1970er-TV-Serie als Kinofilm neu aufgelegt

„Catweazle“-Filmkritik: Mehr als Otto-Waalkes-Nummernrevue - Kinostart: 1. Juli 2021

Julius Weckauf und Otto Waalkes in Catweazle
Julius Weckauf und Otto Waalkes in Catweazle
© Tobis

11. August 2021 - 12:15 Uhr

Familienfilm um einen kauzigen Mittelalter-Magier in der Neuzeit

von Mireilla Zirpins

Erinnern Sie sich noch an Catweazle, den Mittelalter-Magier im Clochard-Look, der sich in der gleichnamigen 1970er-TV-Serie in die Neuzeit verirrte? Regisseur Sven Unterwaldt ("Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft"*) fand, dass Schauspieler Joffrey Bayldon in dem Aufzug Ähnlichkeit mit Otto Waalkes hat. Konsequenterweise hat das Erfolgsduo, das bereits "Ottos Eleven" und die "Sieben Zwerge"-Filme zusammengearbeitet hat, dann auch gleich selbst einen"Catweazle"-Film gemacht.

Der hat einiges mit Momenten aus der Serie gemeinsam, setzt jedoch etwas andere Schwerpunkte – einfach schon, weil er über anderthalb Stunden einen Spannungsbogen aufrechterhalten muss und nicht über 25 Minuten wie eine Serienfolge. Der zottelige Magier flieht hier nicht im Jahr 1066 vor den Normannen, sondern katapultiert sich und seine Kröte Kühlwalda mit dem legendären Catweazle-Zauberspruch "Schalmei, dalmei, adamei" aus dem Jahr 1020 ins Jahr 2020, das Jahr, in dem der Film eigentlich ins Kino hätte kommen sollen, hätte da nicht diese Pandemie begonnen. Und bestaunt da großäugig grimassierend und leicht tollpatschig die Errungenschaften der Neuzeit von Kraftfahrzeugen bis zu Glühbirnen.

Catweazle läuft jetzt wie - Otto!

Julius Weckauf, Otto Waalkes und Gloria Terzic
Julius Weckauf, Otto Waalkes und Gloria Terzic
© ©2020 TOM TRAMBOW, TOM TRAMBOW

So weit, so bekannt. Die Frage ist natürlich, wie macht sich Otto als Catweazle? Wer ihn und sein Werk kennt, weiß: In all seinen Figuren steckt immer sehr viel Otto. Und so sieht sein Catweazle zwar genau so verlumpt aus wie einst der von Joffrey Bayldon, hüpft aber durch Wald und Straßenverkehr wie – ja eben so, wie Otto immer hopst, ein Mischung aus Känguru und Ottifant. Aber keine Angst, es wird selten zu viel, selbst nicht für Menschen, die Otto gewöhnungsbedürftig finden. Und dezent in Gestik und Mimik war der 1970er Catweazle ja nun auch nicht. Ottos Magier wirkt fast weniger kauzig. Er ist liebenswert und bringt die Kinder zum Lachen in einem familientauglichen Kinofilm, der auch optisch was hermacht, wenn man von der manchmal etwas künstlich ausschauenden Burgkulisse mal absieht.

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Sven Unterwaldts solidem Familienfilm gehen zwar unterwegs ein bisschen die Ideen und der Humor aus, weil er sich zu sehr darauf konzentriert, dass Catweazle wie E.T. wieder nach Hause will. Und dann muss er dem einsamen Halbweisen Benny noch zeigen, was Freundschaft ist. Das sorgt aber für Herz und schöne Momente mit den jungen Hauptdarstellern.

Benny spielt erfrischend und liebenswürdig Julis Weckauf (13), der schon in "Der Junge muss an die frische Luft" überzeugte. Eine echte Entdeckung ist auch die mittlerweile zwölfjährige Gloria Terzic, die als Bennys Angebetete Lisa ein gutes Gespür fürs Timing hat. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist der Film gut besetzt – von Henning Baum als gefühlsgehemmter Witwer bis zu Milan Peschel, der als Hofmarschall im Mittelalter nur wenige Sätze zu sagen hat. Und Katja Rieman stöckelt wasserstoffblond als Kunsthistorikerin durch den Film. Sie hat es auf Catweazles Druidenstab Anawandur abgesehen und sorgt dafür, dass es am Ende noch richtig spannend wird. Wer die vom Homeschooling gebeutelten Kids nach der Zeugnisvergabe zu Popcorn und Kino einladen will, ist also hier genau richtig.

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