Gesundheitslexikon: Shunt

29. November 2018 - 15:45 Uhr

Der Shunt – eine Fistel zur Lebenserhaltung

Shunt ist die medizinische Bezeichnung für eine Verbindung zwischen zwei eigentlich getrennten Gefäßen oder Hohlräumen im Körper. Ziel ist der Austausch von Flüssigkeit. Einige Shunts sind natürlichen Ursprungs, in medizinischen Notfällen werden bestimmte Shunts jedoch auch chirurgisch angelegt. Alle sogenannten iatrogenen Shunts dienen dann einer bestimmten Therapie. Am weitesten verbreitet sind der Dialyse-Shunt und der Ventrikel-Peritoneal-Shunt, kurz VP-Shunt.

Natürliche Shunts

Leber-, Aorten- und Vorhofshunt sind bei einem Ungeborenen noch notwendig, da der Fötus keine Lungenatmung hat, sondern seinen Sauerstoff rein über die Plazenta bezieht. Normalerweise schließen sich diese Shunts mit dem ersten Schrei des Kindes. Ein natürlicher Shunt, der noch nach der Geburt besteht, ist jedoch pathologisch. Der Shunt, der postnatal am häufigsten auftritt, ist der kardiale Shunt. Dabei handelt es sich um eine Verbindung zwischen dem eigentlich getrennten Lungen- und Körperkreislauf, wodurch sich sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut miteinander vermischen.

Künstliche Shunts und ihre Indikation

Der häufigste künstliche Shunt ist der Dialyseshunt. Wenn die Nieren weniger als 30 Prozent des Blutes filtern, kann es zu einer Vergiftung des Körpers mit harnpflichtigen Substanzen kommen. Der Dialyseshunt ist ein Zugang, über den mittels Dialysemaschine die Arbeit der Nieren übernommen wird. Ebenso häufig spielt der VP-Shunt eine lebensnotwendige Rolle bei der Versorgung kranker Menschen mit Hydrozephalus. Dabei wird Liquor aus Gehirnkammern (Ventrikeln), welches aufgrund anatomischer Anomalien nicht abfließen kann, in die Bauchhöhle (Peritoneum) geleitet. Ein TIPS wird gelegt, um eine Verbindung zwischen dem Pfortadersystem der Leber und dem Herzen zu legen. Der transjuguläre-intrahepatische-portocavale Shunt soll bei schweren Lebererkrankungen die Umgehungskreisläufe entlasten, damit es nicht zu Blutungen kommt.

Anlegen eines Shunts

Der Dialyseshunt wird angelegt, damit ein großlumiges Gefäß zur Punktion zur Verfügung steht. Eine Unterarm-Vene wird mit einer dort liegenden Arterie verbunden. Innerhalb von etwa sechs Wochen verändert sich die Vene, da in der Arterie ein höherer Druck herrscht, der in die Vene zurückschlägt. Sie weitet sich und pulsiert ähnlich einer Arterie. Der gute Blutfluss ermöglicht eine maschinelle Blutwäsche. Ein VP-Shunt ist ein Schlauch, der mittels Schädel-Bohrloch vom Gehirn-Ventrikel über ein Ohr und den Hals ins Bauchfell geschoben wird. Über den Regulator hinter dem Ohr wird die Abflussmenge bestimmt. Der Liquor fließt vom Ventrikel ins Bauchfell und wird dort vom Körper rückstandslos resorbiert.

Risiken und Komplikationen

Durch die permanente Punktion des Dialyse-Shunts verändert sich die Gefäßwand. Entstehende Aneurysmen oder Ablagerungen können die Funktion des Shunts extrem beeinträchtigen. Zudem ist der Dialyseshunt sehr anfällig für Thromben. Diese Blutgerinnsel können über das Gefäßsystem zum Herzen gelangen und dort einen Infarkt auslösen. Des Weiteren treten Shuntinfektionen und Hämatome an den Einstichstellen häufig auf und müssen sofort behandelt werden, um den Dialysezugang zu erhalten. Beim VP-Shunt spielen vor allem die Über- und Unterdrainage eine wichtige Rolle. Dieses Problem kann oftmals mittels Justierung geregelt werden. Die Shuntinfektion hingegen ist ein Problem, welches schwieriger zu beheben ist.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.