Box-Manager im Interview

Bönte: Sparring mit Joshua hat Kadiru "extrem viel gebracht"

Bernd Bönte managt die Karriere des deutschen Schwergewichts-Meisters Peter Kadiru
Bernd Bönte managt die Karriere des deutschen Schwergewichts-Meisters Peter Kadiru
© Imago Sportfotodienst

09. Juni 2021 - 8:12 Uhr

Bernd Bönte über die Pläne seiner Schützlinge

Das deutsche Boxen hat es nicht leicht. Zuletzt bestimmte nicht Agit Kabayels durchaus spektakulärer Punktsieg über den einstigen Klitschko-Herausforderer Kevin Johnson die Schlagzeilen, sondern eine Massenschlägerei unter 1.000 Zuschauern bei der SES-Boxgala an der Seebühne in Magdeburg. Klar ist: Die goldenen Zeiten mit Weltmeistern wie Maske, Michalczewski, Beyer, Araham oder Sturm sind vorbei. Schwarz sehen muss man nach Ansicht von Bernd Bönte aber nicht. Im Interview mit RTL/ntv erklärt der langjährige Manager der Klitschkos, was dem Boxen in Deutschland zurzeit fehlt. Außerdem spricht Bönte über die Pläne des deutschen Schwergewichts-Champions Peter Kadiru, dessen Sparring mit Weltmeister Anthony Joshua – und über ein "absolutes Box-Juwel".

"Das Schwergewicht zieht"

Herr Bönte, Sie managen den deutschen Schwergewichts-Meister Peter Kadiru. Wie sehen dessen Pläne aus?

Das läuft in Kooperation mit Peters Promoter Ulf Steinforth von SES bisher durchgängig sehr gut. Peter soll dieses Jahr noch den ein oder anderen Kampf machen. Aktuell gibt es jedoch nichts Konkretes zu vermelden, aber wir hoffen, dass er wie beim letzten Mal auf der Plattform ARD gezeigt wird. Da hatte Peters Kampf um die Deutsche Meisterschaft deutlich nach Mitternacht noch super Quoten - rund 1,3 Millionen Zuschauer, was für die Uhrzeit außergewöhnlich gut ist. Man sieht, das Schwergewicht zieht.

Welche Gegner sollte Kadiru jetzt boxen, um in den Ranglisten langsam nach oben zu klettern?

Das sind natürlich noch keine Namen, die momentan zur Topliga im Schwergewicht gehören. Peter muss sich langsam weiterentwickeln, ruhig aufgebaut werden, er ist ja noch sehr jung (23, d. Red.). Gut wäre sicher eine Verteidigung der Deutschen Meisterschaft oder eine Verteidigung des Junioren-WM-Titels des WBC, vielleicht kann er da noch den ein oder anderen Gürtel eines anderen Verbandes dazu holen, das wäre ein guter Plan. Und dabei die Gegner peu à peu steigern. Obwohl Peter noch nicht lange Profi ist, ist er in den Ranglisten, gerade auch bei Boxrec (eine Computer-Weltrangliste, d. Red.) schon relativ gut platziert, hat einen großen Sprung gemacht. Peter wird sich kontinuierlich nach oben entwickeln, gemeinsam mit seinem Coach Christian Morales weiter an Details feilen und in Kämpfen mehr Erfahrung sammeln.

"Joshuas wichtigster Sparringspartner"

Immerhin aber wählte Weltmeister Anthony Joshua Kadiru zuletzt schon zweimal als Sparringspartner aus …

Richtig. Ich freue mich, dass ich AJ und seinem Team die richtige Empfehlung gegeben habe. Sie waren von Peters Leistung sehr angetan. Er war vor dem Pulev-Fight sogar Joshuas wichtigster Sparringspartner. Die zwei Trainings-Camps mit AJ haben Peter extrem viel gebracht, weil er sehen konnte: Wie trainiert der Beste, wie intensiv trainiert er, wie sehen die Trainingsinhalte aus. Die Sparrings-Einheiten haben Peter extrem nach vorne gebracht, das bemerkte auch sein Coach Christian Morales sofort, als Peter aus dem Camp zurückkam.

Wie ist der Stand bei Schwergewichts-Talent Viktor Jurk, der als Amateur beachtliche Erfolge feierte, und den Sie vergangenes Jahr unter Vertrag genommen haben?

Viktor ist ein absolutes Juwel. Er ist fast so groß (2,04 Meter, d. Red) wie Tyson Fury und noch dazu Rechtsausleger. Er ist intelligent, hat Abi und studiert BWL im Fernstudium. Viktor ist gerade 21 geworden, da ist natürlich noch sehr viel Luft nach oben. Er wird sich entwickeln und er kann es sehr weit bringen. Er muss jetzt erst einmal in Ruhe Profi werden und wir als B+M Sport Management versuchen den richtigen Promoter für Viktor zu finden. Das ist ein wichtiger Schritt. Auch Viktor wäre im nächsten Joshua-Camp dabei gewesen, wenn der Fight gegen Fury nicht geplatzt wäre. AJ und sein Team hätten einen großen technisch guten Rechtsausleger gebraucht, da Fury bekanntlich ständig die Auslage wechselt.

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© imago/Sven Simon, imago sportfotodienst

Dem deutschen Boxen fehlt die TV-Bühne

Abseits "Ihrer" Jungs – wie steht es generell zurzeit ums deutsche Boxen?

Es gibt genügend gute Boxerinnen und Boxer im Amateur- und Profibereich. Aber in Ermangelung einer entsprechenden Medien-Plattform tauchen die leider in der Öffentlichkeit nicht auf. Das ist das große Problem des deutschen Boxens.

Jüngst hat die US-Sportagentur Wasserman den deutschen Boxstall Sauerland übernommen. Kann das dem deutschen Boxen einen Schub geben, ist das ein neuer Big Player?

Das kann man momentan noch schwer sagen. Wassermans Background ist exzellent, das ist eine renommierte Firma, mit einem großen Portfolio im Sport. Wenn sie sich wirklich langfristig im Boxen engagiert, wäre das super. Aber das Problem, einen Medienpartner in Deutschland zu finden, der nachhaltig und nicht nur sporadisch mit einzelnen Kampfabenden auf Boxen setzt, hätte Wasserman wohl aktuell auch. Ich denke Wassermans Fokus liegt momentan mehr auf dem deutlich lukrativeren englischen und US-amerikanischen Markt.

Sehen Sie deutsche Boxer, die international mitmischen, vielleicht sogar in der Weltspitze anklopfen können?

Jack Culcay ist ganz oben dabei, hat gute Chancen kurzfristig wieder um die WM boxen. Es gibt einige, die das Potenzial haben, in den nächsten Jahren oben anzuklopfen. Peter Kadiru habe ich schon genannt, aber auch ein Abbas Baraou ist ein exzellenter Boxer, der sicher die Möglichkeit hat, in der Weltspitze mitzumischen. Agit Kabayel ist im Schwergewicht in einigen Ranglisten gut platziert, könnte im nächsten Jahr seine WM-Chance bekommen.

Herr Bönte, wir danken Ihnen für das Gespräch

Das Interview führte Martin Armbruster

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