Nationalspieler Niklas Süle

Bayern-Star kämpft mit den Pfunden, aber ist nicht allein

Niklas Süle im Länderspiel gegen Spanien - ein Pfundskerl.
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24. November 2020 - 10:13 Uhr

Der dicke Süle

Fußball-Nationalspieler Niklas Süle kämpft aktuell offenbar mit den Pfunden. Knapp 100 Kilo soll der Abwehrspieler des FC Bayern München wiegen. Das verwundert den Fußballfreund - und weckt Erinnerungen an legendäre Lebemänner der Bundesliga.

Niklas Süles pfundige Vorgänger

Einer dieser unvergesslichen Typen der Fußball-Bundesliga, Kahn-Bezwinger Michael Tönnies, hat einmal gesagt: "Pommes und Pils, so konnte ich prima leben. Aber man wird reifer, lassen wir also die Pommes …"

Tönnies, der alle Veranlagungen hatte, um einer der ganz Großen im deutschen Fußball zu werden, hat es während seiner Karriere nie so genau mit der Ernährung genommen. Wie frappierend der Satz des gebürtigen Esseners allerdings den Worten des damals 18-jährigen Niklas Süle ähnelt, ist schon erstaunlich: "Fastfood ist jetzt abgehakt. Man wird ja auch reifer."

In Zeiten, in denen man den Profisport Fußball-Bundesliga eher in der hochwissenschaftlichen Nähe zur NASA denn zum Feierabendbier der Kreisliga-Kicker im provinziellen Vereinsheim wähnt, verwundert die öffentliche Debatte über den Fitnesszustand und das Gewicht des Nationalspielers Niklas Süle schon sehr. Man glaubte sogar, dass diese Art von Berufsspieler komplett ausgestorben sei. Doch offensichtlich weit gefehlt. Dennoch muss man einige Jahre zurückgehen, um die legitimen Vorgänger des Pfundskerls Süle zu suchen und zu finden.

Ansgar, bist du bekloppt?

Ansgar Brinkmann (Frankfurt) am Ball
Ansgar Brinkmann war dafür bekannt, vor dem Spiel erstmal eine Pommes zu essen.
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Ansgar Brinkmann hat schon während seiner Fußballer-Laufbahn das Leben immer ein wenig zu gern gehabt hätte. Und so passierte ihm zu Bielefelder Zeiten folgende Geschichte: "Ich war ein Freigeist. Ich habe vor einem Bundesligaspiel Pommes rot-weiß gegessen. Welcher Spieler macht das schon? In der Mannschaftsbesprechung, erste Reihe, vor dem Spiel gegen Bochum, vor Trainer Benno Möhlmann. Anfangs hat er es nicht gewagt, mich anzusprechen, dann hat er geschrien: ›Ansgar, bist du bekloppt?‹ Meine Antwort: ›Das ist das Benzin für gleich!‹" Und so war es tatsächlich. Die anschließende Begegnung im Ruhrstadion habe zu einer seiner besseren gehört und natürlich habe seine Arminia gewonnen.

Der "Kugelblitz"

 06.09.2014, Fussball 2014/2015, Abschiedsspiel vom Ex-Bremer Ailton im Weserstadion Bremen, Unter dem Motto: Doublesieger Auswahl - Südamerika Auswahl and Friends, Ailton PUBLICATIONxNOTxINxNED
Ailton bei seinem Abschiedsspiel 2015 in Bremen.
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Ailton, wurde als "Kugelblitz" bekannt - obwohl er selbst nie ein Problem mit seinem Gewicht hatte: "Ich habe kein Gramm zu viel. Es liegt an meinem Körperbau, dass ich so füllig aussehe." Irgendein Fernsehreporter nutzte schließlich im Winter einmal die optische Steilvorlage des Brasilianers für einen verbalen Treffer: "Ailton ist der einzige Bundesligaspieler mit einer Figur wie ein Schneemann."

"Buffy" heißt so viel wie Dickerchen

1. FC Köln - VfB Stuttgart: Hans -Buffy- Ettmayer beim Prominentenkick vor dem Spiel
Hans -Buffy- Ettmayer
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Ein optisches Ebenbild des früheren Torschützenkönigs Ailton war viele Jahre vorher ein Mann, den sie "Buffy" riefen. Kein Wunder, denn das ganze Fußballerleben des Spielers Johann Ettmayer wurde von einem Thema beherrscht: seinem Gewicht. Und "Buffy" heißt auf Tschechisch so viel wie Dickerchen. Ein Spitzname, den ihm sein ehemaliger Trainer Leopold Stasny verpasst hatte.

Doch Ettmayer wurde nicht nur wegen seiner Tore und der Statur des Mannes von nebenan so sehr vom Publikum geliebt, insbesondere seine Sprüche werden noch heute gerne zitiert. Als beim VfB Stuttgart sein Trainer Albert Sing einmal zu ihm sagte: "Es gibt Bilder, da warst du dünner". Da konterte Ettmayer launig: "Die sind wahrscheinlich mit einer Schmalfilmkamera gemacht!"

Nach seinem Karriereende brachen schließlich alle Dämme und Ettmayer ließ es sich endgültig gut gehen. Doch dem österreichischen Starspieler war es gleich. Er erzählte: "Wenn ich heute auf eine Waage steige, sagt die sofort:›Bitte nicht in Gruppen benutzen!‹"

"Bei mir bekommt sogar Mineralwasser Kalorien"

Roland WOHLFAHRT am 7. Januar 2013, Fussball Bundesliga, FC Bayern München Deutscher Meister 1989, Meisterfeier,
Roland Wohlfahrt bei der Meisterfeier der Bayern 1989.
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Eines von Wohlfarths größten Problemen war das gute Essen. Auch wenn sich das der zweifache Nationalspieler selbst versuchte schönzureden: "Obwohl bei mir sogar Mineralwasser Kalorien bekommt, bin ich überzeugt, dass Bayern nie einen findet, der mehr Tore schießt als ich."

Das Thema verfolgte Wohlfarth aber so lange, bis es schließlich eskalierte. Als Stürmer des VfL Bochum hatte er beim Essen mal wieder so tüchtig zugelangt, dass er in seiner kalorienreichen Misslage irgendwann keinen anderen Ausweg mehr sah, als in die nächstbeste Apotheke zu laufen und sich den Appetitzügler "Recatol N" zu besorgen. Zwar verlor der Torjäger daraufhin das eine oder andere Kilo, aber nach einem Dopingtest bei einem Hallenturnier auch die Berechtigung zu spielen.

Fußballer sind eben auch nur Menschen und kämpfen mit den selben Problemen wie wir.

Von Ben Redelings, ntv.de