Todesurteil durch Wetterkatastrophe

Hätte moderne Wettervorhersage den Todeskampf an der Eiger Nordwand verhindert?

Tote Bergsteiger am Mount Everest Stau in der Todeszone
00:35 min
Stau in der Todeszone
Tote Bergsteiger am Mount Everest

1 weitere Videos

von Janique Johnson

Sie ist berühmt für die vielen verunglückten Bergsteiger, die an ihr gescheitert sind: Die Eiger-Nordwand ist eine der großen Nordwände an den Alpen und ist über 1.800 Meter hoch. Vor allem der erste Besteigungsversuch im Jahr 1936 sorgte wegen eines fatalen Wetterumschwungs für Aufmerksamkeit.

Im Video: Tote Bergsteiger am Mount Everest

Die ersten Todesfälle an der eisigen Felswand

Eine Wolke umhüllt einen großen Teil der Eiger Nordwand. Dies ist eine der großen Herausforderungen für Bergsteiger.
Die Eiger Nordwand an einem sonnigen Tag, umschlossen von einer Wolke.
Udo Bernhart, deutsche presse agentur, dpa

Sie zählt zu den größten Herausforderungen für Bergsteiger: Die Eiger Nordwand gilt als eine der gefährlichsten Bergsteigertouren in den Alpen und kostete inzwischen schon mehr als 60 Menschen das Leben. Darunter ist auch der Berchtesgadener Toni Kurz, der 1936 mit seinem Bergführer Andreas Hinterstoißer und den Österreichern Willy Angerer und Edi Rainer versuchte, die berühmte Nordwand zu bewältigen. Doch obwohl alle vier erfahrene Bergsteiger waren, konnten sie den schwierigen Wetterbedingungen nicht Stand halten.

Der wetter.de Experte Patrick Panke weiß, warum der Wetterumschwung wie aus dem Nichts kam: „Die Reanalyse der meteorologischen Rahmenbedingungen ab dem 18. Juli 1936 zeigen ein abgeschlossenes Höhentief über den britischen Inseln was sich bis zum 22. Juli 1936 weiter ostwärts verlagerte. Damit überquerte eine markante Kaltfront im Laufe des Tages den Alpenraum, die zu dem plötzlichen Wetterwechsel an der Eiger Nordwand führte.
Für die Menschen herrschte seinerzeit am 18. Juli aber unter leichtem Hochdruckeinfluss noch warmes Sommerwetter.“

Knoten verhinderte die Rettung

Als die Bergsteiger 1936 in 1.000 Metern Höhe ankamen, fanden sie das erste große Eisfeld an der Nordwand. Wegen der unregelmäßigen Sonneneinstrahlung kann es hier am oberen Rand leicht zu gefährlichen Eis-und Geröllabstürzen kommen. Ein solcher Geröll-Brocken traf auch Willy Angerer. Wegen dieser Verletzung mussten die vier Bergsteiger ihren Plan umwerfen und einen anderen Weg für den Abstieg nehmen.

Auf der neuen Route wurde die Gruppe von einer Lawine überrascht, die von einem plötzlichen Wetterumschwung ausgelöst worden war. Nur Toni Kurz überlebte. Der Berchtesgadener hing an einem Seil, während er ums Überleben kämpfte. Eine Nacht lang hielt er durch und schaffte es sogar trotz seiner erfrorenen Finger, das Seil ein Stück hochzuklettern. Eine Rettungsmannschaft versuchte, Kurz zu erreichen, doch ein Knoten im Seil ließ die letzte Hoffnung vergehen. Kurz brachte es aufgrund seiner erfrorenen Finger nicht fertig, einen Knoten durch einen Karabinerhaken zu zwängen. Am Ende seiner Kräfte starb auch der letzte Bergsteiger dieser Gruppe am fünften Tag der Tour.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Hätte moderne Wettervorhersage das Unglück verhindern können?

Die Eiger Nordwand an einem klaren sonnigen Tag, mit grünen Wiesen und einem Hotel im Vordergrund.
Freie Sicht auf die Eiger Nordwand, eine der größten Herausforderungen für Bergsteiger in Europa.
deutsche presse agentur, dpa

Heutige Wettercomputer hätten den Kaltfrontdurchgang ziemlich präzise vorhergesagt und die Meteorologen hätten eine entsprechende Warnung herausgeben können. Dennoch kann es in den Bergen immer wieder zu markanten Wetterumstürzen kommen, die auch heute nicht vorhersagbar sind. Ob ein Berg in einer Wolke, also im Nebel, verschwindet, ist auch heute nicht vorhersagbar und kann immer wieder zu markanten Temperaturrückgängen führen. Trotz bester Wettervoraussagen ist es im Endeffekt immer noch der Mensch der das Risiko einschätzt. Hier sei an den Zugspitzlauf 2008 erinnert, wo es zu dramatischen Szenen und Todesfällen auf Grund des Wetters kam. In dem Fall allerdings trotz präziser Wetterprognose und Warnungen.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wüstenstaat Deutschland - Die Doku im Online Stream auf RTL+

(jjo)