Klares Statement

Dressur-Königin Isabell Werth wehrt sich gegen pauschalen Vorwurf der Tierquälerei im Reitsport

20. September 2021 - 13:00 Uhr

"Allerdings sind die Pferde dann Partner des Reiters und somit kein Sportgerät"

Reitsport-Legende Isabell Werth hat sich gegen Vorwürfe der Tierquälerei in ihrer Sportart gewehrt. "Ich vertrete die Meinung, dass ein Pferd sehr wohl als Reitpferd als auch im Sport genutzt werden darf. Allerdings sind die Pferde dann Partner des Reiters und somit kein Sportgerät", sagte die siebenmalige Dressur-Olympiasiegerin dem "Spiegel".

"Ich spreche bewusst nicht von Tierquälerei"

Den Reitsport hält Werth weiterhin für ethisch vertretbar. "Bei aller Wertschätzung und Liebe für die Tiere steht das Wohl des Menschen an oberster Stelle. Und es liegt in der Verantwortung des Menschen, mit den Tieren artgerecht umzugehen. Hier hat sich die Wertediskussion und auch die Wahrnehmung in den vergangenen Jahren deutlich verändert", sagte sie.

Diesen Schuh will sich Werth nicht anziehen, das Regelwerk des Fünfkampfs sei "nicht mehr zeitgemäß", kritisierte die 52-Jährige, die am Sonntag den Großen Dressurpreis von Aachen gewonnen hatte. "Dort werden den Athleten kurz vor dem Ritt unbekannte Pferde zugelost. Ich spreche bewusst nicht von Tierquälerei, aber dass diese Regelung weder im Sinne des Pferdes noch des Reiters ist, hat sich einmal mehr gezeigt."

"Wir Reiter sind alle von unserem Pferd abhängig"

Werth ergänzte: "Wenn ich mit meiner Stute Bella Rose oder all den anderen Pferden zehn, zwölf oder 14 Jahre lang tagtäglich zusammenarbeite, entsteht ein völlig anderes Verhältnis. Dann kennen wir uns in- und auswendig." Dressurreiten sei "ein Miteinander, bei dem das Pferd auf die Hilfen des Reiters reagiert. Am Ende des Tages ist die Ausbildung eines Pferdes sehr vergleichbar mit der eines Kindes. Und der Lernprozess eines Kindes in der Schulklasse entspricht dem täglichen Training mit einem Pferd."

Werth verwies auf die wichtige Bedeutung des Tierwohls im professionellen Reitsport: "Wir Reiter sind alle von unserem Pferd abhängig. Der beste Reiter taugt nichts ohne ein tolles Pferd. Und wir müssten dumm sein, wenn wir nicht alles täten, um die Pferde so optimal wie möglich zu halten, damit am Ende auch die beste Leistung herauskommt." Zudem gebe es "engmaschige Kontrollen. Es gibt ja nichts mehr auf einem Abreiteplatz, was nicht gefilmt oder durch Stewards kontrolliert wird", so Werth. (tno)