Journalist und Ex-WDR-Intendant ist totFritz Pleitgen stirbt mit 84 Jahren

Caroline SeidSeidel-Dißmannel
Der langjährige Russland-Korrespondent Fritz Pleitgen ist tot (Archivbild)
deutsche presse agentur

Der Journalist Fritz Pleitgen ist tot. Das teilte der Westdeutsche Rundfunk in Köln mit. Der ehemalige WDR-Intendant sei am Donnerstagabend (15.09.2022) mit 84 Jahren gestorben.

WDR-Intendant Tom Buhrow würdigt Fritz Pleitgen

Pleitgen arbeitete von 1963 an als Journalist beim Westdeutschen Rundfunk und war von 1995 bis 2007 Intendant. Pleitgen lebte bis zu seinem Tod in Bergisch Gladbach. Seit 1969 war er verheiratet, zusammen mit seiner Ehefrau hat er vier Kinder. Darunter ist CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen. Im Jahr 2020 wurde bei Pleitgen Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert.

WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte Pleitgens Arbeit in einem ersten Statement: „Der Tod von Fritz Pleitgen ist für uns alle im WDR eine sehr traurige Nachricht. In unseren Herzen sind die Flaggen auf Halbmast. Ein großer Kapitän verlässt nun die Bühne des Lebens. Er hat den WDR geprägt wie kaum ein anderer. Fritz Pleitgen stand für Mut und Fairness, und er liebte seinen WDR.“ Man habe Fritz Pleitgen viel zu verdanken, so Buhrow, für viele wäre er „Vorbild, Ratgeber, Mentor“ gewesen.

Fritz und Gerda Pleitgen beim " 29. Deutschen Sportpresseball " in der Alten Oper in Frankfurt/Main am 06.11.2010.
Fritz und Gerda Pleitgen bei einem Ball im Jahr 2010 (Archivbild).
picture-alliance / Eventpress / Tillmann | Eventpress / Tillmann

Fritz Pleitgen: Russland-Korrespondent im Kalten Krieg

Am 21. März 1938 wurde Fritz Pleitgen in Duisburg geboren. Schon mit 14 Jahren begann er als freier Mitarbeiter für die „Freie Presse“ in Bielefeld zu schreiben, wo er auch sein Volontariat absolvierte. 1963 folgte der Wechsel zum WDR als Reporter für die „Tagesschau“. Einen Namen machte sich Pleitgen ab 1970 als Korrespondent des ARD-Studios in Moskau. Mitten im Kalten Krieg führte er als erster westlicher Journalist ein Interview mit dem damaligen Generalsekretär der KPdSU Leonid Breschnew. Es folgte 1977 eine Station als DDR-Korrespondent in Ost-Berlin und ab 1982 als ARD-Studioleiter in Washington und New York.

1988 ging Fritz Pleitgen zurück ins heimische Nordrhein-Westfalen, wo er in Köln die Fernseh-Chefredaktion übernahm und 1994 die Direktion des WDR-Hörfunks. Nur ein Jahr später, 1995, wählte ihn der Rundfunkrat zum Intendanten des Westdeutschen Rundfunks. Unter dem Motto „durch Qualität zur Quote“ förderte Pleitgen die Produktion nicht nur von Reportagen, Dokumentationen, sondern auch von relevanten Fernsehfilmen. Er profilierte die Regionalprogramme des Senders, stieß die Gründung des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix an, hob den Jugendsender 1LIVE aus der Taufe, initiierte das Internationale WDR Europaforum und bereitete schon früh den Weg für die digitale Zukunft des WDR. Von 2006 bis 2008 übernahm er den Vorsitz der Europäischen Rundfunkunion, EBU.

Der Journalist Fritz Pleitgen, ARD-Korrespondenten in Ostberlin, aufgenommen mit seiner Frau Gerda und dem achtjährigen Sohn Christopher am 31.01.1978 in Ostberlin. Foto: Dieter Klar +++(c) dpa - Report+++
1978 ist Fritz Pleitgen ARD-Korrespondent in Ost-Berlin, hier zusammen mit Ehefrau und Sohn (Archivbild).
picture-alliance/ dpa | Dieter Klar
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Pleitgen war Träger des Großen Verdienstkreuz

Auch nach seinem Abschied vom WDR im Jahr 2007 kehrte Pleitgen weder seiner Heimat noch dem Arbeitsleben den Rücken zu: Von 2007 bis 2010 war er Vorsitzender der Geschäftsführung der Initiative RUHR.2010. Hier verantwortete er das Programm rund um die europäische Kulturhauptstadt, zu der das Ruhrgebiet 2010 erklärt wurde. Für sein Engagement als Präsident der Deutschen Krebshilfe (2011 bis 2021) erhielt er 2012 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Auch als Buchautor hat er sich immer wieder und bis kurz vor seinem Tod einen Namen gemacht. 2019 erschien „Frieden oder Krieg: Russland und der Westen - Eine Annäherung“, das er gemeinsam mit Michail Schischkin verfasst hat. Im Frühjahr 2021 konnte er noch sein letztes Buch mit dem Titel „Eine unmögliche Geschichte - Als Politik und Bürger Berge versetzten“ über die Zeit des Kalten Krieges, die deutsche Teilung in Ost und West und den langen Weg zur Deutschen Einheit vollenden, was ihm sehr wichtig war. Darin unzählige Erinnerungen von Fritz Pleitgen auch an seine Zeit als Reporter und Korrespondent in Moskau, Ost-Berlin, Washington und New York, in der er die genannten Meilensteine der Weltpolitik begleitet hat.