"Er geht da jetzt hin, dann wird das verhandelt"

Bayern bestätigt: Hernandez erscheint vor Gericht

14. Oktober 2021 - 19:27 Uhr

Fußball-Star droht Gefängnis

Bayern-Star Lucas Hernandez reist laut Club-Präsident Herbert Hainer nach Madrid, um dort wie gefordert vor dem 32. Strafgericht zu erscheinen. "Er geht da jetzt hin, dann wird das verhandelt, dann sehen wir weiter", sagte Hainer am Donnerstag am Rande der offiziellen Eröffnung des Clubheims 1900 am Campus der Münchner. Der Fall Hernandez und was ein Experte für internationales Strafrecht dazu sagt – oben im Video.

Gericht hat Haft angeordnet

Am Mittwoch hatte ein spanisches Gericht die Vollstreckung einer Haftstrafe gegen Weltmeister Hernandez angeordnet. Der 25-Jährige war im Dezember 2019 wegen Verstoßes gegen ein Annäherungs- und Kontaktverbot gegenüber seiner früheren Freundin verurteilt worden, mit der er inzwischen nach der Versöhnung verheiratet ist.

Bislang hatte sich kein Verantwortlicher aus München zum Fall Hernandez geäußert. Hainer wollte am Donnerstagabend auch nicht näher ins Detail gehen: "Das sind private Dinge von Lucas Hernandez, die will ich nicht bewerten", sagte der 67-Jährige.

"Muss Lucas Hernandez wirklich ins Gefängnis?"

Die 32. Strafkammer in der spanischen Hauptstadt tagt am Dienstag um 11.00 Uhr. Anschließend muss der französische Nationalspieler laut Gerichtsspruch innerhalb von zehn Tagen seine 2019 verhängte sechsmonatige Haftstrafe in einem Gefängnis seiner Wahl antreten. Wie der Fall ausgeht, ist derzeit völlig offen.

Die große Frage, die sich nicht nur Frankreichs größte Sportzeitung L'Equipe nun stellt, lautet: "Muss Lucas Hernandez wirklich ins Gefängnis?"

Alles scheint möglich zu sein. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung versuchen die Anwälte von Hernandez verzweifelt, eine Aussetzung der Haftstrafe und ihre Umwandlung in eine Geldstrafe zu erreichen. Ein erster Antrag beim Gericht in Madrid sei jedoch abgewiesen worden, nachdem sich auch die Staatsanwaltschaft dafür ausgesprochen hatte, dass Hernandez ins Gefängnis gehen soll, sagte ein Justizsprecher der SZ. Hernandez sei kein "Ersttäter", hieß es.

Sicher ist derzeit nur, dass Hernandez am kommenden Dienstag um 11.00 Uhr persönlich vor der 32. Strafkammer in Madrid erscheinen muss. Danach hat der französische Nationalspieler laut Gerichtsspruch innerhalb von zehn Tagen seine 2019 verhängte sechsmonatige Haftstrafe in einem Gefängnis seiner Wahl anzutreten.

Sehr wahrscheinlich sei, berichten verschiedene Medien, dass die Anwälte von Hernandez am Dienstag erneut Einspruch einlegen werden, um die drohende Haft wegen eines Verstoßes gegen ein Annäherungs- und Kontaktverbot so lange wie möglich aufzuschieben. Das letzte Wort hätte dann das Landgericht Madrid, die nächsthöhere Instanz.

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Hernandez bisher Stammspieler bei Nagelsmann

Für Unruhe dürfte der schlagzeilenträchtige Justiz-Fall beim Rekordmeister allemal reinbringen. Inwieweit Hernandez selbst die Geschehnisse verdrängen kann, ist fraglich. In den vergangenen Wochen gehörte der Weltmeister von 2018 zum Stammpersonal von Nagelsmann. Ob der Bayern-Coach angesichts der ganzen Aufregung auch im Topduell gegen die Werkself auf den Franzosen setzen wird?

Nagelsmann dürfte die Entwicklung nicht gefallen, zumal es zuletzt auch sportlich einen Rückschlag gegeben hatte: Vor der Länderspielpause setzte es beim 1:2 gegen Eintracht Frankfurt die erste Pflichtspiel-Niederlage der Saison. Zudem waren seine Stars bei diversen Länderspielen belastet. Auch Hernandez war im Einsatz und gewann mit Frankreich die Nations League.

Am Dienstag war Hernandez nach München zurückgekehrt, am Mittwoch holte ihn dann die Vergangenheit ein. Der Fall ist zumindest kurios: 2017 war der Profi wegen einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner heutigen Ehefrau mit dem Kontaktverbot belegt worden. Laut Gericht hat das Paar dagegen verstoßen, indem es wenige Monate später gemeinsam in die Flitterwochen flog. (sid/mar)