Auf dem Abstellgleis

Der tiefe Fall des Mesut Özil

© dpa, Nick Potts, nic lof axs jat fdt exa kno

30. Oktober 2020 - 10:48 Uhr

Özil bei Arsenal sündhaft teurer Ladenhüter

Eine Karriere liegt in Trümmern. Mit 32 Jahren scheint Mesut Özil am Ende einer ruhmreichen Karriere angekommen. Der Weltmeister von 2014 schafft es nicht mal mehr in den Kader des FC Arsenal. Verkommt zum sündhaft teuren Ladenhüter. Für die "Gunners" wird der einst zum Hoffnungsträger des Vereins stilisierte Özil kein Spiel mehr machen. Die Tribüne als Millionengrab. Doch wie konnte es dazu kommen?

Erdogan-Affäre und Rekordvertrag

Der Abstieg begann mit der wohl wichtigsten Unterschrift seiner Karriere. Am 1. Februar 2018 setzte der damalige Nationalspieler seinen Namen unter ein rekordverdächtiges Arbeitspapier. Seine Vertragsverlängerung. 20 Millionen Euro. Pro Jahr. Der bis 2021 laufenden Kontrakt machte Özil zum bestbezahlten "Gunner" der Geschichte. Und sollte der Anfang vom Ende sein.

Im Mai 2018 – nur wenige Monate nach der Vertragsunterschrift – ging ein Foto um die Welt, das Özil auf Jahre zum Verhängnis werden sollte. Gemeinsam mit Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündogan ließ sich Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan ablichten. Inmitten des türkischen Wahlkampfes.

Für viele ein Skandal. Ein unverzeihlicher Fehler. Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schaltete sich ein. Und Özil? Schwieg den Skandal über Monate weg. Ein Verhalten, das ihm viele Sympathien kostete. Bis heute.

Video: Gündogan zum Özil-Absturz

Vom Maracana aufs Abstellgleis: Symbolfigur des Scheiterns

Auch in der Nationalmannschaft lief es alles andere rund. 2014 noch gefeierte Rio-Held, wurde er 2018 zur Symbolfigur des Versagens der deutschen Mannschaft. Das Aus in der WM-Vorrunde nahmen viele Fans persönlich. Vor allem in der Schusslinie. Mesut Özil.

Phlegmatisch, überheblich, lustlos. Attribute, die für Özil zur Etikette wurden. Am 22. Juli schmiss er die Brocken hin. Seine Karriere beim DFB nach einem Rundumschlag bei Twitter Aus und vorbei. Auch menschlich hinterließ er einen Scherbenhaufen. Verweigerte Bundestrainer Joachim Löw jedes Gespräch. Eine Aussprache? Unmöglich.

Was blieb, war die Festung London. Doch auch die vermeintlich heile Arsenal-Welt hatte längst Risse. Im April 2018 endete eine Ära. Nach rund 22 Jahren trennten sich die Wege von Teamchef Arsene Wenger und dem Club. Özil stand plötzlich ohne seinen größten Fan und Förderer da.

Mesut Özil: Bei Arsenal gescheitert

Mit Nachfolger Unai Emery verband den Mittelfeldspieler keine Liebe, man arrangierte sich. Doch Özils Stern erlosch. Von Monat zu Monat. Ein Blick auf die Zahlen: Lieferte er auf dem Höhepunkt seines Schaffens in der Saison 2015/16 in 35 Spielen noch 19 Assists und sechs Tore ab, waren es in der Spielzeit 2017/2018 nur noch neun Torvorlagen bei vier Treffern in 26 Partien. Tendenz stark fallend. In der Vorsaison stand Özil lediglich 18 Mal auf dem Platz. Seine Bilanz: Ein Tor, zwei Assists. Und Özil? Beklagt in der Öffentlichkeit fehlende Loyalität.

Das Resultat: Sein persönliche Super-GAU. Die Ausbootung. Özil fristet sein Dasein fortan für den Rest der Saison auf der Tribüne. Für den Rio-Helden und Topverdiener des FC Arsenal gibt es keine Verwendung mehr. "Bei ihm habe ich heute das Gefühl, dass ich gescheitert bin", erklärte Arteta jüngst den Rauswurf des Weltmeisters. Gescheitert ist vor allem Özil. An sich selbst.