Käse-Foto wurde ihm zum Verhängnis

Drogen-Dealer wird versehentlich überführt - 13,5 Jahre Haft dank eines Fotos aus dem Supermarkt

Der Drogendealer Carl S. wurde von der Polizei überführt. Wegen eines Einkaufsfotos und seinem darauf befindlichen Fingerabdruck.
Der Drogendealer Carl S. wurde von der Polizei überführt. Wegen eines Einkaufsfotos und seinem darauf befindlichen Fingerabdruck.
© picture alliance / Maximilian Schönherr | Maximilian Schönherr

26. Mai 2021 - 13:38 Uhr

Dealer aus Liverpool verkaufte online im großen Stile Drogen

Ein schnell hochgeladenes Alltagsfoto kann manchmal harte Konsequenzen haben: Ein Dealer wurde nun zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Überführt wurde er durch ein Bild aus dem Supermarkt.

Polizei überführt Carl Stewart (39) dank Twitter-Bild

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - dieses geflügelte Wort wirkt in Zeiten der schnell geknipsten Digitalfotos und der Bilderflut in den sozialen Medien vielleicht etwas aus der Mode gekommen. Für einen Dealer aus England ist es nun aber wahr geworden: Obwohl er sich gut tarnte, wurde Carl S. von der Polizei überführt. Wegen eines Einkaufsfotos.

Das Bild selbst könnte unspektakulärer kaum sein. Auf dem von der Polizei des englischen Verwaltungsbezirks Merseyside bei Twitter geposteten Foto ist eine typische Szene aus einem Supermarkt zu sehen. Vor einem angeschnittenen Einkaufswagen und einer weiteren Person im Hintergrund wird ein Blauschimmelkäse in die Kamera gehalten. Ganz so, als ob man einen Freund oder den Partner um seine Meinung zur Auswahl bitten möchte. Die Ermittler interessierte der prominent gezeigte Stilton-Käse aber überhaupt nicht - sondern nur die Hand, die ihn hielt.

Carl Steward vertickte Heroin, Kokain & Co. mit verschlüsselter Chat-App

Die gehörte nämlich zu einem Dealer aus Liverpool, der in der verschlüsselten Chat-App Encrochat im großen Stile Drogen gehandelt hatte. Unter dem Decknamen "Toffeeforce" hatte er nach Erkenntnissen der Polizei große Mengen Heroin, Kokain, Ecstasy und Ketamin verkauft. Und eben auch das Käse-Foto gepostet. Doch während er und rund 60.000 weitere Nutzer sich bei dem Dienst in Sicherheit wiegten, waren ihnen die internationalen Ermittler längst auf den Fersen: Schon im März letzten Jahres hatten die Behörden die vermeintlich sichere App geknackt, im Juli folgten dann die ersten Razzien. Alleine in Europa kam es an einem Tag zu 800 Verhaftungen durch die Ermittlungen, berichtete die "BBC".

Auch das Bild des Käses war mit dem Ende der Verschlüsselung in die Hände der Polizei gelangt. Die wertete es nach allen Regeln der Kunst aus und kam so auf die Spur der 39-Jährigen Carl S. "Seine Handfläche und seine Fingerabdrücke wurden mithilfe des Fotos analysiert und ihm klar zugeordnet", erklärte Inspektor Lee Wilkinson nach Angaben der Polizei vor Gericht. "Seine Liebe zu Stilton-Käse wurde ihm zum Verhängnis", witzelte der Beamte. S. hat die Taten gestanden und wurde am Freitag zu einer Strafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Der Käseliebhaber ist nicht der einzige, der im Rahmen des Encrochat-Hacks in der Region überführt wurde: "Als Teil von Operation Venetic konnte die Polizei des Bezirks Merseyside mehr als 60 Personen verhaften, viele von ihnen wegen Vorwürfen ernsthafter Drogen- oder Waffenvergehen."

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Fingerabdrücke können durch Kamerabilder analysiert werden

Dass die Polizei einen Verbrecher anhand eines bloßen Fotos seiner Hand überführen kann, ist weniger überraschend, als man zunächst vermuten würde. Schon im Jahr 2014 war es Hackern des Chaos Computer Club gelungen, einen Fingerabdruck der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von einem mit einer professionellen Kamera geknipsten Pressefoto zu entnehmen. 2017 gelang es Forscher des Japanischen Institutes für Informatik dann sogar, auswertbare Fingerabdrücke aus Smartphone-Bildern zu extrahieren und damit Fingerabdruckscanner zu überlisten. Möglich sei das durch die enorm hohe Auflösung moderner Smartphone-Kameras, erklärte einer der Forscher der Zeitung "Sankei". Seitdem hat die Fotoqualität nur noch zugenommen.

Besonders bedrohlich ist diese Entwicklung auch, weil Fingerabdrücke und andere biometrische Daten längst im Darknet gehandelt werden. Das hat einen einfachen Grund: Während man ein Passwort einfach ändern kann, sind die biometrischen Daten ein Leben lang an einen Menschen gebunden. Und lassen sich einmal gestohlen noch jahrzehntelang benutzen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf stern.de.

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