Häufigkeit einer Krankheit in der Bevölkerung in einem bestimmten ZeitraumGesundheitslexikon: Morbidität

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Prozentsatz einer Bevölkerung, die an einer bestimmten Krankheit leidet
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Morbidität bedeutet umgangssprachlich übersetzt Empfindlichkeit oder Schwäche. In der Epidemiologie und in der Medizin-Forschung wird mit diesem Begriff die Häufigkeit der Erkrankungen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe bezeichnet; er bezieht sich auf eine statistische Größe. Bei der epidemiologischen Forschung wird das Verhältnis einer auftretenden Krankheit in einem festgelegten Zeitraum zur Gesamtzahl der beobachteten Personen in einem bestimmten Umfeld untersucht. Die Anzahl der Menschen, die diese Erkrankung erlitten haben, wird in den meisten Untersuchungen auf 10.000 oder 100.000 Personen einer Bevölkerung bezogen.

Das Morbiditätsrisiko einer Bevölkerungsgruppe

Die epidemiologische Forschung untersucht, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit eines Morbiditätsrisikos der einzelnen Menschen in einer Bevölkerungsgruppe ist. Bei der Ermittlung dieses statistischen Wertes wird der Gesichtspunkt des erreichten Alters hinzugezogen. Das Ergebnis zeigt auf, welcher Anteil der Bevölkerung bis zu einem gewissen Alter an einer bestimmten Krankheit leidet. Gerade in der Demografie spielt die Morbidität eine bedeutende Rolle. Hier wurde beispielsweise ein Ranking der häufigsten Krankheiten ermittelt, die bei Menschen ab 65 Jahren auftreten. Die ischämische Herzkrankheit (Minderdurchblutung des Herzens) und zerebrovaskuläre Krankheiten (Störung der Gehirndurchblutung) führen die Tabelle an. Veröffentlicht wurde dies vom deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA).

Multimorbididät - was ist das?

Das gleichzeitige Bestehen mehrerer Erkrankungen wird als Multimorbidität bezeichnet. Um den Ursachen auf den Grund zu gehen, geben eine umfangreiche Anamnese und diagnostische Methoden nicht immer ausreichend Aufschluss. In vielen Fällen sind die Symptome nicht charakteristisch ausgeprägt. Das erschwert die eindeutige Zuordnung eines Symptoms zu einer bestimmten Erkrankung. Hinzu kommt, dass sich mehrere Krankheiten gegeneinander begünstigen und eine Therapie schwierig wird. Eine Multimorbidität erfordert oft, mehrere Medikamente parallel einzunehmen. Hierbei muss der Arzt auf mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen achten. Gerade bei älteren Menschen ist zu berücksichtigen, geriatrische (altersbedingte) Besonderheiten in die Medikamententherapie einzubeziehen.

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Ursachenforschung in der Epidemiologie

In der Epidemiologie sind die Wissenschaftler in den letzten Jahren immer mehr damit beschäftigt, sämtliche gesundheitsbezogene Faktoren zu erfassen. Sie untersuchen, wie sie sich im Einzelnen oder in ihrer Gesamtheit auf die Bevölkerung auswirken. Es wird nach den Ursachen, den Auslösern und den Erregern für eine Erkrankung gesucht. Unter anderem werden hier Faktoren wie Luftverschmutzung und mit Umweltgiften kontaminierte Lebensmittel miteinbezogen. Zudem werden bei den wissenschaftlichen Erhebungen Bevölkerungsgruppen wie Kinder, Senioren, Migranten und andere betrachtet. Auf diese Weise können mit den ermittelten Werten Aussagen über die Ausbreitung einer Krankheit, den Verlauf und die Ansteckungswege getroffen werden.

Morbidität und Gesundheitsvorsorge

Die Methoden der Epidemiologie sind dafür geeignet, mithilfe der Erkenntnisse aus der Morbiditätsrate und dem Effekt von Präventionsmaßnahmen Krankheiten vorzubeugen. So können womöglich entsprechendes Verhalten und präventive Maßnahmen das Gesundheitsrisiko deutlich minimieren oder sogar gänzlich verhindern. Beispiele sind das Vermeiden von Übergewicht als Vorbeugung für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes sowie der Verzicht aufs Rauchen, was die Gefahr von Lungenkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen reduziert. Mittlerweile zeigen epidemiologische Modelle, dass Risiken und Gefahren durch Umwelteinflüsse wie Pestizide oder Trinkwassererreger häufig identifiziert werden können. Laut Aussage der Forscher gibt es mit den speziellen Ermittlungsmethoden der Epidemiologie für einige Erkrankungen sogar eine kausale Behandlungsmaßnahme oder Ursachenbekämpfung.