Bitterböse Satire

Carey Mulligan in "Promising Young Woman" - Kinostart: 19.08.2021

Carey Mulligan als Cassandra in Promising Young Woman
Carey Mulligan als Cassandra in Promising Young Woman
© ©2020 Focus Features, LLC., Courtesy of Focus Features

20. August 2021 - 10:46 Uhr

von Mireilla Zirpins

Vorsicht vor dieser Lady! Carey Mulligan will keineswegs nur spielen in dem Aufzug. Ihre sexy Krankenschwestern-Verkleidung erinnert nicht umsonst an Margot Robbies Aufzug als Harley Quinn in "Birds Of Prey"*. Das hier ist ein Revenge-Movie mit bitterbösem Humor, in dem die Frauen die Spielregeln diktieren.

Mauerblümchen, Discotussi, Rachegöttin - Carey Mulligan hat alles drauf

Eine Knaller-Rolle für Carey Mulligan ("Drive", "Der große Gatsby"*), die in "Promising Young Woman" in knapp zwei Stunden die unterschiedlichsten Seiten zeigt und uns Zuschauer immer wieder überrascht: ob als enttäuschtes Mauerblümchen, als besoffene Partyluder oder als Racheengel verrucht in Schwestern-Tracht. Den Oscar gab's bei fünf Nominierungen am Ende "nur" für das beste Originaldrehbuch von Regisseurin Emerald Fennell, aber ihre Hauptdarstellerin Carey Mulligan war völlig zu Recht auch nominiert, und zwar für eine eher oscaruntypische Rolle. Was für ein Erfolg für einen Regie-Erstling!

Denn "Promising Young Woman" hat Humor und dabei eine feministische Botschaft. Und ist trotz seines knallbunt poppigen Looks bitterböse. Als "vergifteten Popcornfilm" hat die britische Schauspielerin Emerald Fennell (spielt Camilla Parker-Bowles in "The Crown") ihr Regie-Debüt bezeichnet. Treffend! Denn "Promising Young Woman" spielt geschickt mit unseren Erwartungen und Sehgewohnheiten.

So möchte keine Frau in der Disco abgeschleppt werden

HANDOUT - 04.08.2021, ---: Carey Mulligan als Cassandra in einer Szene des Films «Promising young woman» (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 19.08.2021 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts) Foto: -/Focus Features/dpa - ACHTUNG: Nur zur re
Kinostart - "Promising young woman"
© dpa, -, jkn sab

In der ersten Szene hängt Carrey Mulligan als Cassie so unvorteilhaft auf der Bank eines Clubs, das der extrem kurze Rock den Blick auf ihren Slip freigibt. Widerlich besoffen, aber nicht ungeil, finden ein paar feiernde junge Männer und beschließen, dass einer von ihnen die Situation ausnutzen sollte. Doch der Typ, der die fast bewusstlos wirkende Cassie ohne Auto-Kotzunfall in sein Apartment geschafft und sich gerade am Geruch des herabgerissenen Schlüpfers zwischen ihren Beinen aufgeilt, staunt nicht schlecht, als sie sich plötzlich stocknüchtern aufsetzt und ihn zur Rede stellt. Und das soll nicht der einzige Nachtclub-Ausflug dieser Art bleiben.

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Manches klingt blöd, funktioniert im Film aber

Ein seltsames Hobby hat Cassie da. Und einen ungewöhnlichen Aufzug und gewöhnungsbedürftige Methoden für einen Moralapostel. Doch eigentlich ist sie ein Racheengel, hat ihre Ausbildung zur Ärztin abgebrochen, nachdem ihrer besten Freundin auf einer Medizinerparty Schlimmes widerfahren ist. Und hatte selbst seitdem keinen Bock mehr aufs Daten, wohnt noch bei ihren spießigen Eltern und jobbt ambitionslos in einem Coffeeshop, wo ihr der witzige Ex-Kommilitone Ryan (Comedian Bo Burnham) wieder über den Weg läuft. Sie spuckt in seinen Kaffee, er trinkt's provokant – da scheinen sich zwei gefunden zu haben.

Klingt echt blöd, wenn man's so schreibt, aber Regie-Newcomerin Emerald Fennell inszeniert all diese schrägen Dinge so frech und amüsant, dass es sich erstmal so wegguckt. Und man sollte in diesem Film wirklich mit allem rechnen! Auch mal mit unrealistischen Story-Wendungen. Man nimmt's aber hin. Vor allem, weil Carey Mulligan ein Wucht ist. Ihre One-Woman-Show ist eine einzige Tour de Force. Sie kann verletzlich sein, sexy, mit Blicken töten oder mit einem einzigen Muskelzucken ihre Verachtung aussprechen.

Die Regisseurin spielt geschickt mit dem, was wir erwarten zu sehen

"Promising Young Woman" ist keine klassische "Rape Revenge", kein Torture Porn", in dem Gewalt mit weiter, exzessiv zur Schau gestellter Gewalt vergolten wird. Es ist ein Kunststück, dass man hier sehr lange nicht das sieht, was man befürchten könnte, und der Film mit seinen geschliffen schlagfertigen Dialogen explizit genug ist, um die richtigen Bilder in unserem Kopf entstehen zu lassen. Da verzeiht man gern, dass manche Charaktere nicht tief genug entwickelt sind bzw. zu viele Typen mit toxischer Männlichkeit Cassies Universum bevölkern.

Denn das Anliegen der Macherinnen ist ein hehres: Es geht darum, wie Männer einen Vergewaltigungsvorwurf zu IHREM schlimmsten Alptraum machen und versuchen, so Täter- und Opferrollen zu tauschen. Darum, dass Opfern sexueller Gewalt gern vorgeworfen wird, dass sie nicht angemessen bekleidet oder betrunken gewesen wären. Carey Mulligan und Margot Robbie, die schon bei "Birds of Prey" und dem #metoo-Drama "Bombshell" eine treibende Kraft war, haben den schwarzhumorig-feministischen Genre-Mix zusammen mit Emerald Fennell produziert. Herausgekommen ist genau das, was Fennells Absicht war: Ein Film, den man getrost beim ersten Date, beim Pärchenabend oder mit einer Freundin ansehen kann. Und dann drüber diskutieren. Und das werden Sie!

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