Angeber-Wissen über die wohl stärksten Tiere der Welt

Was Frauenpower, Zimt und Blattlaus-Pups mit Ameisen zu tun haben

Eine kleine rote Waldameise - oder auch kahlrückige Waldameise genannt - die Formica Polyctena.
Eine kleine rote Waldameise - oder auch kahlrückige Waldameise genannt - die Formica Polyctena.
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19. August 2021 - 13:54 Uhr

Drei Fakten über Ameisen, die Sie vermutlich noch nicht kannten

Dass Ameisen die stärksten Tiere der Welt sind und dass unsere heimischen Waldameisen das 40-fache ihres eigenen Körpergewichts tragen können (bei einem 100 Kilogramm schweren Menschen wären das in etwa zwei PKW auf den Schultern), ist wohl schon den meisten bekannt. Diese kleinen, starken Tiere sind übrigens in der Regel weibliche Tiere. Denn ein Ameisenstaat besteht eigentlich nur aus Frauen und die halten ihr Zuhause sogar so sauber, dass sie eine eigene Müllhalde haben und dass obwohl sie sogar auf Püpse stehen.

Fakt 1: Es gibt eine Königin, aber sie regiert nicht

Nur ein Drittel eines jeden Ameisenhügels ist oberhalb, zwei Drittel des Geschehenes spielt sich unterhalb der Erde ab.
Jörg Beck zeigt in der Ameisenerlebnisausstellung im Waldpädagogikzentrum in Ehrhorn das straff organisierte Leben der Ameisen. Nur ein Drittel eines jeden Ameisenhügels ist oberhalb, zwei Drittel des Geschehenes spielt sich unterhalb der Erde ab.
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"Dieser ganze Super-Organismus, der funktioniert ohne eine Führungskraft. Die Königin ist zwar die Königin, aber die ist nur dafür da, Eier zu produzieren. Da könnten wir Menschen uns sicher das ein oder andere mal eine Scheibe von abschneiden", erzählt uns Jörg Beck vom deutschen Ameisen-Erlebnis-Zentrum in der Lüneburger Heide. Er verbringt sein Leben mit Tausenden Ameisen-Frauen, ehrenamtlich und in Vollzeit!

Das Sagen muss hier aber niemand haben, alle Ameisen-Damen wissen, was sie zu tun haben, denn die Aufgaben sind klar verteilt.

Fakt 2: Frauenpower im Ameisenstaat

Kleine rote Waldameise - oder auch kahlrückige Waldameise genannt - die Formica Polyctena.
Die Ameisen essen am liebsten sogenannten Honigtau - den stoßen Blattläuse aus, wenn sie von den Ameisendamen gestreichelt werden.
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Männer sind in einem Ameisenstaat nur selten zu sehen, denn die haben nur eine einzige Aufgabe: Die Fortpflanzung. Kurz nach dem Akt sterben sie bereits. Die Ameisenfrauen hingegen ackern für ihre Königin und den ganzen Staat: "Es gibt in der Ameisenwelt knapp zehn Innendienst- und zehn Außendienstberufe. Außendienste sind zum Beispiel Blattlausmelkerin, Wächterin. Die Innendienstberufe sind Baumeisterin, Reinigungsdamen, Königinbetreuerin, Kinderpflegerin, Kindergärtnerin, Brutpflegerin", erklärt Ameisen-Experte Jörg Beck.

Die Leibspeise der Ameisendamen ist übrigens Blattlaus-Pups: "Sie gehen auf die Blattlaus, fangen an sie langsam zu betrillern und zu streicheln, das findet die Blattlaus mega krass, freut sich riesig. Vor lauter Freude macht die Blattlaus einen Pups – da kommt etwas Süßes raus und der süße Honigtau, diese Ausscheidung der Blattläuse, ist die Hauptnahrung der Ameisen", so Jörg Beck.

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Fakt 3: Ordnung muss sein

Kleine rote Waldameise - oder auch kahlrückige Waldameise genannt - die Formica Polyctena.
Die Ameisen bringen ihre toten Artgenossen auf den Friedhof.
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Wussten Sie, dass die kleinen Insekten keine Unordnung mögen? Müll und tote Artgenossen werden ständig auf extra dafür angelegte Friedhöfe oder Müllhalden entsorgt: "Bis zu 50 Meter entfernt, da wo es dunkel ist, da wo es trocken ist, oder es gibt auch Ameisenarten, die haben Müllhalden direkt im Nest, das wird vollgefüllt und irgendwann wird die Kammer zu gemacht", so der Ameisen-Experte. Ordnung muss schließlich sein – versteht sich doch von selbst!

Natürliche Tipps gegen unerwünschte Ameisenbesuche

Ameisen sind extrem wichtig für das Ökosystem. Sie verbreiten Samen, lockern den Boden auf, sorgen dafür, dass Schadinsekten keine Überhand nehmen und sind gleichzeitig auch eine Nahrungsgrundlage – zum Beispiel für den Specht. Der frisst bis zu 3000 Ameisen am Tag.

In Häusern und auf Terrassen werden die fleißigen Insekten trotz aller Nützlichkeit oft zur Plage – doch der Fachmann aus der Lüneburger Heide weiß aufdringliche Ameisenvölker auszutricksen: "Ameisen kommunizieren durch Duftstoffe, durch körpereigene Pheromone. Wenn man also stärkere Düfte nimmt, als die Pheromone der Ameisen, dann kann man sie vertreiben. Zum Beispiel mit normalen Zimt, in den Fugen oder man kann auch Thymian, Kerbel, Kreuzkümmel, Muskatnuss oder, wenn man eine größere Fläche hat, eine Gießkanne nehmen, 10 Liter Wasser rein, 2,3 Spritzer Nelkenöl und dann 3-5 Mal am Tag gießen."

Damit zerstöre man jedes Mal das Straßensystem der Ameisen und dadurch würden sie irgendwann weiterziehen: "Klappt zu ungefähr 75 Prozent." So werden die kleinen Tiere vertrieben, ohne Schaden zu nehmen. (kum)