Fünf Fakten über Phil „The Power“ Taylor

Darts-Legende Phil Taylor wird 60

Phil Taylor beendet nach der WM seine Karriere. Foto: Steven Paston
© deutsche presse agentur

13. August 2020 - 9:17 Uhr

Von Reinhard Brings

Es war zwischen Weihnachten und Neujahr Mitte der 2000er Jahre. Es ging mir wie wahrscheinlich so vielen Menschen in dieser besinnlichen Zeit, auf der Suche nach etwas Abend-Unterhaltung zappte ich durchs Fernsehprogramm.

Irgendwann stieß ich auf Pfeile werfende, wenig athletisch aussehende Männer und ein johlendes, tobendes und singendes Publikum. "Was ist denn da los?", wunderte ich mich und verfolgte eine Weile den Wettbewerb.

Zusehends zog mich die einmalige Atmosphäre in ihren Bann. Vor allem beeindruckte mich der untersetzte, aber trotzdem coole Mann mit den Darts, der mit einer fantastischen Genauigkeit das verrückte Publikum zu immer neuen Begeisterungsstürmen hinriss.

Ich sah zum ersten Mal Phil Taylor, die Legende des Darts-Sports, die an diesem 13. August 60 Jahre alt wird. Lesen Sie fünf Fakten über das Geburtstagskind Phil Taylor ...

1. "The Power"

Der Einmarsch in die Arena durch die Zuschauer hindurch auf die Bühne zur Dartscheibe ist absoluter Kult. Als Walk-in-Musik wählte Phil Taylor von Beginn an "The Power" von der Dance-Gruppe "Snap!". Das brachte Taylor den Spitznamen ein. Aber auch die Überlegenheit und mentale Stärke, mit der er im Spiel seine Gegner zermürbte, festigten seinen Ruf als "The Power".

Es gibt kaum eine andere Sportart, die von einem einzelnen Akteur derart geprägt wurde. Taylor hob den Kneipensport überhaupt erst ins Rampenlicht und beherrschte ihn knapp drei Jahrzehnte. "Phil hat Darts groß gemacht, in 100 Jahren wird man immer noch über Phil Taylor sprechen", huldigt ihm der zweimalige Weltmeister Gary "The Flying Scotsman" Anderson. Und selbst Raymond "Barney" van Barneveld, der langjährige Erzrivale aus den Niederlanden, würdigt Phil Taylor als "Meister des Darts".

2. "Walking in the Taylor Wonderland"

Darts: Weltmeisterschaft, Tag 15, am 01.01.2018 in London, Großbritannien. Phil Taylor jubelt, nachdem er das Final-Match verloren hat. Foto: Steven Paston/PA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Phil Taylor auf der Bühne des Alexandra Palace in London
© dpa, Steven Paston, hjb

Die PDC-Weltmeisterschaft wird immer um die Weihnachtszeit ausgetragen. Vermutlich lag es daran, dass die Fans den Weihnachtsklassiker "Walking in the winter wonderland" auf Phil Taylor umdichteten. Wenn der Superstar die Zuschauer mal wieder zu Begeisterungsstürmen hinriss, belohnten ihn seine Anhänger mit der selbst getexteten Hymne, dass es wirklich nur einen Taylor auf dieser Welt gibt: "There's only one Phil Taylor, one Phil Taylor -  walking along singing this song, walking in a Taylor wonderland."

Taylor genoss das. "Zu hören, dass die Leute meinen Namen singen, ist für mich das schönste Gefühl auf der Welt. Ich werde das in Zukunft vermissen", sagte er kurz vor seinem Rücktritt im Jahre 2018.

3. Stoke-on-Trent

Die 250.000 Einwohner-Stadt in Mittelengland ist Phil Taylors Heimatstadt – im übrigen auch die von Robbie Williams. Der Superstar der Popmusik sagte einmal: "Wenn du einen Ansporn finden möchtest, suche dir ein berühmtes Vorbild aus der Heimat und versuche, mehr zu erreichen. Bei mir ist dies allerdings nicht so leicht. Nur zwei berühmte Menschen kommen aus Stoke-on-Trent: der eine bin ich und der andere war Kapitän und hat die Titanic versenkt – das ist nicht zu toppen."

Vergessen hat der gute Robbie aber Phil Taylor. Dessen Erfolgsgeschichte begann in den Pubs von Stoke-on-Trent. 1986 in der Kneipe des langjährigen Weltranglistenersten Eric Bristow warf Taylor auf die Dartscheibe. Darts-Ikone Bristow entdeckte das Talent und förderte es.

Taylor wurde so gut, dass er es 1990 zum ersten Mal in ein WM-Finale schaffte und dort ausgerechnet seinen Mentor Eric Bristow besiegte.

Stoke-on-Trent hat sich den Ruf einer Dart-Hochburg erworben. Nicht nur die Legende Phil Taylor kommt aus der Stadt, auch der zweimalige Weltmeister Adrian "Jackpot" Lewis (2011, 2012) und der WM-Finalist von 2012 Andy "The Hammer" Hamilton haben dort ihr zu Hause.

4. Die legendärste Partie

Raymond van Barneveld und Phil Taylor
Raymond van Barneveld und Phil Taylor
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Am 1. Januar 2007 stand Phil Taylor zum 14. Mal hintereinander(!) im WM-Finale.Mit ihm und  Raymond van Barnefeld trafen zwei der ganz Großen aufeinander und lieferten sich das beste Darts-Spiel der Geschichte.

3:0 und 5:3 führte "The Power" bereits, "Barney" hatte sich schon fast aufgegeben: "Bei 0:3 hatte ich geglaubt, nicht einen Durchgang gewinnen zu können. Aber dann habe ich zu mir gesagt: `Hol ́ wenigstens einen oder zwei ́."

Der sieben Jahre jüngere Van Barnefeld steigerte sich danach minütlich und spielte sich in einen Rausch, warf insgesamt 21 Mal das Maximum von 180. Taylor aber war enorm nervenstark und hielt mit aller Präzision dagegen, die Zuschauer im altehrwürdigen Circus Tavern in Purfleet flippten aus.

Beide Spieler erwischten einen Sahne-Tag, und es wurde ein Herzschlag-Finale: 6:6 in den Sätzen, 5:5 in den Legs stand es. Die Entscheidung musste im spannendsten aller denkbaren Szenarien ermittelt werden, dem Sudden Death.

Nach drei hochdramatischen Stunden setzte den entscheidenden Treffer – Raymond van Barneveld. Phil Taylor, der damals bereits 13 WM-Titel in der Tasche hatte, war dennoch tief enttäuscht: "Ich habe mein Bestes gegeben, aber habe die letzte Hürde einfach nicht geschafft."

5. Die Legende

LONDON, ENGLAND - JANUARY 1: Phil Taylor of England celebrates with the trophy after winning the final of the 2013 Ladbrokes.com World Darts Championship at the Alexandra Palace on January 1, 2013 in London, England. (Photo by Ben Hoskins/Getty Image
16 Mal gewann Phil Taylor die WM-Trophäe im Darts
© Getty Images, Bongarts

Phil Taylor wurde 16 Mal Weltmeister – eine unglaubliche Bestmarke. In den Jahren 1995 bis 2002 gewann er acht Mal hintereinander. Die letzte WM holte er 2013 im Alexandra Palace durch einen 7:4-Sieg gegen den Niederländer Michael "Mighty Mike" van Gerwen.

Das perfekte Spiel, also mit lediglich neun Würfen von 501 auf null Punkte herunterzuspielen ("9-Darter"), das gelingt auch den Top-Stars äußerst selten. Phil Taylor schaffte vor laufenden TV-Kameras elf 9-Darter – Rekord!

Der vierfache Vater (drei Töchter, ein Sohn) trat 2018 zurück. Heute genießt er sein Rentnerdasein, verbringt viel Zeit mit seinen Enkeln und erledigt Arbeiten am Haus.

Einst wuchs der Jubilar in Stoke-on-Trent in ärmlichen Verhältnissen auf, verdiente sich als Jugendlicher sein Geld unter anderem mit dem Zusammenschrauben von Toilettenpapier-Halterungen. Darts hat ihn aber zu einem reichen Mann gemacht. Sein Vermögen wird auf rund 10 Millionen Euro geschätzt. In einem früheren RTL-Interview lachte er in die Kamera: "Ich bin der glücklichste Mann der Welt, weil ich Weltmeister bin und es auch bleiben werde. Außerdem bin ich reich."