Supermarkt-Frau ätzt zurück

Geissens stänkern gegen Kassiererinnen – und kriegen prompt die Quittung

06. Februar 2020 - 11:02 Uhr

Kassiererin ätzt selbstbewusst zurück

Carmen und Robert Geiss standen noch nie im Verdacht, geborene Diplomaten zu sein. Mit ihrem neuesten verbalen Ausrutscher ziehen die Protzmillionäre aber gleich den Zorn eines ganzen Berufsstandes auf sich. "Lieber saudoof und reich als intelligent sein und im Supermarkt an der Kasse sitzen!", hatten sie in einem RTL-Interview gestänkert. Kein Wunder, dass die Antwort nicht lange auf sich warten ließ. Im Video ätzt Kassiererin Désirée Simon selbstbewusst zurück – und macht den Geissens gleichzeitig ein Versöhnungsangebot.

Wissen die Geissens, was Kassiererinnen leisten?

Robert und Carmen Geiss
Bescheidenheit war noch nie das Ding der Geissens.
© imago/Future Image, Christopher Tamcke, imago stock&people

"Ich bin lieber eine kluge Kassiererin als ein saudoofer Kapitalist", kontert Désirée Simon die Verbalattacke der Geissens. Seit 23 Jahren sitzt sie an der Kasse und weiß genau, was sie und ihre Kolleginnen Tag für Tag leisten. De facto habe man als Kassiererin gleich mehrere Berufe. "Man ist Psychologin, man ist Kochgehilfe, man ist alles", berichtet sie.

Offenbar wissen Robert und Carmen Geiss nicht, dass Kassiererinnen längst nicht mehr nur an der Kasse sitzen – oder es ist ihnen egal. Ware checken, Regale einräumen, den Laden sauber halten: All das gehöre zum Job. Weshalb sich die Geissens trotzdem zu Aussagen wie dem Kassiererinnen-Bashing hinreißen lassen? "Nicht sehr klug, sich als saudoof zu bezeichnen, oder?", schmunzelt Désirée Simon. Womit wohl alles gesagt ist.

Studie: Arbeitnehmer sind stärker belastet

Dass Arbeitnehmer mehr leisten müssen als früher, beschäftigt zunehmend die Betriebsräte in deutschen Unternehmen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, die der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" vorliegt. Drei Viertel der teilnehmenden Arbeitnehmervertreter gaben demnach an, dass die Leistungserwartungen gewachsen seien und parallele Arbeitsprozesse ("Multitasking") zugenommen hätten. 71 Prozent finden, die Aufgaben seien komplexer und vielfältiger geworden.

Der von den Betriebsräten am häufigsten genannte Grund (65 Prozent) für die "Arbeitsverdichtung" sind Personalengpässe, die nicht nur die Folge von Krankheit oder hoher Auftragslage, sondern der Normalfall seien. Als Folgen dieser Entwicklung empfinden 77 Prozent der Betriebsräte wachsende Gesundheitsprobleme von Mitarbeitern, 68 Prozent eine Verschlechterung des Betriebsklimas und 47 Prozent eine Beeinträchtigung der Arbeitsqualität.

Hier packen weitere Kassiererinnen über ihren harten Alltag aus und nehmen zu den Stänkereien der Geissens Stellung.