Gesundheitslexikon: Thyroxin

29. November 2018 - 15:45 Uhr

Thyroxin – das lebenswichtige Schilddrüsenhormon

Thyroxin ist das wichtigste Hormon der Schilddrüse. Es wird in der Schilddrüse von Säugetieren gebildet. Das Hormon wurde im Jahr 1919 von Edward Calvin Kendall aus getrockneten Schilddrüsenpräparaten isoliert. Erst sieben Jahre später stellte Charles Robert Harington seine Eigenschaften fest. Das Hormon steigert den Stoffwechsel, insbesondere in der Wachstumsphase, und nimmt zudem Einfluss auf weitere Hormone. Ebenfalls 1926 verwendete Georg Friedrich Henning Thyroxin, um Leiden der Schilddrüse zu behandeln. Es wurde unter dem Namen "Thyroxin Henning" verkauft.

Was ist Thyroxin?

Chemisch betrachtet ist Thyroxin eine nichtproteinogene Aminosäure. Das Hormon wird auch als T4 bezeichnet, weil es im Molekül vier Jodatome besitzt. Es ist das Prohormon für T3 oder Trijodthyronin, welches über drei Jodatome verfügt und den größten Teil der hormonellen Aktivität der Schilddrüse ausübt. Beide Schilddrüsenhormone sind für den Energiestoffwechsel des menschlichen Organismus verantwortlich. Sie unterstützen außerdem die Tätigkeit weiterer Hormone wie die des Wachstumshormons sowie von Insulin, Glukagon oder Adrenalin. Thyroxin kommt nur im geringen Maße frei im Blut vor. Zu über 99,9 Prozent ist es an Plasmaproteine gebunden.

Wann wird Thyroxin ausgeschüttet?

Die Ausschüttung von Thyroxin unterliegt dem hormonellen Regelkreis der Schilddrüse. Im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns, wird TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) ausgeschüttet, welches wiederum in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) die Ausschüttung von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) anregt. TSH ist für die verstärkte Bildung der Schilddrüsenhormone T4 und T3 verantwortlich. Beide Hormone werden über die Blutbahn zu den einzelnen Zellen transportiert. Dort stimulieren sie die Stoffwechselvorgänge. Gleichzeitig gelangen sie über die Blutbahn auch in den Hypothalamus und die Hypophyse, wo sie die Bildung von TRH und TSH wieder hemmen.

Was bewirkt Thyroxin im Körper?

Thyroxin und Trijodthyronin sorgen für eine ausgeglichene Energiebilanz des Organismus. Dabei passen sie den Stoffwechsel an den jeweiligen Bedarf an. So spielen sie in der Wachstumsphase eine große Rolle, weil hier der Energiebedarf besonders hoch ist. Aber auch im Erwachsenenalter steuern sie in den meisten Geweben den Stoffwechsel. Lediglich auf Milz, Hoden oder Gehirn haben sie dann keinen Einfluss mehr. Außerdem wirken beide Schilddrüsenhormone auf die anderen endokrinen Drüsen ein und stimulieren die Ausschüttung verschiedener Hormone wie Insulin, Glukagon und andere.

Was passiert bei Mangel oder Überschuss von Thyroxin?

Wenn die Schilddrüse zu wenig Thyroxin ausschüttet, wird von einer Hypothyreose gesprochen. Das kann verschiedene Ursachen haben wie eine geringe Aktivität der Schilddrüse, Jodmangel oder Störungen des Hormonregelkreises. Typische Symptome sind aufgrund des niedrigen Energieumsatzes Müdigkeit, Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit, Myxödeme, Kälteintoleranz, zu niedrige Herzfrequenz oder Obstipation (Verstopfung). Wird zu viel Thyroxin ausgeschüttet, kommt es zu einer übermäßigen Anregung des Energiestoffwechsels, einer Hyperthyreose. Es treten Hyperaktivität, Schlafstörungen, Hyperthermie, verstärkte Schweißbildung, Durchfälle, hohe Herzfrequenz, Herzrhythmusstörungen und Gewichtsverlust auf. Typische Erkrankungen sind Morbus Basedow oder eine Schilddrüsenautonomie.

Wie wird Thyroxin in der Medizin eingesetzt?

Thyroxin findet in der Medizin hauptsächlich Anwendung zur Hormonsubstitution bei einer Hypothyreose. Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion sind lebenslang auf die Verabreichung von Thyroxin angewiesen. Dabei wird es 30 Minuten vor dem Frühstück in Form von Tabletten eingenommen. Bei einem durch Thyroxinmangel bedingten Koma muss das Hormon intravenös injiziert werden. Auch bei der Behandlung eines Kropfes (Struma) kann es neben einer ausreichenden Jodversorgung eingesetzt werden. Zur Verhinderung von Rezidiven (Rückfällen) nach einer operativen Entfernung eines malignen (bösartigen) Schilddrüsentumors kommt es ebenfalls zum Einsatz.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.