Germanwings-Absturz: Weitere Auszüge aus dem Stimmrekorder durchgesickert

10. April 2015 - 15:27 Uhr

"Mach die verdammte Tür auf!"

Einen Großteil der Daten des Stimmrekorders, der das Geschehen an Bord des abgestürzten Germanwings-Fliegers aufzeichnete, haben die Ermittler bislang zurückgehalten. Sie sind streng geheim. Nun sind Auszüge daraus jedoch durchgesickert. 'Bild am Sonntag' hat sie veröffentlicht. Es ist ein Dokument, das zeigt, wie sich die Lage an Bord in den letzten Minuten vor dem Absturz dramatisch zuspitzte und wie viel die Passagiere offenbar doch mitbekamen.

Germanwings-Absturz: Das geheime Band aus dem Cockpit
Andreas L., hier im Jahr 2009, soll den Airbus mit insgesamt 150 Menschen an Bord, absichtlich zum Absturz gebracht haben.
© dpa, Foto-Team-Müller

Zu Beginn des Bandes bittet Pilot Patrick S. um Verzeihung, dass sich der Abflug in Barcelona verzögerte, verspricht, die Zeit bis Düsseldorf wieder aufzuholen. Darauf folgt eine etwa zwanzigminütige Konversation zwischen ihm und dem Co-Piloten Andreas L.. Er habe es in Barcelona nicht mehr geschafft, zur Toilette zu gehen, sagt S.. Sein erster Offizier bietet ihm an, jederzeit das Steuer übernehmen zu können. Doch zunächst fordert der Pilot seinen Assistenten auf, die Landung vorzubereiten.

Dieser antwortet darauf extrem lakonisch – darin enthalten Worte wie "hoffentlich" und "mal sehen". Danach bietet er S. erneut an, nun zur Toilette gehen zu können. Nach zwei Minuten nimmt dieser das Angebot an und sagt: "Du kannst übernehmen." Eine fatale Entscheidung, wie wir alle wissen.

Der Sitz wird zurückgeschoben, eine Tür wird geschlossen. Dann beginnt, vom Flugradar festgehalten, der Sinkflug. Nach einer Minute bewegt sich das Flugzeug schon 600 Meter tiefer. Eine Kontaktaufnahme der Fluglotsen bleibt unbeachtet, das automatische Signal 'Sink Rate' ertönt. Keine Reaktion im Cockpit. Dann gibt es einen Knall. Jemand versucht offenbar, die Cockpit-Tür einzutreten. Der Pilot schreit: "Um Gottes Willen, mach die Tür auf!" Schreie panischer Passagiere sind nun deutlich zu hören.

Wieder ein Alarmsignal: "Terrain – Pull up – Pull up!" Da ist die Maschine noch rund fünf Kilometer hoch. Wenige Minuten später rast sie auf die Berge zu, Andreas L. atmet ruhig und schweigt. Dann ist zu hören, wie das Flugzeug einen Berg touchiert. Die Passagiere schreien um ihr Leben. Es ist das letzte, was der Rekorder aufzeichnet.