31. März 2016 - 11:00 Uhr

"Ich wollte schon immer ein kleines Kind sein. Das macht Spaß"

Paul ist ein erwachsener Mann, er hat Kinder und sogar Enkelkinder - doch er lebt das Leben eines sechsjährigen Mädchens. Er trägt pinkfarbene Rüschenkleidchen, spielt mit Puppen und schläft in einem Kinderbett mit Gitter. "Ich wollte schon immer ein kleines Kind sein. Das macht Spaß. Du kannst Sachen machen, die Erwachsenen nicht mehr erlaubt sind", erzählt Paul. "Quatsch machen, albern sein - das macht glücklich und da ist nichts Falsches dran."

Die meiste Zeit lebt der 52-Jährige das Leben der sechsjährigen Stefonknee. Manchmal ist er aber auch nur Paul, der Transgender. "Ich definiere mich über kein Geschlecht. Ich bin ein katholischer Vater von sieben Kindern und dreifacher Großvater. Ich bin geschieden und ich spiele mit dem Alter. Ich bevorzuge es aber sechs Jahre alt zu sein."

Schon in der Schule verspürte Paul das Bedürfnis, wie die Mädchen in seiner Klasse zu sein. Wenn sie am Foto-Tag alle neue Kleider trugen, machte es ihn traurig, nicht so sein zu können wie sie. "Ich hätte so gerne eins gehabt. Ich dachte immer, ich wäre ein Mädchen. Mir war bis zu diesem Tag in der Schule nicht klar, dass ich kein Mädchen bin."

Seine leibliche Mutter hat lange versucht, die Neigungen ihres Sohnes vor seinem Vater geheim zu halten. "Für ihn war das eine Beleidigung. Er hat das mit ins Grab genommen. Ich weiß noch nicht einmal, wann er gestorben ist, ich war nicht eingeladen zu seiner Beerdigung."

Erst Serena hatte Verständnis für Paul alias Stefonknee. Sie nahm ihn bei sich auf, nachdem sich seine Familie von ihm abgewendet hatte. Für ihn ist sie seine "Mami": "Sie wurde als Kind psychisch missbraucht. Deshalb ist es für sie so dringend notwendig geliebt, akzeptiert und gebraucht zu werden", erzählt Serena. Sie akzeptiert ihn so wie er ist – als Mann, aber auch als Mädchen. "Stefonknee muss diese Last der Welt, die sie auf den Schultern trägt, loswerden. Vergessen, welches Drama sie durchgemacht hat, als sie vor kurzem ihre eigene Familie, ihre Kinder verloren hat."

Denn Pauls Ehefrau ist nach mehr als zwei Jahrzehnten einfach nicht mehr mit den Neigungen ihres Mannes klar gekommen – sie hat einen Schlussstrich gezogen und seine Kinder ebenfalls. Stefonknee erinnert sich: "Ich hatte das Glück, eine Frau zu finden, die mich und meine feminine Seite akzeptiert hat. 2009, 23 Jahre später, hat sie dann gesagt, entweder höre ich auf Transgender zu sein, oder ich muss gehen. Ich bin gegangen und wurde von der ganzen Familie komplett isoliert. Dann setzten Depressionen ein und ich wurde Selbstmordgefährdet."

Wie Paul heute das Leben als sechsjährige Stefonknee meistert, sehen Sie im Video.