Therapiebreite von Medikamenten die Dosistitration?

Wenn Mediziner oder Pharmakologen von der therapeutischen Breite von Arzneimitteln sprechen, meinen sie den Abstand zwischen der therapeutisch wirksamen Dosis und der toxischen Dosierung. Bei der Dosistitration bewegen sich Mediziner zwischen der ED50-Dosierung (mittlere Effektivdosis und der NOAEL-Dosierung, also der höchsten Dosis ohne Nebenwirkungen. Über dem NOAEL setzt die toxische Dosis ein. Unter diesen Bereich fallen auch tödliche Dosierungsmengen. Grundsätzlich gelten Arzneien mit einer großen Therapiebreite als sicherer. Je größer diese Breite, desto länger dauert die Ermittlung der Idealdosis. Eine große therapeutische Breite besitzt zum Beispiel das Antibiotikum Penicillin.

Welche Faktoren beeinflussen die Titration?

Arzneimitteldosierungen unterliegen interindividueller und intraindividueller Variabilität. Interindividuell bedeutet, dass sich Idealdosierungen von Mensch zu Mensch unterscheiden und von Faktoren wie Lebensalter, Körpergewicht und Körperoberfläche abhängen. Mit intraindividuell meint die Pharmakologie, dass die optimale Dosierung für einen bestimmten Patienten keine Konstante ist, sondern in Abhängigkeit vom gegenwärtigen Krankheitsstadium und Faktoren wie der aktuellen Organfunktion zu betrachten ist. Darüber hinaus wirkt sich der angesetzte Therapiezeitraum auf die Idealdosis aus. Effektivdosis und Letaldosis verändern sich abhängig von der Einnahmedauer. Die Initialdosis im Sinne der Anfangsdosis von Langzeittherapien geht mit der Zeit beispielsweise in Erhaltungsdosierungen über.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.