Während sie betrunken im Bett lag

Skandal beim spanischen "Big Brother": Wurde Kandidatin vor laufender Kamera vergewaltigt?

© Instagram, carlotanoisno

9. Dezember 2019 - 10:06 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen spanisches "Big Brother"

Folgenschwerer Skandal bei der spanischen Ausgabe des Reality-TV-Formats "Big Brother": Eine Kandidatin soll dort im Jahr 2017 von ihrem Mitbewohner vergewaltigt worden sein – vor laufender Kamera. Die junge Frau war offenbar betrunken und kaum mehr bei Bewusstsein, bekam selbst nichts von dem Übergriff mit. Was geschehen war, erfuhr sie erst, als das Produktionsteam ihr am nächsten Tag die Aufnahmen vorspielte. Der Fall beschäftigt jetzt die spanische Justiz. Die Produktionsfirma hat sich inzwischen für den Vorfall entschuldigt.

Carlota Prado musste ihren eigenen Missbrauch mitansehen

Carlota Prado ist aufgelöst, kann nicht fassen, was sie gerade mitansehen muss. Ungläubig schüttelt sie den Kopf, hat Tränen in den Augen. Die junge Frau ist Kandidatin bei der spanischen Ausgabe von "Big Brother", soll eigentlich die Ereignisse des Tages im Sprechzimmer kommentieren.

Stattdessen bekommt sie gezeigt, wie ihr Mitbewohner José María López sie in der Nacht zuvor mutmaßlich vergewaltigt – ein Vorfall, an den sie sich selbst nicht erinnern kann. Filmriss. Sie hebt die Hände vors Gesicht, wendet sich schließlich entsetzt ab. Wiederholt fleht sie die Produzenten an, das Video zu stoppen: "Bitte, bitte hört jetzt auf!"

Die erschütternden Szenen wurden 2017 am Set von "Gran Hermano" aufgenommen. Sie sind zwar nie im Fernsehen ausgestrahlt worden. Trotzdem musste Carlota Prado ihre eigene mutmaßliche Vergewaltigung vor dem Big-Brother-Produktionsteam mitansehen. Die spanische Zeitung "El Confidencial" hat vor Kurzem die Aufnahmen zugespielt bekommen – und veröffentlicht. Wir zeigen die Szenen bewusst nicht, um die Persönlichkeitsrechte der Kandidatin zu wahren.

Vor laufender Kamera: Ihr Mitbewohner soll sich an der bewusstlosen Frau vergangen haben

Skandal im spanischen Big Brother: Kandidatin Carlota Prado soll von ihrem Mitbewohner vergewaltigt worden sein - vor laufender Kamera
Skandal im spanischen Big Brother: Kandidatin Carlota Prado soll von ihrem Mitbewohner vergewaltigt worden sein - vor laufender Kamera
© Instagram, carlotanoisno

Glaubt man den Anschuldigungen, ist Folgendes passiert: Die Big-Brother-Kandidaten feiern an einem Abend im Jahr 2017 miteinander, mit jeder Menge Alkohol. Irgendwann verlässt Carlota Prado die Party – sichtlich angetrunken. Mit dabei: ihr Mitbewohner José María López, mit dem sie vor Kurzem eine Beziehung begonnen hat.

López hilft der 23-Jährigen ins Bett, macht ihr Avancen, will offenbar Sex. Aber Carlota weist ihn ab: "Nein", sagt sie, "ich kann nicht". Dann fällt sie ins Bett, vom Alkohol überwältigt. López soll die junge Frau anschließend missbraucht haben, ohne ihr Wissen oder Einverständnis in sie eingedrungen sein. Angeblich habe er erst aufgehört, als das Produktionsteam endlich einschritt und über Lautsprecher ein Code-Wort durchgab.

Am nächsten Morgen frühstücken die beiden zusammen. López erzählt Carlota, er habe sich "um sie gekümmert", nachdem sie zu viel getrunken hatte. Doch später am Tag wird López mit sofortiger Wirkung des Sets verwiesen. Offizielle Begründung: "untragbares Verhalten". López selbst bestreitet bis heute, Carlota Prado vergewaltigt zu haben.

#CarlotaNoEstasSola: Welle der Solidarität auf Instagram

Die Produktionsfirma "Zeppelin TV" meldete der Polizei umgehend den Vorfall. 2018 zeigte Carlota Prado den mutmaßlichen Missbrauch schließlich selbst an, wie die britische BBC berichtet. Die entsprechenden Video-Aufnahmen will die Produktionsfirma daraufhin an die Ermittler gegeben haben.

Im Oktober dieses Jahres kam ein Richter dann zu dem Schluss: Es gebe handfeste Anhaltspunkte dafür, dass Carlota Prado tatsächlich sexuell missbraucht worden sei. Der Richter empfahl ein Strafverfahren.

Carlota Prado hat sich vor Kurzem auf Instagram bei ihren Unterstützern gemeldet, die unter #CarlotaNoEstasSola – "Carlota, du bist nicht allein" – für sie kämpfen. "Zum ersten Mal fühle ich mich nicht allein", schreibt sie. "Ich fühle mich jedem verbunden, der etwas Ähnliches durchleben musste."

"Big Brother"-Produktionsfirma entschuldigt sich: Vorgehen sei "ein Fehler" gewesen

Die Produzenten haben inzwischen Reue gezeigt und sich für den Vorfall entschuldigt. Das Filmmaterial sei nie mit der Absicht aufgenommen worden, gesendet zu werden. In einem Statement von "Zeppelin TV" heißt es: "In jedem Fall, insbesondere im Hinblick auf Carlota, verurteilen wir nicht-einvernehmliche sexuelle Handlungen aufs Schärfste. Deshalb werden wir neue Grenzen und Maßnahmen implementieren, um unsere Null-Toleranz-Haltung zu bekräftigen."

Der Kandidatin ausgerechnet im Sprechzimmer zu eröffnen, dass sie offenbar sexuell missbraucht wurde, sei "ein Fehler" gewesen, den man bereue. Man werde in Zukunft dafür sorgen, dass das Produktions-Team "jede Situation, in der Rechte verletzt werden", schnell und angemessen kläre. Auch wolle man mehr Wert auf Privatsphäre in außergewöhnlichen Situationen legen und keinen Alkohol mehr am Set tolerieren.