Erinnerungen an eine schillernde Persönlichkeit

Florence Griffith-Joyner: Der Tag, an dem die amerikanische Sprint-Ikone starb

Joyner trug schon in den 80iger Catsuits.
Joyner trug schon in den 80iger Catsuits.
© Imago Sportfotodienst

21. September 2021 - 6:15 Uhr

Plötzlich lag sie leblos im Bett

Am Morgen des 21. September 1998 wachte Florence Griffith-Joyner, gerade einmal 38 Jahre alt, schnellste Frau der Geschichte, nicht mehr auf. Ihr Mann fand die Leichtathletik-Ikone, die aus einem Ghetto in Los Angeles nach ganz oben gesprintet war, leblos in ihrem Bett.

Griffith-Joyner wurde nie positiv getestet, aber...

Griffith-Joyner, von allen nur FloJo genannt, war im Schlaf nach einem epileptischen Anfall, ausgelöst durch eine angeborene Anomalie im Gehirn, erstickt. So lautet die offizielle Version. Nur zehn Jahre nach ihrem großen Olympia-Triumph von Seoul. Ein Schock für die Sportwelt. Und viele fragten sich: Starb das Glamour-Girl nicht etwa an den Spätfolgen ihres mutmaßlichen Steroid-Konsums?

Griffith-Joyner wurde nie positiv getestet, aber stets rankten sich Doping-Gerüchte um die Diva der Tartanbahn, zu märchenhaft schien ihre Karriere. Ihre 10,49 Sekunden über 100 m und 21,34 Sekunden über 200 Meter sind immer noch Weltrekord, 1988 holte sie drei Mal Olympia-Gold, mit ihren langen Haaren, den bunten Fingernägeln und schrillen Rennanzügen stieg sie zu einem Superstar mit etlichen Werbeverträgen auf. Doch ihre aufregenden Outfits sollten wohl auch ein bisschen von ihren unglaublichen Muskelbergen ablenken.

Was für eine unerklärliche Leistungsexplosion

1990, Los Angeles
Florence Griffith-Joyner setzte gerne auf außergewöhnliche Looks.
© picture alliance

"Ich trainiere wie ein Mann", sagte Griffith-Joyner stets, wenn die Frage nach ihrem Körperbau und die damit einhergehende Leistungsexplosion aufkam. Ein Jahr vor Seoul lag ihre Bestzeit über 100 Meter ja noch bei 10,96 Sekunden, in einer Zeit, in der Dopingtests eher rudimentärer Natur waren. Kurz nach den Spielen beendete FloJo schon ihre atemraubende Karriere.

Gerade die USA lagen Griffith-Joyner zu Füßen, sie lieben dort Geschichten wie ihre. Ihren Vater hat FloJo kaum gesehen, mit zehn Geschwistern wuchs sie in ärmlichen Verhältnissen auf und die größte Leistung ihrer Mutter sei es gewesen, dass "keiner von uns Drogen nahm und keiner erschossen wurde", sagte sie einmal.

Später wurde Griffith-Joyner die Fitness-Trainerin von Bill Clinton, der ehemalige US-Präsident sagte nach ihrem Tod: "Wir waren beeindruckt von ihrer Schnelligkeit, bewunderten ihr Talent und waren fasziniert von ihrem Stil. Obwohl sie im Mittelpunkt des Weltsports stand, vergaß sie nie, woher sie gekommen war." (tno/sid)