Weg frei für Duell mit Joshua?

Boxen: Fury will nie mehr gegen Wilder kämpfen

Tyson Fury knöpfte Deontay Wilder Anfang 2020 den WBC-Titel ab
© USA TODAY Sports, USA TODAY USPW, /FW1F/Kenneth Ferris

15. Januar 2021 - 14:54 Uhr

Fury verweigert dritten Wilder-Kampf

Sehnsüchtig wartet die Boxwelt darauf, dass der Kampf zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua offiziell verkündet wird. Im Prinzip sind sich beide Lager über die Rahmenbedingungen einig. Die letzte Hürde will Fury einseitig aus dem Weg räumen – was allerdings teuer werden könnte.

Schiedsgericht vermittelt zwischen Fury und Wilder

Fury vs. Joshua: 2021 soll der Clash der britischen Champions um die unumstrittene Schwergewichts-Krone endlich stattfinden. Verhindern kann den Kampf eigentlich nur Ex-Weltmeister Deontay Wilder aus den USA.

Der "Bronze Bomber" hatte nach seiner Pleite gegen Fury Anfang 2020 in Las Vegas eine vertraglich vereinbarte Klausel für eine Revanche gezogen. Weil diese unter Pandemie-Bedingungen vor einer Geisterkulisse stattgefunden hätte, beide Boxer aber nicht auf das "Live-Gate" der Ticketeinnahmen (beim zweiten Kampf 17,5 Millionen Dollar) verzichten wollten, wurde der Kampf immer wieder verschoben.

Furys US-Promoter Bob Arum argumentiert nun, Wilders Recht auf die Revanche sei Ende Oktober ausgelaufen, die Advokaten des Amerikaners interpretieren die Paragraphen naturgemäß anders und pochen darauf, dass ihr Klient die Chance bekommt, den WBC-Gürtel von Fury zurückzuerobern.

Ein Schiedsgericht in den USA soll vermitteln. Einigen sich die Parteien nicht und entscheidet das Schiedsgericht pro Wilder, wäre das Duell zwischen Fury und Joshua rein rechtlich vorerst vom Tisch.

Boxing - Deontay Wilder v Tyson Fury - WBC Heavyweight Title - The Grand Garden Arena at MGM Grand, Las Vegas, United States - February 22, 2020 Tyson Fury knocks down Deontay Wilder during the fight REUTERS/Steve Marcus/File Photo     TPX IMAGES OF
Wilder ging gegen Fury zweimal zu Boden, verlor durch T.K.o. in Runde 7
© REUTERS, STEVE MARCUS, MB

"Verunglimpfung der Gypsy-Nation"

Fury freilich ist das alles schnurz. "Ich weiß nicht, ob der Mediator das Problem lösen kann, denn wir haben ein echtes Problem: Fury hat mir und dem Mediator gesagt: 'Nicht heute, nicht morgen, niemals mehr' kämpft er gegen Wilder, nach allem, was der zu ihm gesagt hat", zitiert das Fachportal "boxingscene.com" Fury-Promoter Arum.

Um was geht es? Wilder hatte Ende des Vorjahres nach einer monatelangen Schweigephase via Twitter eine Tirade bizarrer Vorwürfe ausgeschüttet. Unter anderem beschuldigte er den "Gypsy King", mit präparierten Handschuhen betrogen zu haben. "Ich glaube sehr stark, dass du irgendwas Hartes in deinem Handschuh hattest. Etwas von der Größe und Form eines Eis. Es war der Grund, warum die Seite meines Gesichts aufquoll und dass ich eine Delle im Gesicht hatte", plärrte Wilder. Außerdem habe ihm Fury "Fleisch aus den Ohren gekratzt, weswegen meine Ohren bluteten".

Fury, so Arum, werte die Attacke "nicht nur als Verunglimpfung gegen ihn, sondern gegen die ganze Gypsy-Nation" und sei daher nicht zu einem dritten Kampf gegen Wilder bereit. Fury gehört dem "fahrenden Volk" der Irish Traveller an.

Schadensersatz könnte sehr teuer werden

Hält der "Gypsy King" Wort, würde Fury den einzig wirklichen Stolperstein auf dem Weg zum Kampf gegen Joshua aus dem Weg räumen. Seine Wilder-Verweigerung dürfte allerdings teuer werden, sollte der Amerikaner vor Gericht Recht bekommen. In diesem Fall müsste Fury eine ordentliche – womöglich zweistellige – Millionen-Summe an Wilder überweisen, um den Bronze Bomber zumindest juristisch ruhig zu stellen.

Angesichts solcher Summen wäre Fury nicht der erste Preisboxer, der vollmundig gemachte Ansagen wieder zurückzieht. Klar ist: Kommt es 2021 doch noch zu Fury vs. Wilder III, wäre der Traumkampf gegen Joshua zumindest für dieses Jahr ziemlich sicher ausgeträumt.