Am 6. Juni 1944 wagen die Alliierten den Sprung auf das europäische FestlandD-Day: Mit der Invasion in der Normandie beginnt die Befreiung Europas

US-General Dwight D. Eisenhower trifft die Entscheidung am Morgen des 5. Juni 1944 um 04:15 Uhr, einer Legende nach mit einem simplen "Let's Go". Welche Worte es auch immer sind, sie sind der Auftakt zu der größten Luftlandeoperation in der Militärgeschichte. Eine riesige Kriegsmaschinerie aus tausenden Schiffen, Flugzeugen, Panzern und Fahrzeugen wird in Gang gesetzt. Um die 165.000 Soldaten sollen innerhalb eines Tages an die Küste der Normandie gebracht werden. Es ist der entscheidende Tag des Zweiten Weltkrieges in Europa, D-Day, der "längste Tag", wie der deutsche Generalfeldmarschall Erwin Rommel im Frühjahr 1944 prophezeit hat.
Trotz der langen detaillierten Planung ist jedem, vom normalen Soldaten bis General Eisenhower klar, dass nicht alles nach Plan laufen wird. Niemand weiß, wie hoch der Preis sein wird, und welches Grauen die Soldaten erwartet.

Die Ereignisse um den D-Day im Überblick

Uns-General Dwight D. Eisenhower mit amerikanischen Luftlandetruppen.
Der Legende nach startete die Invasion in der Normandie mit einem einfachen "Let's Go" von US-General Dwight D. Eisenhower.
deutsche presse agentur

5. Juni 1944, 04:15 Uhr:

In der Nacht zuvor hat Eisenhower die Operation aufgrund des schlechten Wetters abgeblasen. Jetzt verspricht die Prognose bessere, aber nicht optimale Bedingungen. Wenn nicht jetzt, dann kann die Aktion aufgrund der Gezeitenlage vor der Normandie erst in zwei Wochen stattfinden. Eisenhower will nicht mehr warten, er gibt den entscheidenden Befehl.

5. Juni 1944, 17.00 Uhr:

Von der Isle of Wight stechen rund 2.700 Schiffe in See, um die Invasionstruppen an den Strand der Normandie zu bringen. Insgesamt sind über 5.000 Schiffe beteiligt.

Signal an die Resistance: Bald geht es los

Die französische Resistance wartete bereits auf das Signal.
Die französische Resistance wartete bereits auf das Signa der Alliierten.
deutsche presse agentur

5. Juni 1944, 22.00 Uhr:

In den nächsten zwei Stunden starten zahlreiche Flugzeuge mit Fallschirmjägern und Lastensegler mit Bodentruppen. Die Fallschirmjäger tragen zum Teil so viel Ausrüstung, dass ihnen beim Einsteigen in die Flugzeuge geholfen werden muss. Sie werden ein paar Kilometer landeinwärts abspringen. Ihre Aufgabe: Wichtige Brücken sichern, die Kommunikation der Deutschen unterbrechen, Chaos stiften.

5. Juni 1944, 23:15 Uhr:

Die BBC senden die Zeilen aus Paul Verlaines Gedicht Herbstlied: "…verwunden mein Herz mit eintöniger Mattigkeit." Dies ist das Signal an die französische Resistance, dass die Invasion innerhalb der nächsten 48 Stunden stattfinden wird. Um den Alliierten zu helfen, haben die Widerstandskämpfer verschiedene Sabotageakte geplant.

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Ist das jetzt schon die Invasion?

In der Nacht zum 6. Juni 1944 landen die ersten Fallschirmjäger in Frankreich.
In der Nacht zum 6. Juni 1944 landen die ersten Fallschirmjäger in Frankreich.
deutsche presse agentur

6. Juni 1944, 00:16

Die ersten Fallschirmjäger landen. Die Deutschen sind so überrascht, dass einige alliierte Einheiten ihre Ziele innerhalb weniger Minuten erreichen. Doch die Gefahr ist nicht gebannt, sie müssen mit Gegenangriffen anderer deutscher Einheiten rechnen. Bis Verstärkung für die Alliierten eintrifft, kann es noch mehrere Stunden, zum Teil auch Tage dauern.

6. Juni, 1:11 Uhr

In St. Lo und Caen erreichen die Deutschen mehrere Berichte über Landungen alliierter Fallschirmspringer. Ist das die Invasion? Eigentlich rechnen die Deutschen mit einer Invasion an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals bei Calais, und nicht in der Normandie. Ist es vielleicht nur ein Ablenkungsmanöver? General Erich Marcks entscheidet, erst einmal noch abzuwarten.

Die Landung am Strand der Normandie beginnt

Die Karte zeigt die Landeoperation an der Küste der Normandie.
Die Karte zeigt die Landeoperation an der Küste der Normandie.
deutsche presse agentur

6. Juni, 1:55 Uhr

Amerikanische Fallschirmjäger landen in und um Sainte Mere-Eglise. Der Kampf um die kleine Stadt wird mehrere Stunden dauern. Sainte Mere-Eglise wird die erste Stadt sein, die die Alliierten befreien.

6. Juni, 5:23 Uhr

Die Schlachtschiffe, die nun an der Küste der Normandie angekommen sind, beginnen mit dem Beschuss der deutschen Verteidigungsanlagen am Strand, sie werden von amerikanischen Bombern aus der Luft unterstützt. Sie sollen den Landungstruppen den Weg über den Strand frei machen, was nur bedingt gelingt. Derweil steigen die ersten Soldaten in die Landungsboote, um an den Strandabschnitten Utah und Omaha an Land zu gehen

6. Juni, 6:30 Uhr

Die ersten US-Soldaten erreichen die Strandabschnitte Utah und Omaha, die ersten heftigen Kämpfe beginnen. Rund eine Stunde später landen Briten und Kanadier an den drei weiteren Strandabschnitten Sword, Juno und Gold.

Heftige Kämpfe am Omaha Beach

Verletzte werden direkt am Strand von Sanitätern versorgt.
Verletzte werden direkt am Strand von Sanitätern versorgt.
deutsche presse agentur

6. Juni, 8:20 Uhr

Trotz des heftigen Beschusses von See und aus der Luft sind die deutschen Abwehrstellungen am Abschnitt Omaha noch immer voll einsatzfähig. Die landenden Soldaten geraten unter heftigen Beschuss, kaum einer aus der ersten Landungswelle erreicht den Strand lebend. Dort wiederum warten Minenfelder auf die Soldaten

6. Juni, 09:32 Uhr

Die BBC berichtet erstmals über die Landung.

Langsam wendet sich das Blatt

Unter großen Verlusten können US-Ranger hochgelegene deutsche Stellungen einnehmen.
Unter großen Verlusten können US-Ranger hochgelegene deutsche Stellungen einnehmen.
deutsche presse agentur

6. Juni, 11:30 Uhr

Die Lage an Omaha Beach wendet sich zum Besseren. Unter dem Feuerschutz der mittlerweile näher gekommenen Schlachtschiffe, können US-Ranger-Einheiten die Klippen erklimmen und erste deutsche Geschützstellungen ausschalten.

6. Juni, 12:00 Uhr

Die Nachrichten aus der Normandie bringen Adolf Hitler auf dem Obersalzberg nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil. Er ist siegessicher, man werde die Alliierten am Strand abwehren. Solange sie in Großbritannien waren, konnten wir ihnen nichts anhaben, jetzt haben wir sie dort, wo wir sie vernichten können, soll er gesagt haben. Außerdem gehen die meisten von Hitlers Generälen davon aus, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt, das die Landung bei Calais vorbereiten soll.

Am Ende des längsten Tages

Die Alliierten bringen immer mehr Soldaten und schweres Gerät an Land.
Die Alliierten bringen immer mehr Soldaten und schweres Gerät an Land.
deutsche presse agentur

6. Juni, 14:00 Uhr

Das Chaos an den Landungsstränden nimmt nun langsam die geplante Gestalt einer organisierten Landung an. Erstes schweres Gerät wird an Land gebracht, Verwundete werden versorgt, Minenfelder geräumt. Immer mehr alliierte Soldaten betreten französischen Boden. Eine Stunde später werden die ersten Teile zum Bau eines künstlichen Hafens auf den Weg gebracht.

6. Juni, 18:00 Uhr

Eine deutsche Panzerdivision erreicht die Strandabschnitte Juno und Sword und beginnt einen Gegenangriff, einige Panzer gelangen sogar an den Strand. Jedoch haben die Alliierten mittlerweile ausreichend Kriegsgerät anlanden können, so dass dieser Gegenschlag nach rund zwei Stunden abgewehrt ist.

6. Juni, 21:00 Uhr

Mittlerweile sind rund 140.000 alliierte Soldaten auf französischen Boden, an einigen Strandabschnitten wird noch gekämpft, an anderen Orten drängen Amerikaner, Briten, Kanadier und Franzosen immer weiter landeinwärts und schlagen sich zu den Fallschirmjäger-Einheiten, die vor fast 24 Stunden gelandet sind, durch.

7. Juni, 0:00 Uhr

Auch wenn die Alliierten nicht alle ihre Ziele erreicht und zudem sehr hohe Verluste erlitten haben, ist die Landung geglückt. Der "längste Tag" ist vorbei, der Anfang gemacht. Von nun an befinden sich die Deutschen an allen Fronten auf dem Rückzug. Dennoch: Der Krieg in Europa wird sich noch elf Monate, bis zum 8. Mai 1945 hinziehen.