Gesundheitslexikon
Gesundheitsbegriffe einfach erklärt

Gesundheitslexikon: Knollenblätterpilz

Knollenblätterpilz und Amatoxin-Syndrom

Die Knollenblätterpilze bilden eine Gruppe innerhalb der Pilzgattung der Wulstlinge. Einige Pilzarten der Gattung sind zum Verzehr geeignet, viele jedoch nicht, etwa der Fliegenpilz. Zu den ungenießbaren zählt ebenfalls der Knollenblätterpilz mit seinen Unterarten. Der gelbe Knollenblätterpilz ruft lediglich leichte Vergiftungserscheinungen hervor. Weißer und grüner Knollenblätterpilz enthalten Phallotoxine sowie die hochgiftigen Amatoxine. Auch die Aufnahme geringer Mengen dieser Pilze kann zum Tod führen. Die verursachten Vergiftungserscheinungen werden als Amatoxin-Syndrom bezeichnet. Der im gelben Knollenblätterpilz enthaltene halluzinogene Wirkstoff Bufotenin kann durch Erhitzen unschädlich gemacht werden. Die in den beiden anderen Pilzen enthaltenen Substanzen können durch Kochen nicht neutralisiert werden.

Wie äußert sich das Amatoxin-Syndrom?

Symptome sind oft Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Auch weißer und grüner Knollenblätterpilz rufen solche Beschwerden hervor. Allerdings handelt es sich in der ersten Phase, die bereits nach einer Stunde eintreten kann, keineswegs um das eigentliche Amatoxin-Syndrom. Vielmehr entfalten zunächst die in den Pilzen enthaltenen Phallotoxine ihre Wirkung und verursachen das heftige Unwohlsein. Sein Abklingen nach etwa drei bis vier Tagen kann den Patienten in trügerische Sicherheit wiegen. Nach dieser ersten Phase der Vergiftung folgt die zweite, die durch die Amatoxine ausgelöst wird. Sie muss nicht zwangsläufig in direkter zeitlicher Nähe erfolgen, sondern kann auch erst mehrere Tage nach der scheinbaren Erholung zum Ausbruch kommen. Sie ist lebensbedrohlich und endet in der Regel tödlich. Amatoxine schädigen Nieren und Leber irreparabel.

Diagnose

Da zwischen dem Auftreten der ersten Vergiftungserscheinungen und dem Einsetzen des eigentlichen Amatoxin-Syndroms ein gewisser Zeitraum verstreicht, kann noch rechtzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden. Der zeitliche Zusammenhang von eingenommener Pilzmahlzeit und dem Auftreten der Anfangsbeschwerden kann für Ihren Arzt eine erste wertvolle Information darstellen. Reste der Pilzmahlzeit, auch erbrochene, sind ebenfalls eine Hilfestellung für die Diagnose. Untersuchungen von Blut und Urin ergeben wichtige Indikatoren. Die im fortgeschrittenen Stadium auftretende Gelbsucht bietet einen weiteren diagnostischen Anhaltspunkt. Zu diesem Zeitpunkt ist es allerdings zu spät, das Fortschreiten der Vergiftung und die Zerstörung der Leber aufzuhalten.

Behandlung

Das durch die Gifte hervorgerufene Erbrechen und auch eine rechtzeitig herbeigeführte Entleerung des Magens reichen nicht aus, um verbleibende Giftstoffe vollständig aus dem Körper zu entfernen. Als Unterstützung hierbei wirkt die Einnahme von medizinischer Kohle. Das pflanzliche Medikament Silibinin schwächt die Wirkung der im Organismus verbleibenden Amatoxine ab, vor allem die des Alpha-Amatinins. Einer Nierenschädigung kann durch eine Hämo-Dialyse entgegengewirkt werden. Die Zerstörung der Leber bei fortschreitendem Verlauf ist jedoch irreversibel. Eine Organtransplantation ist in diesem Fall der einzige Ausweg.

Unbeschwerter Pilzgenuss

Für den ungeübten Pilzsammler besteht leicht Verwechslungsgefahr der Knollenblätterpilze mit anderen Pilzarten. Daher gilt wie bei allen Pilzen: Falls Sie sich nicht zu 100 Prozent sicher sind, ob das gefundene Exemplar zu einer genießbaren Art gehört, lassen Sie es lieber stehen. Wenn Sie Pilze mitgenommen haben, sich aber nicht ganz sicher sind, ob es sich um essbare Pilze handelt, konsultieren Sie unbedingt einen zertifizierten Pilzsachverständigen, bevor Sie sie essen. Über Experten in Ihrer Gegend können Sie sich im Internet informieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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