Gesundheitslexikon: Analgesie

29. November 2018 - 15:49 Uhr

Analgesie – Schmerztherapie und Krankheit

Jeder Mensch hat eine individuelle Schmerztoleranz. Nichtsdestotrotz entsteht Schmerz immer infolge der Erregung von sogenannten Schmerzrezeptoren. Bei Erregungen über Ihrer persönlichen Schmerzgrenze melden diese Rezeptoren Ihrem Zentralnervensystem Schmerzempfindung. Dieser Prozess beinhaltet die Erregungsweiterleitung in Richtung Rückenmark und Gehirn. Analgesie setzt die Medizin zur Unterdrückung dieser Prozesse ein. Die schmerztherapeutische Methode bezieht sich auf die temporäre oder dauerhafte Stilllegung oder Verminderung von Schmerzempfindungen. Analgesie unterbricht, verringert oder unterdrückt die Schmerzerregungsleitung. Findet Analgesie medikamentös statt, ist auch von Anästhesie die Rede.

Was ist Analgesie?

Mit der Analgesie bezieht sich die Medizin auf die Ausschaltung des Schmerzempfindens. Anders als bei der Anästhesie erfolgt diese Schmerztherapie nicht immer medikamentös, sondern kann auch die gezielte Schädigung bestimmter Zellen im zentralen oder peripheren Nervensystem beinhalten. Während Medikamente lediglich temporäre Verminderungen des Schmerzempfindens erzielen, führt die Zellschädigung zu dauerhafter Schmerzlosigkeit. Im Unterschied zur Anästhesie schaltet die Analgesie nicht alle Empfindungen aus, sondern kann beispielsweise Berührungsempfindlichkeit erhalten. Außerdem zählen zur Analgesie neben typischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen auch physikalische Schmerzminderungsmethoden wie die Ruhigstellung von Gliedmaßen sowie Wärme- oder Kältetherapien. Die äußerste Form der Analgesie ist die Nervendurchtrennung.

Welche Formen von Analgesie gibt es?

Die häufigste Analgesie-Form ist die medikamentöse Behandlung mit Analgetika wie Ibuprofen oder in schweren Fällen Opioiden. Mittlerweile hat sich auch die patientengesteuerte Analgesie mittels Schmerzpumpe eingebürgert, bei der Schmerzbetroffene über eine implantierte Pumpe bei Bedarf definierte Schmerzmitteldosen direkt in den Schmerzentstehungsort geben. Schmerzmittel greifen in die Schmerzleitung ein oder verringern die Rezeptorempfindlichkeit. Physikalische Schmerztherapiemethoden wie die Ruhigstellung vermindern demgegenüber die Rezeptorreizung. Durch elektrische Stimulation wird wiederum die Schmerzleitung in die Sinneszentren gehemmt. Baldmögliche Heilung und darauf basierende Schmerzverringerung machen analgetische Methoden wie Krankengymnastik oder Massagen aus. Auch psychologische Methoden wie Hypnose oder autogenes Training sind analgetische Verfahren.

Welche Indikationen gibt es?

Schmerzsymptomatik begleitet eine Unzahl von Erkrankungen. Grundsätzlich können alle Krankheitszustände und Verletzungen mit Schmerzsymptomatik eine Indikation für analgetische Verfahren sein: vom gebrochenen Bein über Gelenkschädigungen bis hin zu Migräne. Besonderen Stellenwert hat die Analgesie im Rahmen von unheilbaren Erkrankungen mit Schmerzsymptomatik, beispielsweise für rheumatische Erkrankungen wie Arthritis. Lassen sich schmerzverursachende Krankheitsprozesse nicht an der Ursache angehen und besteht damit keine Aussicht auf Heilung, so dient die schmerztherapeutische Analgesie der symptomatischen Schmerzbehandlung und kann für die Betroffenen Verbesserungen der Lebensqualität erzielen.

Gibt es Analgesie außerhalb von schmerztherapeutischen Verfahren?

Schmerzen sind natürliche Schutzreaktionen: Schädigende Einflüsse erkennen Sie dank Schmerzempfindungen. Sie ziehen bei Schmerz beispielsweise automatisch die Hand von der Herdplatte. Wer keinerlei Schmerzen empfindet, ist für Verletzungen umso anfälliger und bemerkt Gewebeschädigungen nicht rechtzeitig. Obwohl die Analgesie im Rahmen der Schmerztherapie großen Nutzen hat, besitzen analgetische Zustände außerhalb schmerztherapeutischer Verfahren Krankheitswert. Angeborene Analgesie entspricht der vollständigen Schmerzunempfindlichkeit und wurde bislang an nur 30 Fällen dokumentiert. Ursache dieses Phänomens ist eine Genmutation. Den Betroffenen fehlen die Kanalproteine, die in den Zellmembranen Natrium-Ionen transportieren und so am Schmerzempfinden beteiligt sind. Krankhafte Schmerzunempfindlichkeit kann außerdem durch Nervenschädigungen entstehen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.