Bewährungsstrafe nach tragischem Unglück

Chloe (†1) stürzte von Kreuzfahrtschiff in den Tod: Großvater verurteilt

Die kleine Chloe fiel aus einem Fenster auf einem Kreuzfahrtschiff.
Die kleine Chloe fiel aus einem Fenster auf einem Kreuzfahrtschiff.
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11. Februar 2021 - 10:15 Uhr

Großvater: "Ich vermisse dich so sehr, Chloe“

Sam A. ist wegen des tragischen Todes seiner Enkelin Chloe verurteilt worden. Das teilte die Regierung von Puerto Rico mit. Im Juli 2019 war das 18 Monate alte Mädchen im Hafen von San Juan vom Kreuzfahrtschiff "Freedom of the Seas" in die Tiefe gestürzt. Die Eltern hatten stets betont, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe.

Großvater hatte das Mädchen auf eine Fensterbank des Kreuzfahrtschiffs gehoben

A. hatte sich im Oktober 2020 nach Absprache mit den Eltern vor Gericht der fahrlässigen Tötung schuldig bekannt, "damit die Familie mit diesem furchtbaren Kapitel abschließen und um Chloe trauern kann", sagte der Anwalt der Familie damals zu der Entscheidung. Dieser Schritt sei "für Sam und die Familie unglaublich schwierig" gewesen, so Michael Winkleman. Zuvor hatte A. Vorwürfe gegen sich stets abgestritten. Nun wurde er zu einer Haftstrafe von drei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Weil das Schiff zum Zeitpunkt des Unglücks im Hafen von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan lag, musste sich Sam A. auch dort vor Gericht verantworten. Die Strafe darf er aber im US-Bundesstaat Michigan antreten, wo er lebt. Er habe ein minderjähriges Kind "fahrlässig aus dem Fenster im elften Stockwerk" gehalten, so das Statement. Die Reederei hatte dem Gericht Unterlagen vorgelegt, wonach der Großvater selbst sich aus dem Fenster gelehnt habe und folglich gewusst haben müsse, "dass das Fenster offen war", zitierte der Sender "CBS News". A. habe Chloe einige Zeit über dem Abgrund baumeln lassen, ehe sie knapp 35 Meter in die Tiefe gestürzt und gestorben war.

Sam A. hatte dagegen ausgesagt, er habe das Mädchen auf eine Fensterbank gehoben, damit sie hinausschauen konnte. Ihm sei nicht klar gewesen, dass das Fenster offen war. Im nächsten Moment sei seine Enkelin schon gefallen. Die Familie hatte stets betont, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe. Die Eltern werfen dem Betreiber des Kreuzfahrtschiffes vor, es habe "eine riesen Sicherheitslücke gegeben, die ihr Kind das Leben kostete", schreibt "NBC". Sie könnten nicht verstehen, warum es überhaupt möglich gewesen sei, ein Fenster in dieser Höhe zu öffnen und setzen sich für entsprechende Sicherheitshinweise ein. Der Opa hätte ihre Tochter nie in Gefahr gebracht. Nachdem das Kind aus dem Fenster gefallen sei, sei er "hysterisch" gewesen, habe nur noch geweint. "Sie war seine beste Freundin."

Eltern verklagen Kreuzfahrtschiff-Betreiber "Royal Caribbean"

"Nach dem Urteil fühle ich eine Mischung aus Wut und Erleichterung", teilte A. in einem Statement mit. Erleichterung darüber, dass er nicht ins Gefängnis müsse und seine Familie und er nun mit diesem Kapitel abschließen und in die Zukunft schauen können. "Ich habe mich dazu entschieden, die Vorwürfe nicht infrage zu stellen, auch, wenn ich weiß, dass ich kein Verbrechen begangen habe", so Chloes Großvater. Er hoffe, dass die furchtbare Geschichte seiner Enkelin dazu führe, dass vor allem die jüngsten Kreuzfahrtschiffpassagiere sicher reisen können. Gesetze sehen vor, dass sich die Fenster nicht mehr als ein paar Zentimeter öffnen dürfen. "Wären die Regeln eingehalten worden, wäre Chloe heute noch am Leben. Ich vermisse dich so sehr, Chloe."

Die Zivilklage der Familie gegen den Betreiber "Royal Caribbean" laufe, wie Winkleman mitteilte. Es gebe "keinen einzigen Beweis, der die Behauptung stütze, dass Sam A. gewusst habe, dass das Fenster offen gewesen sei."