Hygge-Podcast „Ideen für eine bessere Welt“

Energieprofessor Volker Quaschning gibt 5 Antworten auf die bekanntesten Vorurteile gegen E-Autos

Volker Quaschning (Scientist for Future) ist Energieprofessor und Experte für E-Mobilität.
© dpa, Britta Pedersen

04. Dezember 2020 - 9:52 Uhr

Energieprofessor Volker Quaschning über Vorurteile gegen E-Mobilität

Kein Klimaschutz ohne alternative Antriebe. Wenn wir unsere Klimaziele wirklich noch erreichen wollen, muss der Verbrenner weg von den Straßen. Und zwar möglichst schnell. Doch die Skepsis gegenüber der elektronischen Alternative ist groß: schlechte CO2-Bilanz, Kinderarbeit in den Kobald-Minen und trotzdem viel zu teuer. In dem Nachhaltigkeitspodcast "Ideen für eine bessere Welt" hat sich Moderatorin und Hygge-Redakteurin Yvonne Adamek zusammen mit dem Energieprofessor Volker Quaschning die bekanntesten Vorurteile gegen E-Mobilität genauer angesehen und überraschende Antworten gefunden.

1. Die Produktion eines E-Autos verschlingt mehr Treibhausgase als ein Diesel auf 200 000 Kilometern produziert.

Energieprofessor Volker Quaschning: "Im Grunde stimmt beides: Bei den Verbrennungsmotoren stoßen wir allerdings gleich zweimal CO2 aus. Einmal bei der Herstellung und einmal beim Betrieb. Und das wird sich nicht ändern lassen. Beim Elektroauto wird nur einmal bei der Produktion CO2 ausgestoßen. Allerdings deutlich mehr als beim Verbrenner, da wir auch die Batterie mit herstellen müssen, die momentan einfach noch einen größeren Aufwand hat. Dafür spart das Auto beim Betrieb erheblich CO2 ein, wenn ich mit dem richtigen Strommix lade. Die negativen Rechenbeispiele hängen vor allem mit der Annahme zusammen, dass so ein E-Auto hauptsächlich mit Kohlestrom geladen wird. Nun besteht unser Strom aber schon jetzt zu über 50 Prozent aus Öko-Strom. So wird die Bilanz einen Tick besser. Sollten wir es in naher Zukunft schaffen, deutschlandweit ganz auf erneuerbare Energien umzusteigen, ist der Elektromotor klar im Vorteil. Es kommt also auch auf unsere Bereitschaft zur generellen Energiewende an."

2. Ein E-Auto ist nur was für Kurzstrecken

"Das hängt natürlich vom Elektroauto ab. Aber grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich das Laden bei modernen Mittelklassewagen als relativ unkompliziert darstellt. In der Regel kommt man 300 bis 400 Kilometer weit und muss dann etwas eine halbe Stunde laden. Da geht man mal kurz zur Toilette, trinkt noch gemütlich einen Espresso und schon kann man weiterfahren. Ältere Autos oder Kleinwagen haben meist auch eine kleine Batterie mit geringer Ladeleistung. Da ist es zugeben etwas mühselig, aber auch das geht. Grundsätzlich werden sich die Ladezeiten werden sich in den nächsten Jahren weiter verkürzen. Universitäten und Privatunternehmen arbeiten mit Hochdruck an Akkus, die andere Grundstoffe als Lithium haben und schneller zu laden sind. Aber auch bei den Lithium-Ionen-Batterien sind noch deutliche Verbesserungen zu erwarten."

3. Seltene Erden und Kinderarbeit beim Kobaldabbau befördern das E-Auto ins moralische Abseits

"Im Grunde ist dies eine sehr gute Diskussion. Zum ersten Mal schauen wir bei einem Produkt von Anfang an auf die Rohstoffgerechtigkeit. Das setzt die Hersteller natürlich unter Druck, weshalb sie immer mehr darauf achten, wo die Rohstoffe herkommen und wie sie gefördert werden. Zumindest bei der Batterie. Aber auch im Rest des Autos (Elektro wie Verbrenner) sind viele problematische Rohstoffe drin. Was die seltenen Erden als solches betrifft: Die brauchen wir gar nicht für die Batterie, auch wenn das immer gesagt wird. Vielleicht für den Elektromotor, aber auch da geht es ohne."

4. E-Autos sind für Durchschnittsverdiener viel zu teuer!

"Wie bei den meisten Dingen beeinflusst auch hier die Nachfrage das Angebot und den Preis. Das heißt, wenn wir alle zunehmend bei Autohändlern nach bezahlbaren Mittelklasse Elektroautos fragen, bis dort ankommt, dass ein größeres Bedürfnis besteht. Die Frage ist aber erstmal: Was müssen wir tun, um die Klimakrise zu stoppen? Und wissen wir ganz genau, dass wir in den nächsten 10 bis 20 Jahren eigentlich gar nichts mehr emittieren dürfen. Also nicht reduzieren, sondern jeglichen CO2-Ausstoß komplett einstellen. Dafür müssen die Verbrenner runter von der Straße. Es lohnt sich also, wenn man sich heute ein neues Auto kauft, sich gegen einen Diesel oder Benziner zu entscheiden. Man hat immer das Gefühl, es bleibt alles so. Es kann aber so nicht bleiben und deshalb ist es auch heut riskant, einen neuen Dieselwagen zu kaufen, wenn ich in fünf Jahren nicht mehr in die Innenstadt reinkomme."

5. Es gibt gar nicht genug Strom für eine elektronische Verkehrswende

"Für eine echte Energiewende reicht es nicht, von Verbrenner auf Elektroauto umzusteigen. Wir müssen wir die Zahl der Autos reduzieren und aufs Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, so gut es geht. So wird auch der Mehrbedarf für Elektromobilität überschaubar bleiben. Nehmen wir idealer Weise zum Beispiel an, dass wir in zehn Jahren nur halb so viele Autos haben wie bisher und die alle elektrisch fahren, dann erhöht sich der Gesamtstrombedarf nur etwa um zehn Prozent. Selbst wenn es mehr sein sollten: Genau wie nicht alle gleichzeitig tanken, werden wir auch nicht alle unsere Autos gleichzeitig laden. Deshalb sind sich auch alle Netzbetreiber sich, dass auch in Zukunft das normale Laden kein unlösbares Problem ist."

Weitere Podcast-Folgen "Ideen für eine bessere Welt“

Nachhaltigkeit, Gemeinschaftssinn und Umweltschutz – das sind Themen, die viele von uns bewegen. Doch was bedeutet das für unseren Alltag genau? Auf der Suche nach Antworten und Anregungen für ein bewussteres und nachhaltigeres Leben, trifft Hygge Redakteurin und Moderatorin Yvonne Adamek in ihrem Podcast "Ideen für eine bessere Welt" alle zwei Wochen spannende Menschen, um mit ihnen über konkrete Projekte und aktuelle Gesellschaftsthemen zu diskutieren.