Erbgesundheitslehre

Gesundheitslexikon: Eugenik

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16. Juli 2019 - 13:00 Uhr

Eugenik - die Scheinwissenschaft zur Verbesserung des menschlichen Erbgutes

Als Eugenik wird eine Scheinwissenschaft bezeichnet, die sich mit der Veredelung und Züchtung der Menschenrasse beschäftigt. Seit dem Nationalsozialismus hat die Eugenik einen schweren Stand. Themenfelder wie der Lebensborn sorgen aber noch heute für großes Interesse.

Was bedeutet Eugenik?

Das Wort Eugenik stammt von dem griechischen Wort eugenes und bedeutet streng übersetzt "edel geboren" oder auch "von edler Abstammung". Bisweilen findet auch die Bezeichnung Eugenetik Verwendung. Die Eugenik geht von einer Minderwertigkeit des menschlichen Genoms aus und macht hierfür die unkontrollierte Fortpflanzung und Rassenmischung des Menschen verantwortlich. Sie wurde im Deutschen zunächst als Erbgesundheitslehre bezeichnet. Die Scheinwissenschaft behandelt die Lehre von der Verbesserung des Erbgutes des Menschen. Im Dritten Reich, der Hochphase der Eugenik, wurde der Propagandabegriff Rassenhygiene eingeführt.

Woher kommt die Eugenik?

Die Eugenik ist nicht aus einem spontanen Gedankengang entstanden, sondern aus jahrhundertealten kulturellen Vorstellungen. Die Überlegenheit des europäischen Kulturmenschen wurde im Kolonialismus als Anlass genommen, andere Kulturen zu versklaven und zu unterwerfen. Beflügelt durch die darwinsche Evolutionstheorie vermischten sich im 19. Jahrhundert wissenschaftliche Thesen zur Genetik mit dem rassistischen Gedankengut. Durch die damalige Salonfähigkeit rassistischer Vorstellungen entwickelten sich öffentliche Debatten über den besseren Menschen und eine systematische Menschenzucht. Massenmorde wurden durch die nationalsozialistische Rassenhygiene gerechtfertigt.

Wer beschäftigt sich mit der Eugenik?

Die Eugenik war bis zum Dritten Reich eine angesehene wissenschaftliche Disziplin und wurde erst unter der Knute des NS-Regimes ideologisiert. Autoren wie H.G. Wells, George Bernard Shaw und D.H. Lawrence sind nur einige prominente Personen, die sich mit der Eugenik beschäftigten. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten die Konzepte der Eugeniker zum guten Ton. So befürworteten auch politische Größen wie Winston Churchill und Theodor Roosevelt das eugenische Programm zur Sterilisierung und Segregation von behinderten Menschen. Die genauen Vorstellungen von der eugenischen Praxis gingen indessen aber weit auseinander.

Welche wissenschaftlichen Grundlagen gab es und welche Themenfelder wurden behandelt?

Aus der wirtschaftlichen Lage und der Bevölkerungsdichte heraus ließ sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts vorhersagen, dass die Menschheit in absehbarer Zeit vor dem Problem einer massiven Überbevölkerung stehen würde. Diese Prognose nahmen viele Wissenschaftler zum Anlass, sich mit der Eugenik zu beschäftigen. Die Schwerpunkte der Eugenik waren zunächst: Wie kann das rasante Bevölkerungswachstum gestoppt werden? Wie können die edlen genetischen Bestandteile des Menschen von den unedlen unterschieden werden? Wie lässt sich das Aussortieren von schlechtem Genmaterial bewerkstelligen, ohne großes öffentliches Aufsehen zu erregen?

Wer wurde Opfer der Eugenik?

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es weltweit eine Vielzahl von eugenischen Programmen. Im Fokus standen insbesondere geistig und körperlich behinderte Menschen. Die Maßnahmen zur Sterilisierung wurden darum in Ländern der westlichen Hemisphäre an Teilen der Bevölkerung vorgenommen. Insbesondere die USA stach Anfang des 20. Jahrhunderts mit circa 60.000 Zwangssterilisationen heraus. Eine Zusammenarbeit deutscher und amerikanischer Eugeniker erschien im Dritten Reich als selbstverständlich. Die unmenschlichen Methoden der Euthanasie, z. B. durch Motorenabgase, wurden von vielen Eugenikern befürwortet und von manchen kritisiert.