Two,Women,Having,A,Conversation,While,Co-hosting,An,Audio,Broadcast

Podcasts zur Mitarbeiterschulung: Potenziale und Grenzen

Podcasts sind mehr als nur ein Trend – sie sind eine facettenreiche Möglichkeit, Unterhaltung, Bildung und Gemeinschaft zu erleben.

* Wir verlinken mit sog. 'Affiliate-Links' auf Online-Shops und Partner, von denen wir unter Umständen eine Vergütung erhalten.

Podcasts sind mehr als nur Unterhaltung. Sie haben sich als beliebtes Medium zur Wissensvermittlung etabliert und finden daher auch immer häufiger in der Mitarbeiterschulung Anwendung. Zwar bieten sie eine flexible und effiziente Möglichkeit, Informationen zu vermitteln, sind jedoch nicht für alle Lerninhalte gleichermaßen geeignet und stoßen in mancher Hinsicht an ihre Grenzen. Wie kann man Podcasts zur Mitarbeiterschulung einsetzen?

Die verschiedenen Lerntypen: Wie Menschen Wissen aufnehmen

Jeder Mensch verarbeitet und speichert Informationen auf unterschiedliche Weise. In der Lernforschung wird davon ausgegangen, dass es vier verschiedene Lerntypen gibt, die je nach Präferenz bestimmte Sinneskanäle bevorzugen. Diese Lerntypen sind nicht streng voneinander getrennt, denn viele Menschen nutzen eine Kombination aus mehreren Methoden. 

Die bekanntesten Lerntypen sind:

  • Visuelle Lerntypen (Sehen)
  • Auditive Lerntypen (Hören)
  • Kinästhetische bzw. motorische Lerntypen (Bewegung, Praxis)
  • Lesende und schreibende Lerntypen (Text)

Jeder dieser Typen hat besondere Stärken und Herausforderungen. Visuelle Lernende bevorzugen Informationen, die sie sehen und verarbeiten können. Sie lernen am besten durch Bilder, Diagramme, Grafiken, Mindmaps, Videos oder schriftliche Notizen. Auditive Lerntypen nehmen Informationen am besten über das Gehör auf. Sie profitieren besonders von Vorträgen, Diskussionen, selbst gesprochenen Lerninhalten oder Podcasts. Besonders effektive Lern-Podcasts verwenden Storytelling oder Gesprächsformate, um Inhalte lebendig zu vermitteln.

Potenziale von Podcasts in der Mitarbeiterschulung

Podcasts bieten einige Vorteile in Sachen Mitarbeiterschulung. Ein großer Punkt ist die Inklusion. Mitarbeitenden, die unter Legasthenie leiden und sich deswegen mit schriftlichen Informationen schwertun, wird das Lernen erleichtert. Ebenso verhält es sich mit neurodivergenten Mitarbeitenden, denen Präsenzschulungen unangenehm sind – auch für diese sind Schulungsangebote in Podcastform ein Gewinn. Die Möglichkeit, Lerninhalte unabhängig von festen Schulungsterminen und -orten bereitzustellen, macht sie zu einem attraktiven Instrument für Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen. Zudem sind sie vergleichsweise einfach zu produzieren und aktuell zu halten und fördern gleichermaßen eigenverantwortliches Lernen.

Zeit- und ortsunabhängiges Lernen

Podcasts sind unglaublich flexibel. Einmal aufgenommen, können sie zu jeder Zeit an jedem Ort gehört werden. Traditionelle Schulungen erfordern die physische Anwesenheit der Mitarbeitenden, sei es im selben Raum oder per Videokonferenz. In Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Schichtarbeit oder dezentralen Teams, kann das eine Herausforderung darstellen. Podcasts lösen dieses Problem. Sie lassen sich problemlos in den individuellen Tagesablauf integrieren, zum Beispiel während der Fahrt zur Arbeit, auf Dienstreisen, beim Sport oder sogar bei Routinetätigkeiten im Büro. 

Besonders vorteilhaft ist das für Teams, deren Mitarbeitende häufig und länger unterwegs sind. Sie können sich während längerer Auto- oder Bahnfahrten gezielt mit denen für sie relevanten Themen beschäftigen, ohne auf einen fixen Schulungstermin angewiesen zu sein. Mitarbeitende im Homeoffice profitieren genauso davon, da sie den Podcast flexibel in ihrem Tagesablauf unterbringen können. Gerade für theoretische Themen sind Podcasts zur Wissensvermittlung geeignet. So können beispielsweise Richtlinien zu verschiedenen Themen und weiterführende Erklärungen per Audioformat angeboten werden. Bei sicherheitsrelevanten Themen wie Gefahrstoffen und Gefahrgut können Mitarbeitende ihr Wissen durch das erneute Hören immer wieder auffrischen. Unternehmen, die sich nicht ausschließlich auf Podcasts zur Weiterbildung verlassen möchten, können diese dennoch unterstützend anbieten, den gerade auditive Lernende profitieren davon.

Einfache Produktion und Aktualisierung

Im Vergleich zu anderen Schulungsformaten wie Videos, Webinaren oder Präsenzseminaren sind Podcasts relativ einfach und günstig zu produzieren. Zwar erfordert ein hochwertiger Podcast eine gute Vorbereitung, aber keine aufwendigen visuellen Elemente oder teures Equipment. In der Regel werden nur ein gutes Mikrofon, eine ruhige Umgebung und eine geeignete Software zur Aufnahme und Bearbeitung benötigt. Dadurch, dass es kein Kamerateam samt Ausrüstung und keine Nachbearbeitung in Sachen Schnitt braucht, können Kosten in der Produktion gespart werden. 

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, Inhalte flexibel und schnell zu aktualisieren. In vielen Branchen ändern sich Vorschriften, Best Practices oder Marktbedingungen pausenlos. Während gedruckte Schulungsunterlagen oder Videos bei jeder Aktualisierung überarbeitet oder neu produziert werden müssen, lässt sich ein Podcast einfach ergänzen oder durch eine neue Episode ersetzen.

Effektiveres Lernen durch Storytelling

Gute Podcasts nutzen häufig Storytelling-Elemente, um ihre Hörer zu fesseln. Das funktioniert bei Unterhaltungsformaten ebenso wie bei Wissensformaten, um die Informationen leicht verständlich und einprägsam zu vermitteln. Praxisnahe Fallbeispiele, fesselnde Geschichten oder reale Erfahrungsberichte machen die gelieferten Fakten greifbarer und emotionaler. Das wiederum kann dazu beitragen, dass Informationen nicht einfach nur aufgenommen, sondern langfristig behalten werden.

Ein Beispiel: Eine Schulung zu Führungskompetenzen kann durch ein Interview mit einer erfahrenen Führungskraft ergänzt werden, die ihre persönlichen Herausforderungen und Erfolge schildert. Ein solches Format bleibt im Gedächtnis und vermittelt Wissen auf eine Weise, die über reine Theorie hinausgeht. Das führt auch direkt zum nächsten Punkt, denn verschiedene Präsentationsformen sorgen für Abwechslung. 

Neben klassischen Monolog-Formaten sind Interviews mit Experten und Expertinnen eine besonders effektive Methode, um Inhalte lebendig zu vermitteln. Durch wechselnde Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen wird die Aufmerksamkeit der Zuhörenden erhöht und es ist leichter, verschiedene Perspektiven zu beleuchten. Möchte ein Unternehmen seine Mitarbeitenden zum Beispiel über aktuelle Nachhaltigkeitsstrategien informieren, kann eine Podcast-Episode mit einem Nachhaltigkeitsexperten, der praxisnahe Tipps gibt und Trends erläutert, das Thema interessanter und greifbarer machen als ein schriftliches Handbuch.

Flexibles und eigenverantwortliches Lernen im eigenen Tempo

Podcasts unterstützen selbstbestimmtes Lernen, da sie es ermöglichen, Lerninhalte individuell in den eigenen Tagesablauf zu integrieren. Jeder kann selbst entscheiden, wann und wie Lerninhalte konsumiert werden. Einige bevorzugen möglicherweise das Hören in konzentrierten Lerneinheiten, während andere die Informationen aus Podcasts am besten aufnehmen, wenn sie ihn nebenbei hören. 

Podcasts zur Mitarbeiterschulung

Zudem bieten viele Podcast-Plattformen die Möglichkeit, die Wiedergabegeschwindigkeit anzupassen. Wer wenig Zeit hat, kann eine Episode ein wenig schneller abspielen, während bei komplexeren Themen eine langsamere Wiedergabe oder das mehrfache Anhören einzelner Passagen hilfreich sein kann. Trotz aller genannten Vorteile sollten Podcasts aber nicht als alleinige Schulungsmethode betrachtet werden. Komplexe oder interaktive Themen benötigen ergänzende Formate wie Workshops, Webinare oder visuelle Lernmaterialien. In einer klugen Kombination können Podcasts allerdings die moderne Mitarbeiterschulung revolutionieren.

Grenzen von Podcasts in der Mitarbeiterschulung: Nicht für alle Lerninhalte geeignet

Podcasts stoßen in bestimmten Schulungsszenarien an ihre Grenzen. Als rein auditives Medium fehlt ihnen die Möglichkeit zur direkten Interaktion, sie erfordern bei komplexen Themen eine hohe Konzentration und bieten keine visuelle Unterstützung. Diese Einschränkungen machen sie für einige Lerninhalte weniger geeignet.

Fehlende Interaktion und praktische Anwendung

Eine effektive Schulung zeichnet sich durch die Möglichkeit zur Interaktion aus. Durch Fragen, Diskussionen, Gruppenarbeiten oder praktische Übungen wird Wissen nicht nur vermittelt und aufgenommen, sondern im gleichen Zug aktiv angewendet und gefestigt. Podcasts hingegen sind ein einseitiges Medium: Informationen werden gesendet, ohne dass die Zuhörenden unmittelbar darauf reagieren oder sich mit anderen austauschen können. Niemand kann direkt auf Fragen eingehen, Missverständnisse aufklären und sich individuell den Bedürfnissen der Teilnehmenden widmen. Falls ein Konzept unklar bleibt, müssen die Zuhörenden entweder selbst weiter recherchieren oder auf andere Schulungsformate zurückgreifen.

Ablenkung und Konzentrationsprobleme

Podcasts bergen zudem das Risiko, dass sie nebenbei konsumiert werden, etwa beim Autofahren, Sport oder während anderer Tätigkeiten. Anders als bei klassischen Schulungen, bei denen sich die Teilnehmenden aktiv auf das Lernen konzentrieren, besteht hier die Gefahr, dass die Gedanken abschweifen oder sonstige Ablenkungen auftreten, wodurch wichtige Inhalte vielleicht nicht vollständig aufgenommen oder verstanden werden. Das kann dazu führen, dass im schlimmsten Fall wichtige Informationen unbewusst überhört werden.

Fehlende Diskussion und Reflexion

In interaktiven Schulungen oder auch Webinaren können sich die Teilnehmenden untereinander austauschen, eigene Erfahrungen teilen und voneinander lernen. Podcasts sind aber, wie bereits erwähnt, ein einseitiges Format. Das heißt, Informationen werden gesendet, ohne dass Zuhörende ihre eigenen Gedanken direkt einbringen können.

Oft ergeben sich in Schulungen Fragen, die am besten direkt gestellt und beantwortet werden. Podcasts lassen hier eine Lücke, da es keine direkte Möglichkeit gibt, Rückfragen zu stellen oder sich über bestimmte Themen mit anderen auszutauschen. Die Zuhörenden müssen, wenn sie direkt eine Antwort auf ihre Frage möchten, den Podcast pausieren und selbst recherchieren. Allerdings kann es danach schwerer sein, noch einmal ins Thema zu finden. Die andere Option ist, sich die Frage zu notieren und die Antwort nach Ende der Folge zu suchen, doch bis dahin haben sich vielleicht schon andere Fragen ergeben.

Ein möglicher Lösungsansatz wäre es, Podcasts mit begleitenden Diskussionen zu kombinieren, beispielsweise durch eine anschließende Fragerunde in einem Online-Forum oder durch ergänzende Offline- oder Online-Meetings. Dennoch bleibt der fehlende spontane Austausch ein Nachteil von Podcast-Schulungen.

Komplexe Themen erfordern häufig visuelle Darstellungen

Ein großer Nachteil von Podcasts liegt in der Abwesenheit visueller Elemente. Viele Schulungsthemen, besonders technische oder mathematische Inhalte, sind stark auf Grafiken, Diagramme oder visuelle Demonstrationen angewiesen. Ein Podcast kann zwar Zusammenhänge erklären, aber ohne visuelle Unterstützung bleiben viele Themen schwer greifbar. Gerade wenn es um Prozesse, Strukturen oder Daten geht, sind Diagramme, Präsentationen oder Videoaufnahmen oft unverzichtbar.

Podcast als Ergänzung, aber nicht als alleinige Schulungsmethode

Podcasts bieten viele Vorteile, sind aber nicht für alle Lerninhalte geeignet.

Vorteile von Podcasts

  • Flexibilität und Effizienz: Zeit- und ortsunabhängiges Lernen, in den Arbeitsalltag integrierbar 
  • Einfache Produktion und Aktualisierung: Geringere Kosten im Vergleich zu Videos oder Präsenzschulungen, Inhalte können schnell angepasst und aktualisiert werden
  • Hohe Informationsaufnahme durch Audio: Besonders für auditive Lerntypen geeignet, Storytelling, Interviews und gut strukturierte Erklärungen steigern die Verständlichkeit

Förderung eigenverantwortlichen Lernens: Lernende entscheiden selbst, wann und wie sie die Inhalte konsumieren, kann Motivation und Eigeninitiative stärken

Nachteile von Podcasts

  • Nicht für alle Lerninhalte geeignet: Kein Ersatz für praktische Übungen oder komplexe Schulungsthemen, Theoretische Erklärungen ohne visuelle Unterstützung schwer verständlich
  • Fehlende Interaktion und praktische Anwendung: Keine Möglichkeit, Fragen zu stellen oder sich auszutauschen, keine Diskussion und Reflexion innerhalb einer Gruppe
  • Ablenkung und Konzentrationsprobleme: Lernen erfordert hohe Aufmerksamkeit, insbesondere bei schwierigen Themen, Ablenkungen im Alltag können das Lernen beeinträchtigen

Kein direkter Austausch mit Trainerinnen oder Kolleginnen: Kein Dialog oder spontane Klärung von Unklarheiten möglich

Um die Stärken von Podcasts optimal zu nutzen, sollten sie gezielt als Ergänzung zu anderen Schulungsformaten eingesetzt werden. Kombiniert mit interaktiven Workshops, visuellen Lernmaterialien oder digitalen Diskussionsplattformen können sie eine wertvolle Rolle im Schulungskonzept spielen. Doch für praxisorientierte, visuelle oder stark interaktive Themen sind sie allein nicht ausreichend.