Der neue E-Reader - gecheckt von einer Familie mit Kindern

Ausgepackt: Der Amazon Kindle Paperwhite für Kids im Praxistest

Harry Potter können kleine Leseratten jetzt auch auf dem Kindle Paperwhite für Kids lesen.
Harry Potter können kleine Leseratten jetzt auch auf dem Kindle Paperwhite für Kids lesen.
© RTL News, Mireilla Zirpins

02. Dezember 2021 - 17:20 Uhr

So bewerten Kinder und Eltern den Kindle Paperwhite Kids

von Mireilla Zirpins

Braucht man das – ein elektronisches Lesegerät speziell für Kids? Was ist der Unterschied zu den Erwachsenen-Modellen? Und taugt ein Kinder-Kindle auch als E-Reader für die ganze Familie? Wir haben den Kindle Paperwhite Kids* im Familientest unter die Lupe genommen. Unsere Testcrew: Ein siebenjähriger Lese- und Kindle-Anfänger und seine belesene und E-Reader-erfahrene zehnjährige Schwester. Sie hatten, so viel sei vorab verraten, kaum was zu bemängeln.

In aller Kürze: Die Plus- und Minuspunkte

Das hat uns gefallen:

✔️ 2 Jahre Sorglos-Garantie, ausgenommen: mutwillige Zerstörung – doppelt so lang wie bei den anderen Paperwhites

✔️ 1 Jahr kostenlos Zugriff auf zahlreiche Kinderbücher mit Amazon Kids+ für mehrere Kinder

✔️ Einziger E-Reader für Kids mit altersgerechtem Lesestoff – und werbefrei!

✔️ Technisch kein Nachteil gegenüber der neuesten Paperwhite-Generation für Erwachsene

✔️ Lichtfarbe dimmbar und Schlafenszeit programmierbar

✔️ Volle Kontrolle für die Eltern: Kinder können durch die Kostensicherung autonomer lesen

Kritikpunkte:

❌ Für uns wäre mehr Vielfalt im Amazon Kids+-Paket wünschenswert. Wir wünschen uns mehr Klassiker und fremdsprachige Titel. Man kann sie aber zukaufen

❌ Das im ersten Jahr kostenlose Kids+-Abo kostet ab Jahr 2, ist aber kündbar

❌ Ausleihen oder konvertieren anderer E-Books ist beschwerlich

❌ Für Hörbücher braucht man einen externen Lautsprecher

Was macht einen E-Book-Reader für Eltern und Kinder attraktiv?

Die Bilder auf dem Kindle Paperwhite Kids sind schwarz-weiß, aber dafür scharf und klar.
Die Bilder auf dem Kindle Paperwhite Kids sind schwarz-weiß, aber dafür scharf und klar.
© RTL News, Mireilla Zirpins

Warum sollten Eltern in einen E-Reader für Kids investieren? Wer jemals zugunsten einer Kinderbücher-Kiste auf eigenes Urlaubsgepäck verzichtet hat, sieht sofort ein, dass ein 8 Millimeter flaches, handtaschentaugliches Plättchen von 12,5 x 17,4 cm die Lösung für Menschen mit Mittelklasse-Familienkutsche oder für Flugreisen ist.

Keine Nachschub-Beschaffungsprobleme mehr, wenn das Kind mehr liest als vorausgesehen. Wer schon mal versucht hat, im Ausland ein deutschsprachiges Kinderbuch aufzutreiben, weiß, wovon wir sprechen. Dann ist man froh, wenn man ein E-Book runterladen kann, das man nicht mit einer Lupe auf einem Mobiltelefon vorlesen muss. Wenn nicht das selbstlesende Kind tagelang das elterliche Gerät blockiert.

Doch auch Eltern eher lesefauler Kids wissen die E-Reader zu schätzen. Jüngere Kinder, die noch keinen oder begrenzten Zugang zu elektronischen Medien haben, kann man oft damit locken, dass das Gerät aussieht wie ein iPad und man drauf tippen und wischen kann – fast wie auf dem Handy der großen Schwester. Dass der Kindle Paperwhite Kids mit einem Belohnungssystem arbeitet, wenn man schön gelesen hat, ist übrigens fast das erste, was unseren Testkids auffällt.

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Was bietet der Paperwhite Kids technisch?

Die Schutzhülle des Kindle Paperwhite Kids - Design: Juwelenwald
Die Schutzhülle des Kindle Paperwhite Kids - Design: Juwelenwald
© RTL News, Mireilla Zirpins

Der Kindle Paperwhite Kids kommt in einem schmalen Paket zu uns und überrascht mit einer plastikarmen Verpackung. Mit dabei: ein Kabel für den – das ist neu – USB-C-Anschluss. Technisch gesehen ist der Kindle Kids baugleich mit dem neuesten Paperwhite-Modell für Erwachsene – und zwar mit dem preiswerteren Modell (8 GB statt 32 GB Speicher bei der Signature Edition). Aber der Kinder-Kindle kommt ja mit einem Kids+-Bundle mit zahlreichen Titeln. Da sollten die 6 GB effektiv nutzbarer Speicherplatz reichen, da die Kinder die Titel auch immer wieder löschen und bei Bedarf neu aufladen können.

Durch den schmaleren Rand hat man mehr Lesefläche auf dem 6,8 Zoll Display – dabei ist das neue Modell nur einen Hauch größer und schwerer als die 6-Zoll-Geräte der 10. Generation. Das Blättern läuft dank besserer Auflösung noch flüssiger und kaum noch merklich.

Mit der Hülle wiegt der Paperwhite Kids 321 Gramm – das kann auch mit in den Schulrucksack für die Bahnfahrt. Ohne Hülle sind es 205 Gramm. Liest man täglich nur eine halbe Stunde, hält der Akku gefühlt ewig – laut Amazon sind es bis zu zehn Wochen. Auch das ist eine Verbesserung zu den Vorgängern und echt top. Ladezeit: 5 Stunden bzw. 2,5 Stunden, wenn man einen 9V-Adapter für die Steckdose nutzt. Der ist allerdings nicht dabei.

Eine tolle Neuerung der 11. Kindle-Generation ist die Einstellbarkeit der Bildfarbe. Für Kinder, die vor dem Einschlafen lesen, lässt sich die Farbtemperatur von kaltem Weiß in Richtung Bernstein dimmen – wie bei den neueren Mobiltelefonen. Zu viel blaues Licht kann nämlich das Einschlafen erschweren. Dazu können Eltern den Kindle während der gewünschten Schlafenszeit sperren. Das mögen Kids, die gern unter der Bettdecke heimlich schmökern natürlich gar nicht!

Wer das alles nicht braucht: Amazon vertreibt auch noch das preisgünstigere Einstiegsmodell Kindle Kids* – allerdings ist es nicht wasserdicht und hat ein kleineres geringer auflösendes Display mit deutlich weniger LEDs, bei dem man keine warme Lichtfarbe einstellen kann. Aber Kids+ ist mit dabei

Die Bedienung: Kinderleicht, vor allem für die Kids

Nicht nur unsere Kindle-geübte Zehnjährige weiß intuitiv, wo man ihn anschaltet: Es gibt außen nur einen einzigen kleinen Button. Die Eltern verbinden das Gerät rasch mit dem WLAN und dann mit dem eigenen Amazon-Konto – Kids+ ist dann gleich hinterlegt. Für jedes Kind ein Profil mit Geburtsdatum anlegen, das Elternkonto mit einer vierstelligen PIN sichern – fertig.

Die Kinder werden namentlich begrüßt – das mögen sie. Und ihnen fällt positiv auf, dass die Bildschirmschoner kindgerechter sind. Schon können sie sich über ihre Profile munter altersgerechte Bücher herunterladen, ohne Kosten zu verursachen. Auch das Lesealter lässt sich je nach Reife des Kindes von 0-13+ im Eltern-Dashboard regulieren – defaultmäßig wird die Lektüre nach dem Geburtsdatum gefiltert.

So passt dann nicht nur der Lesestoff zum Kind, sondern kleine Geschwister geraten bei einem geteilten Gerät auch nicht in die "50 Shades of Grey" der Eltern. Stattdessen gibt's Kinderbuch-Hits wie "Harry Potter", "Percy Jackson", "Bibi und Tina" oder "Die drei !!!". Was uns fehlt, ist eine vollständige Liste aller Kostenlos-Titel für Eltern – und Kinderbuchklassiker wie die von Astrid Lindgren oder Kirsten Boie.

Für Grundschulkinder ist es schwer, ohne Hilfe zu ihrem Kinder-Profil zu wechseln. Selbst unsere sehr digitalaffine Fünftklässlerin muss es sich erstmal zeigen lassen.

Lobenswert: Das Gerät steckt gleich in einer aufklappbaren Hülle – bei uns mit dem Motiv "Juwelenwald". Die Designalternativen: nun ja, Geschmackssache. Aber den Kindern ist es wurscht. Der Siebenjährige klappt den Schutzumschlag auf und ruft entzückt: "Das sind ja ganz viele Bücher in einem Buch drin!" Die Eltern freuen sich: die Plastikhülle schützt das Gerät vor Kratzern und Draufsetzen und ist sogar abwaschbar, wenn da mal einer mit Schokifingern dran war. Und sie kann, wie das Gerät auch, mit in die Badewanne oder an den Strand.

Wie beim Gerät für Große berechnet der Kindle aufgrund der aktuellen Lesegeschwindigkeit die Restlesedauer. Kleinere Kinder soll das aber nicht unter Druck setzen. Eltern können das abschalten oder umstellen auf Restlesezeit im Kapitel – für ältere Kids ein cooles Feature, um abends noch zu verhandeln: "Noch vier Minuten, bis das Kapitel zu Ende ist."

Die dürfte die nüchterne Aufmachung der meisten E-Books auch nicht stören. Für den Leseanfänger hingegen ist es ziemlich gewöhnungsbedürftig, dass die Bilder hier in Schwarz-Weiß sind. Da erkennt man zum Teil wenig. Das Navigieren ist bei Bilderbüchern besonders schwierig. Dafür kann aber Amazon nichts, sondern die Anbieter der Bücher. Klasse für Erstleser: Dass man die Schrift vergrößern kann. Viele Kinder "verlaufen" sich mit den Augen, wenn sie vom Lesen einzelner Worte auf Fließtext wechseln sollen. Je weniger auf der Seite steht, desto leichter die Orientierung und desto weniger Ablenkung.

Es gibt bei Kids+ jedoch zahlreiche Titel für Leseanfänger zur Auswahl, die schon passend aufbereitet sind für Erst- und Zweitklässler. Und man kann bei vielen Titeln die Schriftart "OpenDyslexic" wählen, die vielen Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche beim Erfassen von Texten hilft.

Eltern müssen mehr klicken: So verwalten Sie das Kids+-Konto

Sogar die Schrift und das Layout kann man einstellen. Der Text stammt aus "Die Schule der magischen Tier" von Margit Auer
Sogar die Schrift und das Layout kann man einstellen. Der Text stammt aus "Die Schule der magischen Tier" von Margit Auer
© RTL News, Mireilla Zirpins

Wer die Konto-Einstellungen verwalten will, findet sie etwas versteckt bei Amazon im Browser unter Konto und Listen/Meine Mitgliedschaften und Abonnements/Kindle Kids+. Dann auf den Kids+-Schriftzug klicken und danach auf den Textlink "Eltern-Dashboard". Direct Access ist über die URL eltern.amazon.de möglich. Ein Button auf der persönlichen Amazon-Startseite wäre nett gewesen.

Unser Praxis-Tipp: Erstellen Sie ein Browser-Bookmark fürs Eltern-Dashboard

Dort kann man nicht nur das Lesealter anpassen, sondern auch Lernziele für jedes Kind definieren bzw. verfügen, dass erst gelesen und dann gechillt wird und die Bildschirmzeit beschränken. Auch kann man einzeln einstellen, welches Kind sehen darf, dass Amazon im Shop auch Games oder weitere Bücher anbietet. Die Kinder können, wenn man das zulässt, den Kauf sogar via Kindle bei ihren Eltern anfragen. Aber das regeln viele Familien lieber persönlich.

Gleich mit dabei: ein Abo, das allerdings ab dem zweiten Jahr kostet

Links der Kindle Paperwhite (10.) Generation, rechts der Kindle Paperwhite Kids (11. Generation)
Links der Kindle Paperwhite (10.) Generation, rechts der Kindle Paperwhite Kids (11. Generation)
© RTL News, Mireilla Zirpins

Auf dem Gerät sind über die im Preis enthaltene Ein-Jahres-Flat Amazon Kids+ bereits weit mehr als 1000 Kinderbücher enthalten. Die kann man ohne Netzanbindung kostenlos konsumieren. Allerdings nur im ersten Jahr. Die Folgekosten: Dann ruft Amazon 4,99 Euro im Monat pro Kind auf, für Prime-Kunden 2,99. Wer bis zu vier Kinder auf verschiedenen Geräten gleichzeitig lesen lassen will, zahlt 9,99 Euro, Prime-Mitglieder 6,99.

Das Abo lässt sich natürlich kündigen, allerdings muss man als Kunde selbst aktiv werden – und vor allem dran denken:

Unser Praxis-Tipp: Vorsichtshalber schon mal einen Reminder in den Kalender setzen und dann nach eingehender Prüfung entscheiden.

Falls man kündigt, hat man dann allerdings auch wieder einen leeren Kindle. Den kann man natürlich wieder auffüllen, indem man einzelne E-Books erwirbt oder leiht. Wichtig zu wissen: Die Stadtbibliotheken setzen auf das Konkurrenzformat, das auf Geräten anderer Hersteller läuft. Wer Bücher außerhalb der Amazon-Welt downloaden oder leihen will, muss die E-Books konvertieren, zum Beispiel mit dem Programm Calibre. Immerhin: Für Prime-Kunden sind einige wechselnde Titel auch mal umsonst zu haben.

Unser Fazit zum Kindle Paperwhite Kids

Ein Kinder-E-Reader mit höchstem technischem Stand, das bei geringem Aufpreis zum baugleichen Kindle Paperwhite (11. Generation mit 8 GB) mit einer Klapphülle, einer Garantieverlängerung um ein weiteres Jahr sowie der allerdings deutlich ausbaufähigen Kids+-Flat daherkommt. Das kann sogar als Gerät für Erwachsene interessant sein, wenn ihnen die Hülle zusagt. Unser Tipp: Vergleichen Sie die Preise!

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