Schrullige PK zwischen Fury und Wilder

Fünf-Minuten-Staredown, Rede-Boykott und Gelee-Körper in Aktion

Tyson Fury redete, Deontay Wilder schwieg lieber
Tyson Fury redete, Deontay Wilder schwieg lieber
© AP, Richard Vogel, RV

17. Juni 2021 - 8:47 Uhr

Fury heizt Kampf an, Wilder schweigt

Tyson Fury kam erst oben ohne, Deontay Wilder boykottierte das übliche Frage-Antwort-Spiel und dann lieferten sich die Schwergewichts-Rivalen auch noch einen rekordverdächtigen Staredown. Die erste Pressekonferenz vor Fury vs. Wilder III am 24. Juli in Las Vegas war erwartbar unterhaltsam.

"Bronze Bomber" kündigt "Blutvergießen" an

Deontay Wilder brüllte nicht sein übliches "Bomb Squad" durch den Saal. Der ehemalige Schwergewichts-Champion blickte lieber grimmig drein und ließ sich von zwei großen Kopfhörern beschallen. So, als wolle Wilder den Satz heiße Ohren, den ihm Fury im Februar 2020 verpasst hatte, einfach ausblenden.

Nur ein einziges Mal schritt der 35-Jährige ans Mikro. Er danke seinem "Herrn und Erlöser Jesus Christus und meinem wunderbaren Team", murmelte Wilder. "Zeit, ihm den Kopf abzuschlagen. Am 24. Juli wird es Blutvergießen geben. Holt euch eure Tickets." Das war's. Das Reden übernahm danach Wilders neuer Trainer Malik Scott (2014 übrigens ein Erstrunden-Opfer des Bombers).

Fury: "Zeigt, wie schwach er mental ist"

Fury, der die Bühne im "Novo" von Los Angeles mit nacktem Oberkörper betreten hatte – wohl, um einmal mehr seinen selbst ernannten "Gelee-Körper" zu präsentieren –, schlachtete den Rede-Boykott seines Erzrivalen genüsslich aus.

"Das zeigt, was für ein mental-schwacher Mensch er ist und wie sehr ihm die Abreibung aus dem letzten Fight emotional und körperlich zugesetzt hat", trötete der "Gypsy King". Er sei nach seinem Technischen K.o. über Wilder Anfang 2020 gar "besorgt" um den Amerikaner gewesen. "Und jetzt zieht er hier natürlich sein kleines Ding mit den Kopfhörern durch und will keine Fragen beantworten. Das ist seine Sache, aber ich bin hier, um einen Kampf zu promoten", sagte der Engländer.

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Fury präsentierte in L.A. mal wieder seinen "Gelee-Body", mit dem er 2015 schon Wladimir Klitschko entthronte
© imago images/ZUMA Wire, Gene Blevins via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Jeder hat einen Plan, bis ..."

"Ich habe ihn gefragt, ob er Fragen beantwortet. Er sagte: Genug geredet. Jetzt ist Zeit, um zu arbeiten", erklärte PK-Moderatorin Crystina Poncher nach einem kurzen Tête-à-Tête mit Wilder dessen Coach Scott, der von der Schweige-Einheit wohl nix gewusst hatte.

Scott versicherte der Pressemeute in L.A. daraufhin sichtlich und hörbar bemüht, Wilder habe sich nach der Pleite gegen Fury seinem Leben "neu gewidmet" und arbeite im Gym ganz hervorragend. Man werde am 24. Juli in Las Vegas einen "Bronze Bomber" in neuem sportlichen Gewand erleben – einen, der nicht nur hauen (Wilder hat eine K.o.-Quote von 93 Prozent), sondern auch boxen könne.

Beteuerungen, die Fury sofort zu einem verbalen Konter animierten. "Wie Mike Tyson schon sagte: 'Jeder hat einen Plan, bis er ins Gesicht geschlagen wird.' Sobald am 24. Juli meine Rechte einschlägt, wird er wieder genau der sein, der er immer war", spottete der Weltmeister, nachdem man ihm irgendwann doch noch ein (nennen wir es mal) Jackett gereicht hatte.

Schau mir in die Augen, Großer!

Fury gab noch eine Weile den Alleinunterhalter, ehe sich die Box-Riesen (Fury misst 2,06 Meter, Wilder 2,01 Meter) vor dem Podium zum obligatorischen Staredown trafen. Und der hatte es in sich. Minutenlang starrten die Rivalen einander an, während sich Furys Bruder Shane (eine moppelige Version von Tingeltangel-Bob aus den Simpsons) und ein Adjutant aus Wilders Entourage im Hintergrund ein Scharmützel lieferten.

Erst nach mehr als fünf Minuten finsteren Dreinblickens drehte Wilder ab und verließ die Bühne, woraufhin die Fury-Bande vergnügt rief. "Er ist als erster weg, wir haben gewonnen."

Drittes Duell nur wegen Vertrags-Klausel

Fury und Wilder treffen am 24. Juli in Las Vegas zum dritten Mal aufeinander. Das erste Duell der beiden hatte Ende 2018 mit einem umstrittenen Remis geendet, im zweiten Teil Anfang 2020 vermöbelte Fury den langjährigen WBC-Weltmeister dann nach Strich und Faden.

Nach der Schmach zog Wilder eine vertraglich verankerte Klausel, die ihm die Revanche überhaupt ermöglicht. Fury hätte im Sommer eigentlich gegen Landsmann Anthony Joshua in Saudi-Arabien um alle Schwergewichts-Titel kämpfen sollen. Ein Schiedsmann in den USA verdonnerte den "Gypsy King" allerdings dazu, die Rückkampf-Klausel für das "Rubber Match" gegen Wilder einzuhalten. (mar)

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