Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier...

Wieso hat der Adventskranz eigentlich vier Kerzen?

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - Aber warum eigentlich vier?
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - Aber warum eigentlich vier?
© Picture-Factory - Fotolia, J.ROFELD

30. November 2021 - 10:59 Uhr

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

Ein Adventskranz gehört zur Weihnachtszeit, soviel ist klar. Aber wissen Sie, warum ein Adventskranz ausgerechnet mit vier Kerzen bestückt wird? Und warum beginnt der Advent in manchen Jahren früher als in anderen? Wir erklären, was es mit diesen Adventsgeheimnissen auf sich hat.

Die Wurzeln liegen im 7. Jahrhundert

Der Beginn der Adventszeit wird schätzungsweise auf das 4. Jahrhundert nach Christus zurückdatiert. Damals erstreckte sich die Adventszeit über die acht Wochen zwischen dem Martinstag am 11. November und dem 6. Januar. Der Tag ist uns heute als Dreikönigstag bekannt. In diesen acht Wochen haben Gläubige insgesamt 40 Tage gefastet.

Die Wurzeln der vierwöchigen Adventszeit, wie wir sie heute kennen, liegen dagegen im 7. Jahrhundert. Damals wurde sie auch "tempus ante natale Domini" genannt. Übersetzt bedeutet das "Zeit vor der Geburt des Herrn". Gregor der Große, der von 590 bis 604 Papst war, legte damals fest, dass die Adventszeit aus vier Sonntagen bestehen solle. Und das hatte auch einen besonderen Grund: Diese vier Sonntage sollten nämlich 4.000 Jahre symbolisieren. Nach damaliger Auffassung mussten Menschen genau diese Zeit warten, um nach einem Sündenfall Erlösung zu erfahren. Bis ins 20. Jahrhundert war die Adventszeit, wie auch die Zeit vor Ostern, mit einer Fastenzeit verbunden. Seit 1917 wurde die Fastenzeit vor Weihnachten allerdings aus dem katholischen Kirchenrecht gestrichen.

Der Adventskranz-Brauch

Warum die Adventszeit ausgerechnet vier Sonntage beinhaltet, wissen wir jetzt. Aber es bleibt noch zu klären, warum wir an diesen Sonntagen Kerzen an einem Adventskranz anzünden. Dieser Brauch geht auf den evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern zurück. Im Jahr 1839 ließ er im Betsaal des "Rauhen Hauses" in Hamburg erstmals einen hölzernen Leuchter mit 23 Kerzen aufhängen. Hiervon waren 19 Kerzen klein und rot und standen für die Werktage bis Weihnachten. Vier große weiße Kerzen standen für die vier Sonntage. Der Kerzenschein steht für das Licht, das mit Christus in die Welt gekommen ist. Seit Ende des ersten Weltkrieges ist dieser Brauch dann auch in die katholische Kirche eingezogen.

Der traditionelle Adventskranz, wie wir ihn heute kennen, besteht aus einem grünen Kranz aus Tannenzweigen und darauf vier weiße oder rote Kerzen. Aber schon längst wurde dieses traditionelle Bild des Kranzes modernisiert und es gibt eine Vielzahl an DIY-Ideen für moderne Interpretationen des Brauchs. Ob schwarz, weiß oder golden. Ob aus Trockenblumen oder Tannenzweigen oder doch nur ein schlichtes Holzgestell. Der Kreativität sind beim modernen Adventskranz keinerlei Grenzen gesetzt.

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Mal ist der Advent länger, mal ist er kürzer

Der 1. Advent 2021 war am 28. November. Und damit haben wir in diesem Jahr fast am frühestmöglichen Tag die Weihnachtszeit eingeläutet. Die Adventszeit kann nämlich frühestens am Vorabend eines 27. Novembers beginnen. Aber wie kommt es eigentlich, dass der Advent jedes Jahr an einem anderen Datum beginnt? Das hat damit zu tun, dass das Ende der Adventszeit an ein festes Datum gebunden ist. Und zwar an den Heiligen Abend, der immer am 24. Dezember ist. Der Beginn der besinnlichen Zeit ist allerdings an einen bestimmten Wochentag gebunden: an einen Sonntag. Und zwar genau an den viertletzten Sonntag vor Heiligabend. Und so, wie auch der heilige Abend nie am gleichen Wochentag stattfindet, ändern sich auch die Daten der Adventssonntage in jedem Jahr. Allerdings ist der Beginn der Adventszeit nur bis zu einem bestimmten Punkt flexibel. Das frühstmögliche Datum für den ersten Advent ist nämlich der Vorabend des 27. November und das späteste Datum der Vorabend des 3. Dezember. Auch der vierte Advent findet demnach nicht immer am gleichen Datum statt. Er kann frühestens auf den 18. Dezember und spätestens auf den 24. Dezember datiert werden.

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In 24 Tagen ist Weihnachten

Ein weiterer Brauch, der ebenfalls auf die evangelische Kirche zurückgeht, ist der des Adventskalenders. Im 19. Jahrhundert entstanden hier verschiedene Bräuche, mit denen die Tage bis zum Heiligabend abgezählt wurden. Daraus abgeleitet wurde in Deutschland mit Beginn des 20. Jahrhunderts der Brauch des Adventskalenders. Besonders für Kinder waren die Kalender mit zu öffnenden Türchen gedacht. Und auch dieser Brauch hat sich bis heute gehalten und versüßt Kindern und Erwachsenen jedes Jahr aufs Neue die Wartezeit bis Heiligabend.

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Jetzt, wo man weiß, woher die Bräuche kommen, die wir auch heutzutage noch bewahren, macht es doch noch mehr Spaß, sie zu zelebrieren. Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit. (vho)