Oft mehr drin als bei privaten Versicherern

Freiwillige Rentenbeiträge: Lohnt es sich für Sie?

Längeres Arbeiten und längere Rente in Deutschland
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh pzi nar pil

16. Februar 2021 - 17:57 Uhr

Mit Extra-Einzahlungen Rente erhöhen

Ob selbst­ständig, zu Hause mit den Kindern oder im vorzeitigen Ruhestand – viele können mit freiwil­ligen Einzahlungen in die Renten­versicherung ihre Rente erhöhen. Vom Staat wird das durch teils hohe Steuererleichterungen unterstützt. Bis zum 31. März 2021 kann auch für 2020 noch noch nachgezahlt werden. "Finanztest" erklärt, für wen sich freiwillige Rentenbeiträge lohnen und was Sie dabei beachten sollten.

Wer kann sich freiwillig rentenversichern lassen?

Lange sahen viele die gesetzliche Rente kritisch. Das hat sich geändert: Angesichts dürftiger sicherer Alternativen ist eine nicht kapitalmarktgedeckte Altersvorsorge wieder gefragt. Denn diverse wirtschaftliche Krisen haben den Glauben an die Gemeinschaft wieder gestärkt.

Da können auch freiwillige Beitragszahlungen in die gesetzliche Rentenkasse wieder interessant sein. Wer in Deutschland wohnt, hier nicht versicherungspflichtig ist und keine volle Altersrente bezieht, kann sich ab Vollendung des 16. Lebensjahres freiwillig versichern. Dies gilt auch für Deutsche, die im Ausland wohnen.

So hoch muss die Nachzahlung 2020 mindestens sein

Auch in diesem Jahr besteht noch bis zum 31. März die Möglichkeit, freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung rückwirkend für 2020 zu zahlen, wie Finanztest mitteilt. Bei einer nachträglichen Zahlung für das Jahr 2020 kann die Beitragshöhe zwischen dem Mindestbeitrag von 83,70 Euro und dem Höchstbeitrag von 1320,70 Euro monatlich gewählt werden. Für freiwil­lige Beiträge in Höhe von 10.000 Euro im Jahr 2021 schreibt die Rentenkasse derzeit Ansprüche von 44,25 Euro monatlich brutto gut.

Besser als private Versicherer

Das ist mehr, als bei klassischen Renten­angeboten privater Versicherer zu holen ist. In einem Test zu klassischen Sofortrenten von Finanztest hätte eine 65-jährige Modell­kundin beim besten Anbieter für eine Einzahlung von 100.000 Euro eine garan­tierte Rente von 319 Euro brutto bekommen. Runterge­rechnet auf 10.000 Euro wären das 31,90 Euro.

Vor allem für Personen, die nicht gesetzlich rentenversichert sind oder mit den Zusatzbeiträgen eine für den Rentenanspruch nötige Wartezeit von fünf Jahren Versicherungszeit nicht erfüllen möchten, sind freiwillige Beiträge sinnvoll.

Für Eltern: Kindererziehungszeit wird gutgeschrieben

Besonders Mütter und Väter, die nie in die Rentenkasse eingezahlt und sich stattdessen der Kindererziehung gewidmet haben, profitieren. Sie bekommen pro Kind, das ab 1992 geboren wurde, drei Jahre Kindererziehungszeit gutgeschrieben. Müttern und Vätern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, werden seit 2014 zwei Jahre fiktive Beitragszahlung angerechnet - bisher war es nur ein Jahr. Doch das ist zumindest bei einem Kind nicht ausreichend, um in den Genuss einer gesetzlichen Rente zu kommen. Hier kann die Zahlung von freiwilligen Beiträgen den Rentenanspruch sichern.

LESE-TIPP: Grundrente, Erhöhung & Co. Das gilt 2021 in Sachen Rente

Rentenkürzung bei vorzeitigem Ruhestand kompensieren

Auch Freiberufler und Beamte können sich auf diesem Weg ihre gesetzliche Rente sichern und ebenfalls die Höhe ihres monatlichen Beitrages in den genannten Grenzen frei wählen. Im Falle von Beamten schmälert die so erworbene gesetzliche Rente nicht die Höhe der Pension. Aber auch Arbeitnehmer, die pflichtversichert sind und vorzeitig in den Ruhestand gehen möchten, können durch die Zahlung von freiwilligen Beiträgen eine Rentenkürzung kompensieren. Die Beiträge sind zudem von der Steuer absetzbar.

Der Ausgleichsbetrag kann über die Jahre bis zum 63. Lebensjahr gestreckt werden. Solche Teilzahlungen sind nicht nur leichter zu schultern, sondern auch steuerlich sinnvoll. Denn die Beiträge können jedes Jahr ganz oder zumindest teilweise im Rahmen der Altersvorsorgeaufwendungen bei der Steuer abgesetzt werden. Auch lässt sich durch die Zahlung der Versicherungsschutz für eine Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung aufrechterhalten. Entgeltpunkte, welche durch die verkürzte Arbeitsdauer fehlen, lassen sich aber nicht ausgleichen.

Zuverlässig, aber nicht flexibel

Der Vorteil der gesetzlichen Rentenversicherung ist, dass man jeden Monat einen bestimmten Betrag überwiesen bekommt - unabhängig davon, welches Alter man erreicht. Wer aber eine größere Summe auf einen Schlag entnehmen möchte - etwa für einen größeren Urlaub, ein neues Auto oder Geschenke -, oder sein Vermögen gezielt vererben will, muss sein Geld flexibler verwalten. Zudem hängt auch die Rendite der gesetzlichen Rente immer davon ab, wie lange Versicherte sie beziehen. Wer aufgrund einer Krankheit nicht damit rechnet, alt zu werden, sollte dies auch in seine Über­legungen mit einbeziehen, gibt Finanztest zu bedenken.

Um wie viele Euro die freiwilligen Zahlungen die gesetzliche Rente erhöhen, lässt sich bei dem neuen Rechner der Stiftung Warentest ermitteln. Auch die Deutsche Rentenversicherung steht für Auskünfte, Beratung und Prognosen zur Verfügung.