Kein vierter Bahnstreik

Deutsche Bahn und Lokführer-Gewerkschaft GDL beenden Tarifkonflikt

Die Züge Rollen im Herbst ohne Streik: Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft GDL haben sich geeinigt.
Die Züge Rollen im Herbst ohne Streik: Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft GDL haben sich geeinigt.
© picture alliance, Christoph Hardt

16. September 2021 - 11:59 Uhr

Deutsche Bahn und GDL verkünden gemeinsam Ende des Tarifkonflikts

Monatelang wurde gestritten, drei Mal streikten die Lokführer sogar – und jetzt hat offenbar die Vernunft gesiegt: Zwischen Deutsche Bahn und der Lokführer-Gewerkschaft GDL ist es endlich zu einer Einigung gekommen. Beide Seiten waren zu Kompromissen bereit. Kritik gab es an der Beteiligung von zwei Ministerpräsidenten an den Verhandlungen.

Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein als Vermittler

Der Ministerpräsident von Thüringen und frühere Schlichter bei der Bahn, Bodo Ramelow, twitterte bereits: "Um 10.30 Uhr gibt es die Ergebnisse und zwei Kollegen von mir haben eine wirklich gute Arbeit gemacht."

Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Stephan Weil (SPD) und Daniel Günther (CDU), haben dabei geholfen, nach drei Streik-Wellen der Lokführer den Konflikt zu befrieden und eine Lösung zu finden.

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Die Details der Einigung zwischen GDL und Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn und die Lokführer-Gewerkschaft GDL haben sich auf Lohnerhöhungen von insgesamt 3,3 Prozent für die Beschäftigten verständigt. Zum 1. Dezember 2021 steigen die Bezüge zunächst um 1,5 Prozent, dann am 1. März 2023 um weitere 1,8 Prozent, wie beide Seiten mitteilten.

Am 1. Dezember erhalten die Beschäftigten außerdem je nach Lohngruppe eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro. Am 1. März 2022 soll eine weitere Corona-Prämie von einheitlich 400 Euro fließen.

Nicht ganz so forsch wie gewohnt trat GDL-Chef Claus Weselsky bei der Verkündung der Einigung auf. Denn die GDL willigte in die geplante Umstrukturierung der betrieblichen Altersvorsorge ein. Das bisherige System der Zusatzrente werde ab 2022 nur für Bestands-Mitarbeiter fortgesetzt, hieß es. Erstmals schließt die GDL neben dem Zugpersonal auch Tarifverträge für Mitarbeitende in Werkstätten und in der Verwaltung, jedoch nicht für die Infrastruktur.

Geeinigt haben sich beide Seiten demnach auch auf ein Verfahren, mit dem festgestellt wird, welche Gewerkschaft in den jeweiligen Bahn-Betrieben die Mehrheit hat. Davon hängt nach dem Tarifeinheitsgesetz ab, welcher Tarifvertrag angewandt wird. Die GDL hat in 16 der rund 300 Bahn-Betriebe die Mehrheit, in 71 Betrieben muss es noch festgestellt werden.

Bahn-Gewerkschaft EVG will jetzt nachverhandeln

Bei der Deutschen Bahn ist der Tarifkonflikt nach den Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL möglicherweise noch nicht beendet. Die größere Bahn-Gewerkschaft EVG kündigte am Donnerstag an, dem Unternehmen ihrerseits einen Forderungskatalog vorzulegen. "Wir bereiten uns auf Verhandlungen vor, aber auch auf Maßnahmen bis hin zum Arbeitskampf", sagte Klaus-Dieter Hommel, der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Das geschehe aber in Ruhe und ohne Hektik. "Wenn es einen Abschluss mit der GDL gibt, nehmen wir ihn zur Kenntnis und werden ihn bewerten."

Die EVG hatte schon im vergangenen Jahr eine Einigung mit der Bahn erzielt. Sie beinhaltet aber ein Sonderkündigungsrecht für den Fall, dass eine andere Gewerkschaft mehr herausholt.

Hommel kritisierte die Einmischung der Politik deutlich. "Das ist ein Schlag ins Kontor der Tarifautonomie." Dem im vergangenen Jahr mit dem Bund und dem Unternehmen geschlossenen "Bündnis für unsere Bahn" sei die Geschäftsgrundlage entzogen worden. (dpa/reuters/aze)