Erster Rollstuhl-Parcours öffnet in Berlin

Ein Stück Selbstständigkeit: Hier lernen Kinder das Leben mit dem Rollstuhl

22. September 2021 - 19:53 Uhr

Lebensqualität für die Kleinen

Max ist elf Jahre alt und sitzt seit sieben Jahren im Rollstuhl. Bislang konnte für ihn jeder Bürgersteig und jede Stufe zum unüberwindbaren Hindernis werden. Auch weil Kinder mit dem Erlernen des Rollstuhlfahrens allein gelassen wurden. Auf dem Gelände der Berliner Charité hat jetzt ein Rollstuhl-Parcours eröffnet, auf dem die Kinder kostenlos im Umgang mit ihrem Rollstuhl geschult werden. Wie das Max' Leben verändert hat, zeigen wir im Video.

Training hat nicht nur medizinische Gründe

Rollstuhl
Max eröffnet den ersten Rollstuhl-Parcours
© RTL

Für Angela Kaindl ist der Parcours eine Herzensangelegenheit. Sie leitet die Kinderneurologie im Virchow-Klinikum an der Berliner Charité. Sie weiß, was es für die Kinder bedeutet, wenn sie auf Grund von Krankheiten oder Unfällen nicht mehr Laufen können. Nur der Rollstuhl kann ihnen helfen, sich frei zu bewegen. Doch darauf vorbereitet wurden sie bislang nicht. "Es gibt kein Trainingsprogramm, um diese Kinder im optimalen Umgang mit ihrem Rollstuhl anzuleiten, so dass die Idee aufkam, Probleme, die entstehen können, wenn man mit dem Rollstuhl nicht gut umgehen kann, entgegen zu treten", erklärt Prof. Angela Kaindl.

Der Parcours auf dem Charité-Gelände ist der Erste seiner Art. Durch die Bewegung stärken die Kinder ihre Muskeln. Doch das Training hat nicht nur medizinische Gründe. "Wir möchten den Kindern vermitteln, dass sie Selbstständigkeit im Leben haben und hochhalten. Dass sie unabhängig sind und selbstbestimmt und sportlich."

Rollstuhl-Parcours ist kostenlos

Der Parcours ist für alle frei zugänglich. Zusätzlich gibt es ein Mal pro Woche ein Training, angeleitet von einem Sportlehrer im Rollstuhl und begleitet von den Physiotherapeuten der Charité. Finanziert werden sowohl der Parcours als auch das Training durch Spenden. Deshalb ist es für die Kinder kostenlos. Im RTL-Interview berichtet Prof. Angela Kaindl von einer 17-Jährigen, "die hier gelernt hat, sich so gut zu bewegen, so selbstständig zu bewegen, dass sie jetzt allein U-Bahn fahren kann und eben abends ausgehen kann, ohne dass ihre Eltern oder Geschwister sie begleiten müssen."

Es klingt wie eine Kleinigkeit. Doch nicht mehr auf die Hilfe von anderen angewiesen sein, das bedeutet für viele eine ungeahnte Lebensqualität. Der Rollstuhl-Parcours hilft ihnen, die Hindernisse im Alltag zu überwinden. (mch)