Inzidenzwerte schnellen nach oben

Corona bei Kindern und Jugendlichen: Müssen unsere Schulen wieder dicht gemacht werden?

17. November 2021 - 15:31 Uhr

Corona dünnt Klassenzimmer aus

von Maximilian Storr

In der Christian-Morgenstern-Grundschule in Berlin tragen die Schüler wieder Maske. Wegen Corona bleiben viele Stühle unbesetzt. Acht Schüler sind infiziert, 50 weitere in Quarantäne. Die 7-Tage-Inzidenz schießt bei Kleinen bundesweit in schwindelerregende Höhen, wie in unserem Video zu sehen ist. Und: Schulen müssen teilweise wieder geschlossen werden. Was muss jetzt passieren?

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Seit November 88 Schulen in Sachsen geschlossen

Die nächste Coronawelle rollt auch auf die Schulen und Lehrkräfte zu. "Es macht sich natürlich wieder Unsicherheit breit. So eine ähnliche Situation hatten wir auch vor einem Jahr, wo es leider nicht gelungen ist, Schulschließungen zu vermeiden", sagt Hans-Peter Meidinger, Vorsitzender des Lehrerverbandes, im RTL-Interview. Ein Extrembeispiel: Sachsen. Seit November mussten 88 Schulen vorübergehend teilweise oder komplett geschlossen werden. Aktuell sind es 83. Acht gingen in den eingeschränkten Regelbetrieb, schreibt die Landesregierung in einer Pressemitteilung vom 16. November. Aber was muss passieren, um zu verhindern, dass die Schulen wieder komplett dicht gemacht werden müssen?

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Meidinger: "Schulen sicherer machen!"

Erst einmal könnte das die Politik verhindern, eine künftige Ampelkoalition will bundesweite Schulschließungen nämlich eigentlich ausschließen. Für Lehrerpräsident Meidinger gibt es daher nur eine wirkliche Alternative: Die Schulen sicherer zu machen!

"Was wir jetzt dringend brauchen, sind bundeseinheitliche Regeln für den Umgang mit Gesundheitsschutzmaßnahmen an Schulen. Die gibt es nicht mehr." Während in Berliner Grundschulen zum Beispiel wieder Masken getragen werden müssen, ist das in Schleswig-Holstein noch freiwillig. Bis Montag. Dann sind Masken wieder verpflichtend. Meidinger kritisiert diesen Flickenteppich, fordert außerdem, dass Tests nicht mehr auf freiwilliger Basis stattfinden dürfen und die Mittel für Raumluftfilter endlich abgerufen werden müssen.

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Gute Zahlen in Inzidenz-Hochburg

Auf dem Tassilo-Gymnasium im Landkreis Rottal-Inn, wo die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 1.298 liegt (Platz zwei in Deutschland), hat Schulleiter Edgar Nama die Lage noch im Griff. "Wir haben Zahlen, die sich wirklich noch in sehr guten Grenzen halten. Wir haben im Augenblick noch einen vollständigen Präsenzbetrieb, keine Klasse oder Gruppe ist zu Hause", erklärt er RTL.

In der Schule müssen die Schüler auch auf ihrem Platz Maske tragen, getestet werde dreimal pro Woche. "Wir haben aber auch in jeder Klasse Co2-Sensoren, um die Aerosol-Belastung zu messen. Und wenn die Ampel auf gelb springt, sind die Schüler so aufmerksam, und sagen den Lehrern, dass sie jetzt lüften müssen." Dennoch: Da in der Altersgruppe der fünf- bis 14-Jährigen noch kein Impfstoff vorhanden ist, werden sich wohl auch in den kommenden Wochen sehr viele Kinder und Jugendliche infizieren. Mit welchen Folgen?

"In anderen Altersgruppen werden Inzidenzen nicht niedriger sein"

Jakob Maske ist Bundessprecher im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Er führt die hohen Inzidenzzahlen (über 700 bei 5-14-Jährigen) auch auf die Testungen zurück. "Zunächst einmal sehen wir die hohen Inzidenzen in der Altersgruppe, in der am meisten getestet wird. Das muss man sich auch vor Augen führen. Das ist ein Spiegel der Gesellschaft, ich denke in den anderen Altersgruppen werden Inzidenzen nicht viel niedriger sein", sagte er bei "RTL Direkt".

Auf die Frage von Moderator Jan Hofer, ob Maske befürchte, dass Long Covid bei Kindern und Jugendlichen zum Problem werden könnte, sagte er: "Wir können Long Covid nicht ausschließen. Aber die Daten, die uns derzeit vorliegen, zeigen doch, dass die Zahlen sehr gering sind und dass die Zahlen bei Erwachsenen deutlich höher sind. Allerdings muss man auch sagen, dass hier unterschiedliche Studien vorliegen, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen."

Zu einem gemeinsamen Ergebnis sollten Bund und Länder dagegen in der Frage kommen, wie der Schulalltag möglichst schnell sicherer gemacht werden kann. Denn: Schulschließungen wollen eigentlich alle vermeiden!