"Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung"

Danke, Instagram! Weg mit den Beauty-Filtern

© RTL.de/Luisa Menzel

25. Oktober 2019 - 20:42 Uhr

Von Luisa Menzel

Schmalere Nase, vollere Lippen und ein Facelift à la Kardashians: Im Selfie-Modus kann ich derzeit auf Instagram mein Gesicht so optimieren, dass ich aussehe wie Kendall Jenner. Also, finde ich jedenfalls. Und erst durch diese Filter habe ich gemerkt, wie viele Schönheits-Operationen ich eigentlich bräuchte, um mein Gesicht ohne Filter zu mögen. Deshalb bin ich richtig froh darüber, dass Instagram die Schönheits-OP-Filter jetzt verbieten will.

Kurz zu mir: Luisa, 23 Jahre alt und prinzipiell eigentlich ganz zufrieden mit meinem Gesicht. Bis jetzt. Klar, gibt es die eine oder andere Kleinigkeit, die ich an mir nicht so toll finde aber über eine Schönheitsoperation habe ich nie ernsthaft nachgedacht. Mal ganz davon abgesehen, dass mir dafür so oder so das Geld fehlt. So viel zu meiner gesunden Einstellung zu diesem Thema.

"Es entsetzt mich, dass ich mein Gesicht jetzt nicht mehr als schön oder okay empfinde"

Seit ich mein Gesicht nämlich das erste Mal so gefiltert auf Instagram gesehen habe, kann ich nicht aufhören, mir eine schmalere Nase, vollere Lippen und ein Augenbrauenlifting zu wünschen. Und das entsetzt mich. Es entsetzt mich, dass ich mein Gesicht jetzt nicht mehr als schön oder okay empfinde, sondern denke, dass ich was daran machen lassen müsste, damit ich hübsch bin. Es ist mir auch völlig egal, wie oft mir meine Mama sagt, dass ich ohne Filter viel besser aussehe. Mir geht es darum, dass ich selber nicht mehr zufrieden bin, wenn ich in den Spiegel gucke. Auch wenn ich weiß, dass das völliger Quatsch ist!

Und genau deshalb bin ich froh darüber, dass es diese Filter bald nicht mehr geben soll. Denn wenn ich, als eigentlich ziemlich selbstbewusste junge Frau, schon so denke… Wie geht es dann den Frauen oder jungen Mädels, die vorher schon mit einem geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen hatten?

Face-Filter bei Instagram gibt in den verschiedensten Designs.
Viele Filter sind wirklich gewöhnungsbedürftig.
© Luisa Menzel

Für Instagram braucht man ein dickes Fell

Ich glaube, dass man für Instagram ohnehin ein dickes Fell braucht. Junge Frauen wie ich, werden von morgens bis abends von schlanken Schönheiten, mit perfekten Kurven, langen Haaren, weißen Zähnen, Designer-Taschen und einem Ferienhaus auf Bali berieselt. Ich arbeite jeden Tag mit sozialen Medien und kann gut einschätzen, was echt ist und was nicht. Und trotzdem erwische ich mich dabei, dass ich mich von diesen perfekten Frauen mit ihren perfekten Leben unter Druck gesetzt fühle. Ich denke, wenn es für sie möglich ist, muss ich es doch auch irgendwie schaffen. Realistisch gesehen geht das aber gar nicht. Außer ich mache sechs umfassende Operationen oder eine Schulung in Photoshop.

Mit einer großen Reichweite auf Instagram geht auch eine große Verantwortung einher. Niemand darf so tun, als wäre es auf eine natürliche Art und Weise möglich, so perfekt auszusehen. Denn es gibt Frauen, die dadurch eine völlig unrealistische Vorstellung davon bekommen, wie sie aussehen wollen und ein Ideal anstreben, das nichts mit der Realität zu tun hat. Genau wie ich mit meinem gefilterten Gesicht. Deshalb finde ich es gut, dass Instagram hier die Verantwortung übernimmt und die Filter verbietet. Denn was für die einen nur Spaß oder sogar abschreckend ist, kann für andere eine große Belastung bedeuten und bei Jugendlichen ernsthafte Existenzkrisen auslösen.

Deshalb an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Instagram: Diese Filter zu verbieten, wird das Problem nicht über Nacht lösen, aber es ist immerhin ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.