RTL News>Tiere>

Es ist Flüggezeit - deshalb sollten Sie verwaisten Vögeln jetzt NICHT helfen

Finger weg!

Es ist Flüggezeit - deshalb sollten Sie verwaisten Vögeln jetzt NICHT helfen

Ein Jungvogel sitzt auf dem Boden.
Es ist Flüggezeit! Heißt: Viele, kleine, flauschige Vögelchen sitzen kläglich piepsend auf dem Boden. Doch helfen sollte man den Tieren nur im Notfall.
deutsche presse agentur

von Jessica Bürger

Etwas herzzerreißend klingt es schon, wie der kleine, plüschige Vogel auf dem Bürgersteig hockt und nach seinen Eltern piepst. Doch gerade im Frühjahr ist es eher unwahrscheinlich, dass die Tiere tatsächlich verletzt sind. Denn es ist Flüggezeit und die ersten Flugversuche der Jungvögel enden meist nicht in den Wolken, sondern eben in den Büschen und auf den Bürgersteigen. Für uns Menschen heißt das jedoch: Finger weg!

Hilfe nur im Notfall

Doch wieso sollten wir den Jungvögeln lieber fern bleiben? „Es liegt in unserem Instinkt, den Tieren erst einmal zu helfen“, sagt Martin Rümmler, Referent für Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) im RTL-Interview. „Doch die Elterntiere müssen ihre Kinder wiederfinden, und das können sie nur, wenn der Vogel dort sitzen bleiben und rufen darf.“ Nur im äußersten Notfall dürfe ein Vogel umgesetzt werden. „Wenn das Tier in akuter Gefahr ist, zum Beispiel mitten auf der Straße sitzt, darf man es vorsichtig umsetzen“, so Rümmler.

Aber auch dann nur in den nächstgelegenen Busch oder auf einer Grünfläche. Maximal 15 Meter könne der Vogel sich von seinem unfreiwilligen Landeplatz entfernen, sonst finden ihn seine Eltern nicht mehr anhand seiner Rufe und das Tier verhungere. Das bedeute auch, nicht bei dem Vogel zu warten, bis er abgeholt werde. Solange der Mensch in der Nähe des Jungvogels sei, halten sich die Eltern von ihrer Brut fern, warnt Rümmler.

Infografik
Wie verhält man sich am besten, wenn man einen Wildvogel findet? Diese Infografik erklärt es.
@NABU Berlin

Daran erkennen Sie, ob ein Vogel Hilfe braucht

Grundsätzlich seien die flüggen Jungvögel aber auch für Laien gut zu erkennen, erklärt er. „Zuerst einmal sollte man das Tier beobachten“, rät er. Kann es selbstständig stehen oder liegt es auf dem Boden? Hinkt es, oder sehen die Flügel abgeknickt aus? „Wenn das Tier bereits Federn hat, flattern kann und selbstständig steht oder hockt, geht es ihm gut und es braucht keine Hilfe.“ Sei der Vogel jedoch noch komplett nackt, sei er wohl eher aus dem Nest gefallen. „Wenn man weiß, wo sich das Heimatnest befindet, kann man versuchen, das Vogelbaby auch vorsichtig wieder ins Nest zurücksetzen“, sagt Rümmler.

Lese-Tipp: Wenn es bei Ihnen nicht piept: So locken Sie Vögel an

Nur verwaiste Mauersegler gehören sofort in eine Wildvogelstation. „Egal in welchem Alter, aber gerade junge Mauersegler müssen sofort in eine Station gebracht werden. Die Eltern suchen nicht nach ihnen und die Tiere verhungern!“ Denn Mauersegler, so erklärt Rümmler, können wegen ihrer langen Flügel und den eher kurzen Beinchen nur schwer vom Boden aus los fliegen. Die erwachsenen Tiere würden also gerne ihrem Nachwuchs helfen, doch die Gefahr selbst zu stranden, ist einfach zu hoch.

Vögel können übrigens auch mit den Händen berührt und weggesetzt werden. Im Gegensatz zu Säugetieren macht der menschliche Geruch den Flattertieren nämlich nichts aus. Rümmler empfiehlt jedoch, auf die Krallen der Tiere zu achten – die seien auch bei jungen Vögeln schon scharf – und die Flügel mit fest zu halten, damit sie sich bei der Rettungsaktion nicht selbst verletzten. Dennoch: So kläglich die Rufe der Jungvögel auch klingen mögen, in diesem Fall ist den Tieren mehr geholfen, wenn man sie ignoriert.

Lese-Tipp: Vögel beobachten: Die besten Tipps und Tricks für Einsteiger