Gesundheitslexikon: Score (Scoring-System)

29. November 2018 - 15:51 Uhr

Krankheitsbilder mittels eines Scoring-Systems klassifizieren

Ärzte müssen ständig wichtige Entscheidungen treffen und Einschätzungen abgeben. Oft sollen sie in wenigen Sekunden darüber entscheiden, wie ein bestimmter Patient weiter behandelt wird oder ob die Therapie überhaupt Aussicht auf Erfolg hat. Jeder medizinische Notfall ist individuell. Doch objektiv gesehen, ähneln sich viele Abläufe und Maßnahmen. Um eine einheitliche und vergleichbare Größe im medizinischen Alltag zu etablieren, wurde der Score entwickelt.

Was ist ein Score?

Spricht ein Arzt von einem Score oder Score-System, führt das bei manchen Patienten leicht zu Verwirrung. Der Arzt allerdings beruft sich dabei auf eine Art statistische Auswertung des Krankheitsbildes oder des Verletzungsmusters. Er zieht also einen Vergleich heran. Ein Score ist eine Art Index oder Punktesystem, welches auf den gesammelten Daten der Vergangenheit beruht. Die Statistik setzt dabei verschiedene Berechnungsverfahren miteinander ins Verhältnis. Das Score-System soll dem Arzt in kürzester Zeit mehrere Anhaltspunkte darüber aufzeigen, wie der aktuelle Fall des Patienten medizinisch-strategisch einzuschätzen ist.

Was zeigt der Score an?

Der Score ist ein praktisches Hilfsmittel, das Ärzten einen (juristisch) sicheren Handlungsablauf vorgeben soll. Er zeigt an, wie der Schweregrad der Erkrankung im Verhältnis zu der zu erwartenden Prognose, dem eventuellen Verlauf der Behandlung und dem Ausgang der Therapie ist. Auch werden Parameter wie das Alter des Patienten, Vorerkrankungen oder Laborwerte miteinbezogen. Aktuelle Scoring-Systeme nehmen sogar genetische Marker mit auf. Mit einem Score sollen einheitliche Behandlungs-Standards sowie ein schnellerer Ablauf generiert werden. Zudem soll der Arzt mithilfe der Skalen weniger subjektiv entscheiden müssen, sondern sein Handeln auf den objektiven Gehalt dieses Punktsystems stützen können.

Wo kommen Scores in der Medizin zur Anwendung?

Score-Systeme werten beispielsweise, wie hilfreich der Transport von Schwerverletzten mittels Hubschrauber ist, und berechnen das Risiko, auf einer Intensivstation zu sterben. Der Score vergleicht ferner Patientengruppen, die eine bestimmte Therapiemaßnahme erhalten könnten und zeigt an, ob sich die Maßnahme überhaupt lohnt. Es gibt auch einen Score, der aufweist, wie Neugeborene am besten zu versorgen sind oder inwiefern kritische Situationen während des Geburtsvorganges eintreten könnten. Ein anderer Score befasst sich mit Lebererkrankungen und berechnet, welche weiteren Komplikationen dem Patienten womöglich bevorstehen oder ob eine Transplantation sinnvoll ist. Es gibt Skalen, die sich mit den Begleiterscheinungen von Lungenentzündungen, Herzerkrankungen oder Krebsleiden beschäftigen.

Was sollte man bei Scores beachten?

Der Datenüberblick kann auch nachteilig sein – dann nämlich, wenn beispielsweise ganzen Patientengruppen eine Behandlung versagt bleibt, weil der Score zu schlecht ausfällt. So sind beispielsweise Raucher vom Erhalt eines Spenderorgans ausgeschlossen, weil bei ihnen die Wundheilung mit großer Wahrscheinlichkeit verzögert verläuft. Außerdem wird der Score manchmal dazu missbraucht, zu teure Behandlungen einzustellen, wenn nicht genügend Menschen nach einer Methode behandelt werden und damit ein negatives Kosten-Nutzen-Risiko für die Klinik entsteht. Letztlich mag es für manchen Patienten auch ein ungutes Gefühl sein, wenn sich die Behandlung weniger am persönlichen Sachverstand des Arztes orientiert, sondern eher nach den Voraussagen einer Statistik richtet.