Alles was Sie über die Auskunftei wissen müssen

Fünf Mythen rund um die Schufa und was wirklich dran ist

Schufa
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17. Juni 2020 - 12:50 Uhr

Die häufigsten Kredit-Mythen im Check

Es gibt wohl kaum eine Einrichtung in Deutschland, die bei Finanzangelegenheiten so hohes Unbehagen auslöst wie die Schufa. Über das Unternehmen kursieren zahlreichen Mythen. Aber was genau ist die Schufa überhaupt? Wie kommt sie an unsere Daten? Wie kommt man rein - und kommt man auch wieder raus? Wir klären die wichtigsten Fragen und was dran ist, an den bekanntesten Mythen rund um die Auskunftei.

Wer oder was ist die Schufa überhaupt?

Banken, Onlinehändler, Mobilfunkanbieter - alle wollen sich gegen mögliche Zahlungsausfälle absichern. Bevor Unternehmen einen Kredit gewähren, Produkte gegen Rechnung liefern oder einen Smartphone-Vertrag vergeben, erkundigen sie sich vorab zur Zahlungsmoral des Kunden. Sie fragen die sogenannte Bonität ab. Dafür wenden sie sich häufig an die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung", kurz Schufa.

Für den Verbraucher errechnet die Schufa per Computer einen Score-Wert, der zwischen einem und 100 Prozent liegt. Je höher der Wert, desto größer schätzt die Schufa die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers ein. Einen Score-Wert von 100 Prozent erreicht niemand - dies würde der Garantie gleichkommen, dass eine Person ihre Rechnung in jedem Fall zahlt. Verbraucherschützer kritisieren schon seit Jahren, das Score-Verfahren sei intransparent.

Mythos 1: "Die Schufa weiß alles über mich"

Die Schufa weiß eine ganze Menge über uns, aber nicht alles: Sie weiß, wie wir heißen, wo und wann wir geboren sind oder wo wir wohnen. Die Schufa kennt auch unsere Bankkonten, Kredit- und Leasingverträge, Mobilfunkverträge und Bürgschaften. Und sie weiß, wenn wir mal eine Rechnung nicht bezahlt haben und abgemahnt wurden. Es gibt aber auch Dinge, die die Schufa nicht wissen darf. Das ist zum Beispiel unser Vermögen oder welchen Job wir haben.

Mythos 2: "Ich stehe ohne Grund in der Schufa"

Niemand landet einfach so in der Schufa, wir müssen dem zugestimmt haben. Das passiert meistens nebenbei: Wir unterschreiben einen neuen Handy-Vertrag und damit meist auch die sogenannte "Schufa-Klausel". Auch wenn das vielen vielleicht gar nicht so bewusst ist, sagt Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale Bremen im Podcast "Wieder was gelernt" von ntv: "In der Regel steht das im Kleingedruckten. Man unterschreibt nicht nur den Vertrag selber, sondern auch noch eine Erklärung zur Datenweitergabe, die Schufa-Klausel. Letztendlich darf die Schufa nur Daten sammeln, wenn die Verbraucher in irgendeiner Art und Weise einverstanden waren und das sind wir im Grunde, denn wir sind ja daran interessiert, dass es zu diesem Vertragsschluss kommt."

Auch offene Forderungen werden der Schufa in der Regel gemeldet. Aber nur sofern der Kunde vorher zweimal angemahnt wurde und die Forderungen unbestritten sind. Die betroffene Person wird also im Vorfeld über die bevorstehende Übermittlung von Daten an die Schufa informiert.

Mythos 3: "Ich kann nicht einsehen, was über mich in der Schufa steht"

Häufig wissen Verbraucher nicht, was alles über sie bei der Schufa vermerkt ist und ob die Daten auch wirklich korrekt sind. Ohne Nachfrage erfahren wir auch nicht, was genau dort hinterlegt ist und ob es unsere Bonitätsbewertung positiv oder negativ beeinflusst. Um darüber einen Eindruck zu bekommen, kann jeder Verbraucher einmal pro Jahr eine Auskunft von der Schufa über das eigene Profil verlangen. Wir können also einsehen, welche Informationen die Schufa über uns gespeichert hat. Laut Verbraucherzentrale Bremen lohnt sich das Einholen einer Selbstauskunft vor allem, wenn man einen Kredit aufnehmen oder ein Haus kaufen möchte.

Mythos 4: "Nur mit einem Anwalt kann ich meine Schufa-Daten ändern lassen"

Falsche Angaben, die einen Einfluss auf unsere Bonitätsbewertung haben, müssen von der Schufa bereinigt werden. Laut dem Unternehmen werden nachweislich fehlerhafte Informationen "so schnell wie möglich korrigiert". Dazu genügt häufig ein Anruf beim Kundenservice. Die Verbraucherzentrale Bremen rät zusätzlich dazu parallel die Berichtigung der Daten vom jeweiligen Vertragspartner der Schufa (beispielsweise einer Bank) zu verlangen. Denn: Derjenige, der den falschen Eintrag verursacht hat, könnte gegebenenfalls für die Folgen des unrichtigen Eintrags haften.

Mythos 5: "Die Schufa ist schuld, dass ich keinen Kredit bekomme"

In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit. Das bedeutet, dass jedes Unternehmen frei entscheiden kann, mit wem es einen Vertrag abschließen möchte. Die jeweiligen Vertragspartner entscheiden also selbst. Trotzdem kann der Schufa-Eintrag etwas zu dieser Entscheidung beitragen. Eine Bank zum Beispiel entscheidet nicht nur anhand der Schufa-Daten über eine Kreditvergabe. Häufig sind auch Informationen entscheidend, die der Schufa nicht vorliegen - wie etwa das Einkommen, das Vermögen oder das Arbeitsverhältnis.

Was Sie bei Krediten beachten sollten, die keine Schufa-Auskunft verlangen, zeigen wir hier im Video:

So verbessern Sie Ihren Schufa-Wert

Vom Abschluss des Wunsch-Handyvertrags über das Mieten der Traumwohnung bis hin zum ganz großen Kredit: Fast immer wird eine Schufa-Auskunft eingeholt. Damit Ihnen unnötige Einträge nicht zum Verhängnis werden, gibt es hier ein paar einfache Tricks, um Ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern.