Amselsterben in Deutschland - Ist es gefährlich für Menschen?

Tödliches Usutu-Virus: Durch Sommerhitze noch schlimmer als 2018

© dpa, Martin Gerten, mg abl

23. August 2019 - 10:22 Uhr

Amselsterben noch schlimmer als im Vorjahr

Das massive Amselsterben des Hitzesommers 2018 wiederholt sich: Das tropische Usutu-Virus wird Experten zufolge in diesem Jahr vermutlich sogar zu einem noch stärkeren Amselsterben in Deutschland führen als im Vorjahr.

Das Virus breitet sich seit 2011 aus

Seit dem erstmaligen Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 breitet sich das von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend in Deutschland aus. 2019 ist es deutlich feuchter und mückenreicher als im Vorjahr. "Daher könnte die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen", sagte Usutu-Experte Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Bei der bisher schwersten Usutu-Epidemi eim Jahr 2018 sind es im gleichen Zeitraum 800 Meldungen gewesen. Die Zahl gebe nur einen Bruchteil der tatsächlich erkrankten Vögel wieder, betonte Vogelkundler Lars Lachmann vom Naturschutzbund (Nabu). Er schätzt die Zahl toter Amseln auf etwa eine halbe bis eine Millionen jährlich.

Kein Bundesland ist mehr Usutu-frei

Seit Jahresbeginn sind deutschlandweit über 1300 Verdachtsfälle gemeldet worden, laut Nabu. Waren in den ersten Jahren nur wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und vor allem im Hitzejahr 2018 eine Ausbreitung in die nördlichen und östlichen Landesteile festgestellt werden. Im Sommer 2018 wurden erstmals Usutu-Infektionen für Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bayern nachgewiesen. "Damit ist kein deutsches Bundesland mehr Usutu-frei", sagt Lars Lachmann. "Nur aus höher gelegenen Mittelgebirgsregionen werden bisher noch keine toten Vögel gemeldet."

Mücken übertragen das Virus

Das Virus wird von Stechmücken übertragen, deshalb verbreitet sich die Krankheit in Deutschland nur, wenn es draußen warm ist. Nicht nur Amseln, auch andere Vogelarten können sich mit dem Erreger infizieren. Für Menschen, die gestochen werden, besteht laut Nabu nach bisherigem Kenntnisstand keine Gefahr. 

Das sollten Sie tun, wenn sie eine kranke oder tote Amsel finden

Infizierte Vögel wirken krank und apathisch, bis sie nach einigen Tagen sterben. Der Nabu ruft dazu auf, kranke und tote Vögel mit Usutu-Verdacht online zu melden. Verendete Tiere kann man zur Untersuchung einsenden, sie sollten aber nicht mit bloßen Händen angefasst werden.

Quelle: DPA/RTL.de