Wirkstoff aus der Gruppe der Östrogene

Gesundheitslexikon: Estradiol

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2. August 2019 - 13:20 Uhr

Estradiol - ein weibliches Sexualhormon aus der Gruppe der Östrogene

Für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsmerkmale, die Steuerung der Schwangerschaft oder die Menstruation sind weibliche Sexualhormone verantwortlich. Zu diesen zählen sowohl Östrogene als auch Gestagene. Estradiol ist das Östrogen mit der stärksten Wirkung. Es kommt jedoch nicht nur bei der Frau, sondern auch in geringem Maße beim Mann vor. Wir erklären, was Estradiol überhaupt ist, wann es ausgeschüttet wird, was es im Körper bewirkt, welche Beschwerden mit einem Mangel oder einem Überschuss an Estradiol auftreten und wo es medizinisch eingesetzt wird.

Was ist Estradiol?

Estradiol gehört als weibliches Sexualhormon neben Estriol und Estron zu den Östrogenen. Innerhalb dieser Hormongruppe entfaltet es die stärkste Wirkung. Wie alle Östrogene ist Estradiol ein Steroidhormon. Es wird bei Frauen hauptsächlich in den Eierstöcken und während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet. Weitere Syntheseorte sind in weit geringerem Ausmaß die Nebennieren, Fettzellen, Arterien, das Gehirn und beim Mann die Hoden. Daraus ergibt sich, dass auch beim Mann in geringen Konzentrationen Estradiol vorkommt. Ausgangsverbindung zur Synthese der Östrogene ist Cholesterol, welches über mehrere Zwischenverbindungen zunächst zu Testosteron und dann zu Estradiol umgewandelt wird.

Wie wirkt Estradiol im Körper und wann wird es ausgeschüttet?

Estradiol ist hauptsächlich für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsmerkmale, das Wachstum der Gebärmutter, der Gebärmutterschleimhaut und die Zusammensetzung des Zervixschleims verantwortlich. Besonders während der Schwangerschaft steigt neben den Gestagenen (Schwangerschaftshormone) die Ausschüttung von Östrogenen. Zusammen bewirken sie die Unterbindung von Menstruation und gleichzeitiges Wachstum von Uterus und Frucht. Während der Menstruation wird die höchste Konzentration an Estradiol bei der Ovarialfollikelbildung erreicht. In den Wechseljahren sinkt die Konzentration von Estradiol ständig. Neben seiner Funktion als weibliches Sexualhormon besitzt Estradiol auch herzschützende und knochenstärkende Eigenschaften. Auch Männer weisen eine geringe Konzentration an Östrogenen auf, die aus der Umwandlung von Testosteron entstehen.

Welche Beschwerden treten bei einem Mangel oder Überschuss an Estradiol auf?

Ein Mangel an Estradiol oder Östrogenen macht sich besonders in den späten Phasen der Wechseljahre der Frau bemerkbar. Hier werden folgende Symptome beobachtet:

  • Hitzewallungen
  • Konzentrationsschwäche
  • verstärkte Vergesslichkeit
  • Reizbarkeit
  • Nachlassen der sexuellen Funktionen
  • nächtliche Schweißausbrüche
  • schwächer werdende Schamhaare
  • Haarausfall
  • trockene Schleimhäute von Vagina, Augen oder Mund, Scheiden- und Blaseninfektionen

In den frühen Phasen der Wechseljahre kommt es häufig zunächst zu einem Überschuss an Östrogenen, weil durch den Ausfall der Gestagene das hormonelle Gleichgewicht zusammenbricht. Dieser Überschuss macht sich durch folgende Symptome bemerkbar:

Wie wird Estradiol medizinisch eingesetzt?

Synthetisches Estradiol wird hauptsächlich bei Östrogenmangel in den späten Phasen der Wechseljahre eingesetzt. Weitere Anwendungen erfolgen bei Scheidenentzündungen, Ekzemen, Hautentzündungen, Akne, Juckreiz im Scheiden- und Afterbereich, Beschwerden nach dem Geschlechtsverkehr oder bei verstärktem Knochenbruchrisiko durch Osteoporose. Estradiol ist zu circa 98 Prozent biologisch verfügbar. Es wird im Körper in der Leber abgebaut. Die Abbauprodukte werden mit dem Urin ausgeschieden. Die Applikation erfolgt nach den jeweiligen Erfordernissen. Als Applikationsformen kommen Tabletten, Lösungen, Cremes, Gele oder Pflaster zum Einsatz.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.