Mineral aus Magnesiumsilikat

Gesundheitslexikon: Talkum (Talk)

Talkum findet sich vor allem in Babypuder und vielen Kosmetikartikeln
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06. Juli 2020 - 12:33 Uhr

Gesundheitsrisiko Talkum: Wie gefährlich ist das Pulver?

Fluffiges Babypuder kennt jeder. Es riecht fein und legt sich schützend über feuchte Hautareale, weshalb es gerade bei Kleinkindern unter der Windel gerne zum Einsatz kommt. Es hat vielfältige positive Eigenschaften. Mit Talkum kommt man ständig in Berührung. Seit einiger Zeit steht der Stoff allerdings in der Kritik. Doch was ist Talk eigentlich genau?

Was ist Talk bzw. Talkum?

Talk ist ein gesteinsbildendes Mineral, welches natürlich in der Erdkruste vorkommt. Abbaugebiete finden sich weltweit, auch in Deutschland. Talk ist ein sogenanntes Schichtselikat und gehört chemisch betrachtet zu den mineralischen Kieselsäureverbindungen. Es ist farblos, außergewöhnlich weich und wasserabweisend. Nimmt man ein Stück Talk in die Hand, fühlt es sich seifig an. Nach dem Abbau wird Talk in speziellen Gesteinsmühlen fein zermahlen. Nach dem Mahlvorgang wird es als Talkum bezeichnet. Das Pulver wird in vielen Zweigen der Industrie als Zusatz eingesetzt. Es ist vor allem als Hilfsstoff oder Füllstoff beliebt, weil es bei vielen Produkten für Volumen und weiche Textur sorgt.

Wie wird Talkum in der Medizin eingesetzt?

Talkum kommt in der Medizin eine wichtige Aufgabe zu. Wenn Menschen massive Verletzungen am Brustkorb erleiden, sind häufig Lungenfell und Brustfell betroffen. Besonders schlimme und häufig lebensgefährliche Verletzungen treten beispielsweise nach Unfällen, Stich- oder Schussverletzungen (Pleurodese) auf. Um den Defekt zu reparieren, kommt das Pulver zum Einsatz: Mittels Talkum wird eine permanente Verklebung von Rippenfell und Lungenoberfläche vorgenommen (Talkumpleurodese). Das dafür speziell hergestellte Mineralpulver ist asbestfrei, gleichmäßig vermahlen und steril. Ferner wird Talkum von der Pharmaindustrie als Füllstoff für Tabletten, als Pudergrundlage und in der Zahnmedizin genutzt. Auch die pudrige Seite mancher Verhütungsmittel wurde mit Talkum besprenkelt.

Gibt es weitere Berührungspunkte mit Talkum?

In der Lebensmittelindustrie wird Talkum immer dann eingesetzt, wenn Oberflächen vor dem Verkleben geschützt werden sollen (beispielsweise bei Kaugummistreifen). Die Kosmetikindustrie schätzt ebenfalls die wasserabweisende Eigenschaft des Minerals und setzt Talkum als Füllstoff in Rouge-Puder, in Kajal-Stiften, Lidschatten oder Lippenstiften ein. Körperpuder besteht aus Talkum (versetzt mit Pflege- und Duftstoffen), weil es gut anhaftet und Feuchtigkeit bindet (Fußpuder oder Babypuder). Im Sport ist Talkum unerlässlich, wenn Geräteturner oder Kletterer mittels des sehr feinen Pulvers für trockene Hände sorgen müssen. Ebenso sind viele Papiere, Farben, Lacke und Kunststoffe mit Talkum angereichert, weil es als Füllstoff wenig Gewicht hat.

Wichtige Hinweise

Weil Talkum weder Allergien auslösen noch Haut- oder Augenreizungen hervorrufen soll, wurde das Mineralpulver jahrzehntelang in sehr vielen Bereichen eingesetzt. Jüngste Forschungsergebnisse lassen allerdings eine gewisse Krebsgefahr vermuten. Dabei soll Talkum ähnlich aggressiv im Körper wirken können wie Asbest. Ob das Pulver eingeatmet oder auf die Haut aufgetragen wird, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Die feinen Fasern sollen, so einige Forscher, durch den Körper wandern und zu Schäden führen können. Insbesondere ein eventueller Zusammenhang zwischen der Talkumverwendung und dem Auftreten von Eierstock- und Lungenkrebs wird diskutiert. Zudem kann Talkum zu Entzündungen der Atemwege führen, wenn es eingeatmet wird.