Jährlich 500 Berliner in Haft wegen Fahren ohne Fahrschein

Aktivisten kaufen 21 Menschen aus Gefängnis frei

Weil sie sich das Ticket und die Strafe nicht leisten können, müssen sie ins Gefängnis (Symbolbild).
Weil sie sich das Ticket und die Strafe nicht leisten können, müssen sie ins Gefängnis (Symbolbild).
© dpa, Arne Immanuel Bänsch, arb

06. Dezember 2021 - 16:38 Uhr

Initiative "Freiheitsfonds" will etwas ändern

Wussten Sie das? Wer wiederholt ohne Fahrschein fährt und die entsprechenden Strafen nicht zahlen kann, dem droht eine sogenannte "Ersatzfreiheitsstrafe". Und das betrifft mehr Leute, als man denkt. Allein in Berlin sind es jährlich rund 500 Menschen, die das betrifft. Das Erschreckende daran ist, dass es fast nur Frauen sind, die einsitzen müssen. Die Initiative "Freiheitsfonds" von "Frag den Staat"-Gründer Arne Semsrott will daran etwas ändern. Nach eigenen Angaben haben sie in den letzten Tagen insgesamt 21 Menschen aus Berliner Gefängnissen freigekauft, die wegen des Fahrens ohne Fahrschein inhaftiert waren.

Im Durchschnitt sitzen Betroffene 30 Tage in Haft

Offiziell heißt das Delikt "Erschleichen von Leistungen" und es betrifft vor allem arbeitslose Menschen und Menschen ohne festen Wohnsitz, die sich kein Ticket leisten können. Arne Semsrott hat eine klare Meinung dazu, wie er auf Twitter teilt: "'Fahren ohne Fahrschein' ist seit 1935 eine Straftat, eingeführt von den Nazis. Tausende Menschen müssen jedes Jahr ins Gefängnis, weil sie sich kein Ticket für Bus und Bahn leisten können. Dieses System ist entwürdigend, willkürlich und sinnlos. Es muss abgeschafft werden". Durchschnittlich 30 Tage sitzen Betroffene auf Kosten des Landes in Haft. Ein Hafttag kostet das Land ungefähr 160 Euro.

Aktivisten kaufen Betroffene mit Spenden frei

Was hat die Initiative bisher geschafft? Mit 28.420 Euro konnte sie insgesamt 2.130 Hafttage freikaufen. Laut Angaben der Aktivisten konnten sie somit dem Land 320.000 Euro Haftkosten ersparen.

Was plant die künftige Ampel-Koalition?

Die drei Parteien wollen sich "für weitere Schritte zur Entkriminalisierung des Fahrens ohne Fahrschein und des Containerns einsetzen. Statt einer Inhaftierung, sollen zum Beispiel Angebote wie die gemeinnützige Arbeit gestärkt werden. (mmü)