Tierheime in Garmisch und Bad Tölz päppeln Vierbeiner wieder auf

20 Malteser gerettet: Mutter und Sohn hausen mit verwahrlosten Hunden im Wald

Das Tierheim Garmisch nahm 18 der verwahrlosten Hunde auf.
© Tierheim Garmisch

10. Dezember 2020 - 17:29 Uhr

Frau und Sohn wurden zwangsgeräumt und zogen in den Wald

Man kann sich die Bedingungen kaum vorstellen: Seit einer Zwangsräumung im August lebt eine Frau in Bayern mit ihrem erwachsenen Sohn im Wald – mit ihnen auch 21 kleine Hunde. Das Tierheim Garmisch teilte nun mit, 18 der Malteser in Obhut genommen zu haben. Zwei weitere sind im Tierheim Bad Tölz, ein Hund wurde überfahren an der B13 gefunden. Die überlebenden Hunde sind offenbar in einem katastrophalen Zustand. Ohne Hilfe hätten sie den Winter im Wald wohl nicht überlebt. Die Hunde hatten sich bereits kleine Nester gebaut, um sich vor der Kälte zu schützen.

Malteser im Tierheim Garmisch
Die Malteser sind in sehr schlechtem Zustand und werden nun im Tierheim aufgepäppelt.
© Tierheim Garmisch

Nächte bei Minusgraden im Freien sind gefährlich für die Hunde

"Wir hatten schlaflose Nächte", berichten die Mitarbeiter des Tierheims. Durch einen Tipp wurden die Tierretter auf den Fall aufmerksam und schalteten das zuständige Veterinäramt ein. Die 54-Jährige und ihr Sohn zogen mit einem Zelt zwischen verschiedenen Übernachtungsplätzen im Wald umher, zusammen mit einer Schar Hunden. Die Tierpfleger wussten, dass die Situation immer brenzliger wurde. Malteser hätten keine Unterwolle und kein Seidenhaar, erklärt das Tierheim auf seiner Internetseite. Nächte bei Minusgraden im Freien sind darum gefährlich für die kleinen Hunde.

Vier Hunde wurden gefunden und in den Tierheimen in Garmisch und Bad Tölz abgegeben. Ein weiterer wurde überfahren an der Straße entdeckt. Die Tierschützer entschlossen sich schließlich, eine große Suchaktion durchzuführen, denn die Behörden fanden die Hundebesitzer im Wald nicht mehr. Eine Bereitschaftsstaffel der Polizei durchkämmte ein Waldstück, Jäger und Förster wurden gebeten, die Augen offen zu halten und die Rehkitzrettung stellte sogar Drohnen zur Verfügung, um bestimmte Waldabschnitte abzusuchen.

Frau ließ Hunde verwahrlosen

Am 2. Dezember erklärte sich die 54-Jährige schließlich bereit, die übrigen Hunde abzugeben. Sie übergab fünf der Tiere dem Amtstierarzt. Die verbleibenden Tiere mussten Polizei und Veterinäramt der Frau im Wald abnehmen. Das Tierheim hofft nun, dass die Halterin, die die Hunde offenbar rücksichtslos züchtete und verwahrlosen ließ, ein Tierhalteverbot bekommt. Die Frau und ihr Sohn leben offenbar weiter im Zelt im Wald.

Den Hunden geht es überhaupt nicht gut, wie das Tierheim berichtet. Eins der Tiere musste sofort vom Notdienst einer Tierarztpraxis behandelt werden. Sonst hätte es wohl nicht überlebt. "Das kleine Wesen schrie bei Berührungen laut", schreibt das Tierheim. Auch die anderen Hunde seien augenscheinlich jahrelang vernachlässigt worden, so das Tierheim. Die Malteser seinen unterernährt, hätten verfilztes Fell, viel zu lange Krallen, eitrige Ohren und verrottete Zähne.

Malteser aus dem Wald gerettet
Eine Frau und ihr Sohn hausten mit 21 verwahrlosten Hunden im Wald
© Tierheim Garmisch

Tierheim Garmisch bittet um Spenden

Das Tierheim bittet nun um Spenden, damit die Hunde langsam wieder aufgepäppelt werden können. Vermittelt werden können die Tiere erst einmal nicht, betonten die Pfleger. Dafür müsse es den Maltesern deutlich besser gehen. Auch die Eigentumsfrage sei noch unklar, die Hunde müssten erst formell dem Tierheim übereignet werden. Das könne noch Wochen dauern.

Erst vor kurzem wurden auch in Düsseldorf mehrere Malteser-Welpen aus einem Kühlschrank gerettet.