Falsche Ernährung hat schwerwiegende Folgen

Trotz Verbotsschilder: Hirsche durch Besucher zuckerkrank gefüttert

Falsche Fütterung kann beim Damwild zu Krankheiten und Tod führen (Symbolbild).
Falsche Fütterung kann beim Damwild zu Krankheiten und Tod führen (Symbolbild).
© iStockphoto

19. Oktober 2021 - 15:10 Uhr

Die Brottüte lieber zuhause lassen

Hier ein Stückchen Brot, da eine Weintraube: Viele Besucher in Wildgehegen meinen es nur gut, wenn sie die Tiere füttern. Dennoch hat diese falsche Ernährung schlimme Folgen für die Wildtiere. Den Hirschen am Linzer Pöstlingberg (Österreich) geht es überhaupt nicht mehr gut. Sie sind jetzt zuckerkrank, weil Besucher die Wildtiere falsch gefüttert haben. In Bad Münstereifel ist im Mai 2021 sogar ein Hirsch im Damwildgarten gestorben, weil die Menschen das Fütterungsverbot missachtet haben. Aber was fressen die Tiere eigentlich?

Durch falsches Futter: Hirsche sind übergewichtig, manche sogar tot

Besonders Kinder haben große Freude daran, Tiere zu füttern. Die Freude der Tiere hingegen ist dabei leider nur von kurzer Dauer. Wildtiere sind nämlich nicht darauf ausgelegt, Sachen wie Brötchen, Maiskolben und Kekse zu futtern. Kein Wunder also, dass die Hirsche am Pöstlingberg jetzt übergewichtig sind und an Diabetes leiden, wie die österreichische Kronenzeitung berichtet.

Auch in Bad Münstereifel nahm die falsche Fütterung für die Tiere ein dramatisches Ende. Ein Hirsch starb, da sich in seinem Magen große Mengen an Keksen, Chips, Möhren, Milchbrötchen und vieles weitere befand. Der Hirsch hatte wegen der falschen Fütterung starke Schmerzen und einen schwachen Herzschlag, wie die Stadt mitteilte. Der Tierarzt konnte ihn nur noch erlösen. Damit das nicht mehr passiert, sollten Besucher sich unbedingt an das Fütterungsverbot halten.

Die Stadt Bad Münstereifel hatte im Mai über den Fall des totgefütterten Hirschs in einem Facebook-Post berichtet und an die Menschen appelliert.

Das dürfen Hirsche & Co. essen

Viele Kohlenhydrate verträgt das Damwild nicht, doch was genau essen Hirsche und andere Wildtiere? Der auszubildende Tierpfleger vom Hochwildpark Rheinland in Mechernich-Kommern (Kreis Euskirchen) erklärt, dass sich die Tiere jahreszeitenabhängig ernähren und das essen, was sie finden: "Sie essen viele Blätter, auch Rinden von unbehandelten Obstbäumen, Weide, Eiche und teilweise auch Birke, Ahorn, nur nicht den Berg-Ahorn, der ist teilweise giftig." Außerdem sind Früchte in Maßen auch in Ordnung für die Tiere, da zu viel Fruchtzucker den Tieren nicht gut tut. Bei einem Besuch im Wildgehege werde das sehr schnell zu viel, wenn mehrere Leute anfangen die Tiere zu füttern.

Im Herbst und Winter schmecken Hirsch und Hirschkuh auch Eicheln und Kastanien sehr gut. Gräser gehören ebenfalls unbedingt auf den Speiseplan der Tiere. An Gemüse können sie fast alles essen – mit kleinen Einschränkungen: "Was nicht in Ordnung ist, sind Zwiebelgewächse und teilweise Hülsenfrüchte, zum Beispiel Bohnen sollte man auf keinen Fall füttern, weil die giftig sein können." Bei Gemüse wissen die Tiere aber in der Regel, was sie essen dürfen und lassen den Rest liegen.

Menschliches "Futter" wie Brot sollte auf keinen Fall gefüttert werden. Zu viel energiereiches Futter macht die Tiere krank. Also beim nächsten Besuch lieber die Schönheit der Tiere genießen und das Essen in der Tasche lassen. (pdr)